Noch ein Julius – Relaunch

Gestern wurde bei uns die Spargelzeit mit den bewährten Erzeugnissen der „Eierfrau“ aus der Schrobenhausener Region eingeläutet. Zumindest was auf deutschem Boden verzehrten deutschen Spargel angeht; ein bißchen italienischen Spargel gab’s letzte Woche schon in Südtirol. Bei diesem Gemüse greife ich fast schon reflexartig meist zum Silvaner und beim Auftakt geht da natürlich gar nichts anderes. Da mir der Sinn nach einem sicher frischen Vertreter dieser Sorte war, habe ich bei den 2014ern zugegriffen:

2014er Silvaner – Würzburger Abtsleite – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, in der Nase leicht rauchig-flintig, dazu konzentrierte Pampelmuse. Am Gaumen durch die potente Säure vor allem anfangs wirklich sehr frisch, mit viel Grapefruit und Limette, dazu etwas Nektarine, später auch etwas mehr ins aprikosig-birnige gehend. Weiters wieder ordentlich Feuer- sowie sonstige Steine und oben d’rauf noch ein bißchen was kräuteriges. Der Nachhall hallt frisch und mineralisch und das recht lange, die Zitrusseite versüßt (sic!) diesen Genußabschnitt sehr schön.

Ich weiß schon, warum ich den 14er Jahrgang gegenüber anderen wie dem 15er bevorzuge, diese Art von Säurestruktur trifft einfach voll meinen Geschmack. Mittlerweile hat der Extrakt (vor allem auf der Zitrusseite) soweit aufgeholt, daß ein schönes Gleichgewicht der Kräfte herrscht. Schön auch die Reise, die die „Abtsleite“ innerhalb einer Stunde von sehr sehr frisch bis immer noch sehr frisch mit deutlich mehr Gehalt durchmacht. Hat sich super entwickelt, gerade bei den kälteren Jahrgängen muß man halt oft ein bißchen Geduld haben (siehe auch 2010!), aber dann…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 20. August 2015:

Nach dem Weinwochende in Würzburg jetzt noch als gebührender „Nachruf“ eine weitere noch recht jugendliche Erste Lage, um mal einen weiteren Eindruck vom aktuellen Jahrgang zu bekommen:

2014er Silvaner – Würzburger Abtsleite – trocken – Erste Lage, Juliusspital, Franken

Die Abtsleite ist durch Muschelkalkboden geprägt. Durch die höhere Löslichkeit des Kalkgesteins soll eine deutlichere Mineralik im Wein begünstigt werden. Ob das wirklich so ist?

Im Glas ein mittleres Strohgelb. In der Nase nach ein bißchen Bedenkzeit schöne Williams-Christ-Birne und ein bißchen Aprikose. Schon hier sehr frisch-mineralisch. Am Gaumen neben dem Kern- und Steinobst auch Grapefruit und Mandarinenzesten, etwas Pfefferminz. Schöne Säure, der Extrakt ist aber noch ein bißchen rauh. Die 13,5 PS spiegeln den Gehalt schön wieder. Langer mineralisch-fruchtiger Abgang mit einem leichten Bitterchen.

Dieser Silvaner sollte meiner Meinung nach noch ein bißchen liegen bleiben, am besten in 2 bis 3 Jahren noch mal probieren. Zum gleich trinken ist der Silvaner vom Rödelseer Küchenmeister des aktuellen Jahrgangs aus meiner Sicht etwas besser geeignet.

Meine Wertung: 2

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Geruchlich und geschmacklich gibt’s keine ganz großen Änderungen, aber die gestern noch konstatierte Rauhigkeit des Extrakts ist nun gänzlich gewichen. Insgesamt vielleicht sogar noch ein bißchen intensiver. Also seit gestern insgesamt eine leichte, aber durchaus signifikante Verbesserung.

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