Das Internet vergißt nichts…

…das mußten wir erfahren, als wir auf der Suche nach einem guten bzw. gehobenen Restaurant in Südtirol auch auf die „Rose“ in Kurtatsch gestoßen sind. Man findet allerorten begeisterte Hinweise auf das Lokal mit Öffnungszeiten und Kontaktdaten, allein die Telefonnummer, welche wir für die Reservierung nutzen wollten, funktionierte nicht. Aber wir waren eh in der Nähe und sind einfach vorbeigefahren. Sah sehr final geschlossen aus und das augenscheinlich nicht erst seit gestern oder vorgestern. Ich habe noch ein bißchen ’rumgeforscht und nur beim „Tripadvisor“ einen Hinweis auf die dauerhafte Schließung des Restaurants gefunden. Soviel zur Verläßlichkeit der Infos im Netz; ist mir übrigens nicht das erste mal passiert. Ich konnte und wollte mich dann der Anregung meiner Begleitung nicht verschließen, doch wieder nach Tscherms ins „Miil“ zu gehen…

Wieder Überraschungsmenü, wieder Weinbegleitung, wieder war’s ideenreich, ausgefallen, super! Auf so manche kulinarische Idee muß man erst mal kommen, es war bei allen teils überraschenden Kombinationen aber nichts dabei, bei dem ich mir „Na ja“ oder sowas gedacht hätte. Vielleicht beim letzten Getränk. Zu den Weinen habe ich nur ein paar grobe Zusammenfassungen gemacht, weil mir das sonst zu aufwendig gewesen wäre mit der Schreiberei. Aber vielleicht kann man sich ja doch ein bißchen was d’runter vorstellen:

1. Wein: 2016er Riesling – Ruppertsberger Reiterpfad – trocken – Erste Lage, Bassermann-Jordan, Pfalz

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In der Nase leicht flintig, am Gaumen eine sehr schöne Säurestruktur, grün-gelb zitrisch, wirkt sehr ausgewogen und kann sowohl die Mineralik- als auch die Fruchtliebhaber (allerdings hier weitgehend beschränkt auf die Zitrusfruchtseite) befriedigen.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

2. Wein: 2016er Chardonnay – Kreuth – Alto Adige Terlano DOC, Kellerei Terlan, Südtirol

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Sehr schöne Frucht-Stein-Balance, super Säure, dennoch mit einer schönen Eleganz, die nicht in breitenwirksame Cremigkeit ausartet. Mittrinkers Liebling!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

3. Wein: 2013er Kaplja – Bianco – Cuvée – Venezia Giulia IGT, Damijan, Friuli-Venezia Giulia

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Der „Kaplja“ ist eine „orange“ Cuvée aus 40 % Chardonnay, 30 % Friulano und nochmal 30 % Malvasia Istriana. Die Gärung erfolgt in konischen Eichentanks für 60 bis 90 Tage, danach reift der Wein für 23 Monate in großen Fässern und wird unfiltriert abgefüllt.

Gleich in der Nase Kastanienhonig und Blutorangenzesten, die üblichen Orange-Verdächtigen wie Gerbstoffigkeit, Mostigkeit und Sherrynähe sind hier ebenfalls alle vorhanden, jedoch allesamt auf der „guten Seite“ und super dosiert. Großartige Umsetzung des Themas „Orange-Wein“

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

4. Wein: 2015er Réserve del Conte – Cuvée – Vigneti delle Dolomiti IGT, Manincor, Südtirol

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Das ist so quasi der Gutswein von Manincor, allerdings fängt die Qualitätspyramide des Guts schon recht weit oben an. Der Conte besteht zu 35 % aus Lagrein, zu 40 % aus Merlot, die restlichen 25 % sind Cabernet, wobei allerdings nicht genauer spezifiziert ist, ob es sich um Cabernet Franc oder Cabernet Sauvignon oder vielleicht auch beides handelt.

Fruchtig-säuerliche Kirsch- und Beerennase, saftig mit schöner Säurebalance, dezente, aber einprägsame Holznoten. Dafür, daß insbesondere die Bestandteile Lagrein und Merlot nicht so wirklich meine Lieblinge sind, ist dieser Gutswein „deluxe“ doch recht gut gelungen.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

5. Getränk: Sake mit Yuzu

Das gab’s „zum Neutralisieren“ mit dem pre-Dessert. Yuzu ist eine japanische Zitrusfrucht, sieht aus und riecht wie eine größere Zitrone, hat aber aromatisch auch einige Anteile von Mandarinen und Limetten. Die Mischung wirkt durch den wohl nicht geringen Yuzu-Anteil sehr frisch, aber die Säure zieht einem trotzdem nicht das Gesicht zusammen. Fand ich gelungen!

6. Getränk: Champagner – Blancs de Blancs, Legras & Haas, Champagne mit ein paar Tropfen Whisky

Die Cantina Terlan vertreibt auch die Champagner von Legras & Haas in Italien, so erklärt sich die Wahl des Schäumers. Die Idee, ein paar Tropfen Whisky da rein zu geben, um so das Getränk fit als Begleiter für’s Tonkabohnen-Mousse zu machen, fand ich interessant und es funktioniert auch generell. Allerdings würde ich selbst das jetzt nicht nachmachen wollen, das mag aber auch daran liegen, daß ich bis heute keinerlei Zugang zum Whisky gefunden habe. Pünktchen vergebe ich dafür mal keine…

Insgesamt ein Abend, der recht lange positiv in Erinnerung bleiben wird. Bei all dem Aufwand und der Qualität, welcher hinter den ganzen Gängen steckt, ist der Preis für’s Ganze aus meiner Sicht wirklich sehr günstig. Auch die Weinbegleitung war ihren Preis allemal wert und aus meiner Sicht sehr fair kalkuliert. Sehr sympathisch finde ich auch, daß jeder Gang jeweils von der Köchin bzw. dem Koch serviert wird, die / der für den einzelnen Gang zuständig ist. Es ist also nicht nur der Chef, der da die Sympathie-Lorbeeren einheimst.

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3 comments on “Das Internet vergißt nichts…

    • Das sollte man sich tatsächlich nicht entgehen lassen! Wenn man nicht draußen sitzen kann, am besten Plätze im hinteren Teil reservieren, zumindest mir gefällt’s da noch ein bißchen besser als vorne.
      Es gibt natürlich auch noch ein paar andere schöne kulinarische Ziele, aber dazu schreibe ich dir separat noch was…

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