Schaumparty (aka 24. Weinrunde in / um München)

Diesen Samstag fand die Blindtasting-Runde Nr. 24 im Münchener Raum statt. Das Thema war kurz und knapp „Schaumweine“. Ich hatte schon mal die Idee, so eine Runde zu machen, aber zuerst fand das keinen großen Anklang, weil es als zu eintönig angesehen wurde. Aber jetzt hat sich doch jemand getraut, das einfach mal vorzugeben, Interessenten gab’s dann doch genug. Vielen Dank für den Vorstoß an unsere Gastgeber! Das ermutigt mich, auch mal etwas gewagtere Themen anzusetzen. Wenn ich denn mal wieder dran bin…

Prolog:

Zur Einstimmung gab’s dann erst mal einen nicht ganz alltäglichen Riesling:

Wein A: 2016er Riesling – Graacher Himmelreich – Kabinett – QmP, Schloss Lieser, Mosel

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Die Farbe ist ein mittleres Strohgelb, in der Nase Anis, Brennessel, Thymian und Rosmarinhonig, anfangs auch etwas angebranntes Chilli con Carne. Am Gaumen deutlich lieblich mit glasiertem Fenchel und konzentrierter Lychee sowie Kaktusfeige; die Säure kommt mir persönlich allerdings etwas zu kurz. Der Abgang hat eine ordentliche Länge, ist deutlich fruchtsüß mit prägendem Kräutereinschlag.

Einerseits schön gemacht und vor allem mit einer spannenden, weil eher außergewöhnlichen Aromatik, mir persönlich gefällt aber die Säurestruktur nicht so gut, d.h. es ist einfach zu viel „freier“ Zucker da.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

Drama:

Nun zur „Schaumparty“:

1. Sekt: oJ Venti 2 – Pink Cuvée – Vino spumante extra dry, Borgo Molino, Veneto

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Dies ist eine Cuvée aus Glera, Raboso und Pinot Nero.

Im Glas eine Farbe, die man pink-lachsig nennen könnte, die feine Perlage flaut relativ schnell ab. Für die Nase gibt’s Erd- und Himbeeren jenseits der Plakativität sowie Tonkabohnenmousse. Am Gaumen ganz wenig Hefe, dadurch recht weinig, mit der Säure kommt leicht Limettenschale dazu. Der Abgang ist dezent fruchtig, trotz deutlicher Extraktsüße eine schöne Süße-Säure-Balance.

Dies ist ein nicht zu komplexer Sekt, jedoch schön zu trinken und fernab der Belanglosigkeit, vor allem bekommt man hier recht viel Blubberwassser für’s Geld.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25

2. Sekt: oJ Pierre Jourdan – Cuvée – Brut, Haute Cabrière, Western Cape

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Dies ist eine Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir.

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, etwas gröbere Perlage, dafür aber beständig. In der Nase leicht Hefe, Akazienhonig, etwas Birne, am Gaumen recht trocken, knackige Säure, leicht Hefe und Sauerteig, dazu eine frisch-herbe Kalk- / Kreidemineralik, fruchtseitig sind hier eher Äpfel zu vermelden. Der lange Abgang ist trocken-herb-mineralisch, die Frucht steht hier an zweiter Stelle, behauptet sich dennoch ganz gut.

Sehr trockener Schäumer mit viel Spannung, dazu eine schöne Mineralik und eine spitzenmäßige Säurestruktur. Muß man aber mögen…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

3. Sekt: oJ Tresor – Brut – Cuvée – Saumur AC, Bouvet Ladubay, Vallée de Loire

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Hier haben wir eine Cuvée aus Chenin Blanc und Chardonnay, die im Eichenholzfaß reifen durfte.

Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, eher mäßige Perlage. Für die Nase gibt’s vorwiegend verhaltene und leicht „herb-schmutzige“ Äpfel, je nach Glas auch etwas Petrol. Am Gaumen dann deutlich mehr Äpfel, auch Birnen, wirkt leicht restsüß, etwas Eisen kommt noch dazu. Der Abgang ist recht kurz, soweit man das in der Kürze sagen kann, eher fruchtbetont und trockener als am Gaumen.

Wirkt auf mich ein bißchen unausgewogen und gewollt, nichts zum nachkaufen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

4. Sekt: 2015er Sauvignon Blanc – Brut – Sekt b.A., Oliver Zeter, Pfalz

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Im Glas zeigt sich ein leuchtendes Goldgelb, deutliche Perlage. Geruchlich gibt’s einige Kräuter wie Estragon und Dill, weiters Stachelbeere und grüner Apfel. Am Gaumen sehr blubberig mit ziemlich kantiger Säure und etwas Calcium, fast anstrengend dabei; fruchtseitig findet man Apfel und Zitronenschale. Auch der lange Abgang ist alles andere als geschmeidig aufgrund der angriffslustigen Säure, dazu grüne Frucht und etwas Keller.

