Mehr Trane

Nicht daß ich jetzt in einen „Trane-Rausch“ verfalle, aber eine geht diese Woche noch:

John Coltrane – Afro Blue Impressions

Dies ist ein Doppelalbum, welches erst 1977 -also gut 10 Jahre nach Coltranes Tod- veröffentlicht wurde. Es enthält Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1963, aufgenommen während einer Europa-Tournee. Zeitlich gesehen stammen diese Aufnahmen aus der Zeit kurz vor der Veröffentlichung seines wohl wichtigsten Albums „A Love Supreme”, mit dem er eine entscheidende Weichenstellung bezüglich seiner eigenen musikalischen Ausrichtung vollzogen hat; im Netz wird diesbezüglich gerne von „Spiritualität“ gesprochen, was mir fast zu plakativ ist, einen wahren Kern hat es aber schon. Auf diesem Weg spielen auch Einflüsse aus exotischen Musikregionen (aus der Sicht eines US-Musikers zumindest) eine Rolle, der Titel dieses Albums kommt deswegen nicht von ungefähr. Dabei darf man sich das aber nicht so vorstellen, daß der weitgehend modale Jazz dieses Albums nun mit allerlei afrikanischen Rhythmen und instrumentalen Effekten aufgepeppt wird; die besagten Einflüsse sind eher subtil und erschließen sich einem nicht auf den ersten Blick bzw. „Hör”, wenn man mal von „Afro Blue“ auf Seite 3 absieht, hier sind die afrikanischen oder fast orientalischen Einflüsse sehr deutlich; ich persönlich habe hier starke Assoziationen zu Stone Town auf Zanzibar. Wenn man aber genauer hinhört, dann offenbart sich einem bei einigen Stücken eine doch sehr „offene“ Rhythmik, welche man nun wiederum dem „Free Jazz“ zuordnen könnte. Das Ganze ist aber -und das ist mein unprofessionelles bzw. amateurhaftes Erleben- deutlich runder, obwohl Coltrane die Grenzen der westlichen Harmonielehre teils weit hinter sich läßt. Afrikanische Musik ist bei aller Andersartigkeit auch immer etwas, bei dem auch die einfachsten Gemüter problemlos und innig mitgehen können, das ist beim „klassischen“ Free Jazz eher selten so…

John Coltrane am Tenor- / Sopransaxophon sowie McCoy Tyner (p), Jimmy Garrison (b) und Elvin Jones (dr) bieten somit eine Melange aus Modal, Free Jazz, etwas Blues und afrikanischer Gelassenheit, die über alle vier Albumseiten Spaß macht und eigentlich zu keiner Zeit akademisch wirkt, obwohl die Musik objektiv gesehen hochkomplex ist. Ich sehe das Album nicht weit weg von dem oben verlinkten Coltrane-Highlight; wenn es zu Lebzeiten Coltranes herausgekommen wäre, hätte es vermutlich auch deutlich mehr Beachtung gefunden…

Meine Wertung: 4

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