Mitbringsel Nr. 3

Mir wurden ja freundlicherweise vor einiger Zeit 3 aus der Bourgogne mitgebrachte Fläschchen überlassen. Nr. 1 und Nr. 2 wurden bereits geleert und für gut befunden, nun kommt die letzte Flasche dran:

2015er Chardonnay – Clematis vitalba – Hautes-Côtes de Nuits AC, Claire Naudin, Bourgogne

Die Farbe ist ein leuchtendes Goldocker, anfangs mit ein paar Bläschen am Glasrand. Das Bukett ist frisch und doch leicht cremig anmutend mit anfangs grüner und später gelber werdender Kochbanane, etwas Tamarinde, gelber Kiwi und ein paar Macadamias, zu Beginn direkt auf dem Waldboden angerichtet, später auf einem Holzbrettchen. Am Gaumen fällt zuerst die für einen Chardonnay eher untypische, weil recht frische Säurestruktur auf, der ein zwar deutlicher, aber wiederum filigran wirkender Extrakt gegenübersteht, der -nochmal wiederum- parallel für eine leichte Cremigkeit sorgt. Mit der Säure kommt recht prägnant eine etwas herbe Limette mit, auf der steinigen Seite ist mir was lössig-carbonatiges aufgefallen, quasi lehmige Ackerscholle mit ein klein bißchen Seife. Der Abgang ist von schöner Länge und zelebriert nochmals schön den Spagat zwischen limettiger Frische, eleganter Cremigkeit und subtiler Sekundäraromatik.

Dieser Chardonnay könnte bei manchem Liebhaber der Rebsorte das Problem haben, daß er zuwenig „Wumms“ hat, denn insbesondere hölzerne Einflüsse gibt’s nur marginal in Form von ein paar Nüßchen bzw. heiß abgewaschenem Tropenholzbrettchen. Filigranität wird beim Wein ja auch gerne mal als freundlicher Ausdruck für Gehaltlosigkeit verwendet, ich verwende das Wort aber ausschließlich im positiven Modus. Beeindruckt hat mich hier vor allem das ganz eigene und auf seine Art von der Perfektion nicht weit entfernte Säuregerüst, welches dem Wein einen hohen Frischegrad ohne Vernachlässigung der Eleganz verleiht. Bei vielen Weinen geht da nur entweder / oder, hier erscheint das wie selbstverständlich vereint.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

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4 comments on “Mitbringsel Nr. 3

  1. Frohe Ostern Erich,
    schön, dass bei den Dreien aus der Bourgogne kein Ausfall dabei war 🙂
    Die Weine von Claire Naudin waren für mich die positive Überraschung unseres Beaune-Aufenthalts im letzten Jahr. Spannend war bei der Probe auf dem Weingut auch der Vergleich zwischen den ungeschwefelten bzw. wenig geschwefelten Weinen und den noch relativ konventionell erzeugten Weinen. Erste Kategorie war im direkten Vergleich deutlich überzeugender (warum auch immer).
    Die Roten sind übrigens auch toll. Komisch, dass sich noch kein deutscher Weinhändler um die Weine von Claire Naudin bemüht hat – so unbekannt ist sie in Frankreich, USA, UK und Skandinavien gar nicht….
    Naja vielleicht klappt es dieses Jahr mit einem Treffen in Beaune, dann können wir zusammen auf dem Weingut die 16er von Claire Naudin probieren – wenn nicht, bringt ich Dir gerne was mit 😉
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ja, es war absolut kein Ausfall dabei, weder objektiv (soweit man das sagen kann), noch subjektiv. Insgesamt eine sehr spannende Auswahl, die zeigt, daß das Burgund auch zu vertretbaren Preisen (zumindest nach meinem Eindruck) sehr ansprechende und vor allem auch eigenständige Weine weit abseits der Belanglosigkeit oder Beliebigkeit bietet. Vielen Dank nochmals für die schöne Auswahl!
      Meine bessere Hälfte unterstützt übrigens generell die Beaune-Idee…
      Ich wünsche schöne Osterfeiertage!
      VG Erich

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      • Stimmt schon, Burgund muss nicht super teuer sein, um Spaß zu machen (auch wenn die Preisgrenze hier sicher deutlich über 10 Euro liegt).
        Wir werden unsere diesjährige Burgundreise in den nächsten Wochen planen und buchen – ich melde mich, wenn ich die Daten habe, vielleicht passt es ja bei Euch 🙂

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        • Klar, wegen 10 Euro-Weinen brauch‘ ich ja auch nicht mehrere 100 km ins Burgund fahren. Die Weine der Auswahl kosteten ja so grob zwischen 20 und 40 Euronen und waren aus meiner Sicht ihr Geld durchaus wert, jedenfalls hat mich das Geld nicht gereut. Was will man mehr?
          Wenn’s eher gegen Ende der (bayerischen) Sommerferien ist, könnt’s klappen mit Beaune…

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