Dieser SB-Schäumer ist ein etwas grober Klotz mit eigentlich guten Anlagen. Wenn die fetten Blasen etwas kleiner werden, bessert sich das Ganze zwar etwas, Nachkaufniveau hat der Sekt bei mir allerdings nicht erreicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

5. Sekt: [2017er] Zweigelt – Extra dry, Szigeti, Neusiedlersee

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Die eingeklammerte Zahl oben weist auf das Jahr der Dégorgierung hin, nicht auf den Jahrgang der / des Grundweine / s.

Im Glas ein dunkleres Granatrot mit mäßiger Transparenz, mittlere Perlage. Für den Riechkolben gibt’s Schattenmorellen, Brombeeren und Blaubeeren mit deutlicher Extraktsüße, ganz leicht auch ein paar braune Noten; mit der Zeit wird der Zweigelt-Schäumer hier etwas alloholisch. Am Gaumen die gleiche, recht saftig wirkende Frucht, wieder eine deutliche Extraktsüße, der aber die sanfte Perlage in Verbindung mit der zwar distinguierten, aber effektiven Säure gut Paroli bietet. Ein paar herbe Steinchen gibt’s übrigens auch noch. Der Abgang ist lang und etwas armagnacig, dabei etwas cremig und wieder extraktreich mit schönem Säure-Gegenpart.

Dieser Rotsekt hat im Rahmen der obigen Beschreibungen im Verkostungszeitraum einige Seitwärts-Bewegungen vollzogen. Am schönsten ist eigentlich das Bukett, am Gaumen und beim Abgang fällt er zwar etwas ab, bleibt aber im besten Sinne interessant und durchaus eigenständig. Muß ich aber dennoch nicht nachkaufen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

6. Sekt: 2011er Cabernet Sauvignon – Rosé – brut, Karl Steininger – Kamptal

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Dieser Flaschengärer wurde im November 2013 dégorgiert und hatte dann noch eine recht lange Flaschenreifezeit auf dem Buckel, bevor er in den Verkauf kam.

Das ist nun -leider- unser erster Korkausfall, seit wir diese Weinrunden veranstalten. Auch für mich persönlich nach recht langer Zeit der erste TCA-Fall, ich hatte jetzt mindestens drei Jahre Ruhe davor (ausgenommen ein oder zwei Überraschungskistenweine). Immerhin war erkennbar, daß Blubber und Säure eine sehr schöne Struktur aufweisen und hinter dem ganzen Muff konnte man ein schon vielversprechendes Fruchtspektrum erahnen. Schade!

Meine Wertung: Nachkauf  von 3, Gesamt von 25

Epilog:

Vor dem Abmarsch in Richtung ÖPNV gab’s dann noch was Weißes aus Österreich:

7. Wein: 2015er Super Natural – Hausmarke – Cuvée – trocken – Qw, Moric, Neusiedlersee-Hügelland

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Diese Cuvée aus 85 % Grüner Veltliner und 15 % Chardonnay zeigt sich mit einem leuchtenden Goldgelb, geruchlich viel gelbe Frucht mit viel Druck in Form von Papaya, Mango und Pfirsich, aber auch leicht Cognac. Am Gaumen eine ähnliche Fruchtdichte, dabei leichter Holzeinfluß spürbar, vor allem in Form einer alten Lederjacke. Dazu gibt’s eine schöne, aber etwas zurückhaltend wirkende Säure sowie eine leicht schwefelhaltige Mineralik. Der Abgang ist lang und intensiv, kann man durchaus auch burgundisch nennen.

Dieser Hauswein ist fett und elegant im besten Sinne, er macht sich so einige Naturweincharakteristika zu Nutze, ohne dabei übermäßig „freakig“ zu wirken. Macht Spaß!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Fazit:

Trotz des Kork-Ausfalls eine schöne und teils auch überraschende Runde, die vor allem auch gezeigt hat, daß das Schäumer-Thema nicht in Langeweile ausarten muß.  Unsere Gastgeber haben auch noch ein sehr schönes Menü dazu serviert, zu dem die Brausen jeweils recht gut gepaßt haben, nur der Zweigelt-Sekt stand etwas alleine da, paßte aber in der Abfolge dennoch sehr schön hinein. Eine erstaunliche Erkenntnis für mich war, wie sehr die Glasform Einfluß auf den Geschmack hat. Wir haben sowohl Gabriel- als auch Zalto Universal-Gläser verwendet. In letzeren zeigten einige Schäumer deutliche Petrolnoten, die es bei der Verwendung des Gabriel-Glases nicht mal im Ansatz gab. Und das war nur der deutlichste Unterschied. Da zeigt sich wieder, wie relativ unsere Beschreibungen letztlich sind. Aber ich hoffe, sie dienen dennoch als einigermaßen verläßlicher Wegweiser.

Abschließend nochmals vielen Dank an unsere beiden diesmaligen Veranstalter, insbesondere das Menü war wirklich herausragend!

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