Der Baron gibt sich die Ehre

Ich bin bzw. wir sind gerade ein paar Tage in Südtirol unterwegs. Das erste Abendessen haben wir -auch aus Bequemlichkeit- gleich im Restaurant unseres Hotels geordert. Bei der Hotelwahl ist mir in erster Linie wichtig, daß es eine ruhige Lage hat (also gerne ein bißchen ab vom Schuß), lieber klein und familiengeführt und das Zimmer soll halt im weitesten Sinne „angenehm“ sein. Weiteren Luxus brauche ich da eigentlich nicht, da ich mich dort ja hauptsächlich nur zum Schlafen aufhalte. Die Küche des zugehörigen Restaurants ist regional bodenständig, aber wirklich gut und vor allem ist die Weinkarte -anders als bei mir zuhause- für ein Restaurant dieser Kategorie außerordentlich reich bestückt. So ziemlich alles, was einigermaßen Rang und Namen in der Umgebung des Hotels hat, ist hier aufgeführt (gut 170 verschiedene Weine, teils in unterschiedlichen Jahrgängen bzw. auch Magnums!) und die Preise sind mit einem Faktor von ca. 1,4 bis 1,8 (soweit ich die VK’s kenne) sehr zivil gehalten. Wir haben uns dann einen

2013er Chardonnay – Baron Salvadori – Riserva – Südtirol DOC, Nals-Margreid, Südtirol

geordert, der aus Margreid im Süden Südtirols stammt und 10 Monate im Tonneau (ein Holzfaß mit ca. 900 l Inhalt) verbracht hat.

Die Farbe ist ein schon recht kräftiges Goldgelb, für die Nase gibt’s sehr reife Kochbanane (wenn die Schale schon schwarz ist) und ebensolche Papayas sowie Pfirsiche; die Früchte behaupten sich sehr gut gegen die auch nicht schlecht proportionierte Holzaromatik, werden dabei aber auch durch etwas Waldhonig gut unterstützt. Geschmacklich ebenfalls recht dicht, das Holz ist hier anfangs etwas auf der teerigen Seite unterwegs -aber nicht unangenehm-, vor allem wird die Fruchtseite zu keiner Zeit überdeckt. Die Säure ist Chardonnay-typisch eher mittelmäßig ausgeprägt, dennoch stellt sich keine störende Breite ein, eine anfangs etwas vorlaute Eisennote verfliegt recht schnell. Der Abgang ist sehr lang und müßte für meinen eigentlichen Geschmack fast zu holzig sein, hier paßt aber dennoch alles ganz gut zusammen. Ein leicht angewärmter Rachen ist der einzige Hinweis auf die immerhin 14 Umdrehungen.

Obwohl gemäß Heimseite ja größere Fässer verwendet wurden, geht die Holzaromatik schon klar in die Barrique-Richtung. Entweder entwickelt sich mein Geschmacksempfinden hinsichtlich des Holzes derzeit etwas in die opulentere Richtung oder es ist einfach so, daß die aromatische Balance hier sehr schön geglückt ist. Ich tendiere jetzt mal zu letzterem, denn die Frucht läßt sich einfach nicht unterkriegen; so entsteht ein interessantes Spannungsfeld zwischen den Extremen. Nicht unbedingt ein Solist, aber wenn das Essen mitmacht, mit viel Freude zu genießen!

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25

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