Wachauer Saubermacher – Relaunch

Schon wieder ein Relaunch, diesmal mit immerhin drei Jahren Abstand zur letzten Flaschenöffnung. „So lange gibt’s nun mein Blögchen schon“, denke ich mir angesichts solcher Fälle, in denen ich auf alte Berichte zurückgreife und diese in der Blog-Chronologie nach oben hieve.

2013er Grüner Veltliner – Wachauer Steillagen – trocken – Qw, Martin Muthenthaler, Wachau

Im Glas ein leuchtendes Goldgelb, die Nase bekommt’s gleich mit einer kernigen Mischung aus rotem Phosphor und einem prall gefüllten Korb mit allerlei Zitrusfrüchten zu tun. Geschmacklich kann man den Korbinhalt grob in Limette, Zitrone, Pomeranze, Kumquat und Pampelmuse aufteilen, wobei die Fruchtaromen relativ klar gegeneinander abgegrenzt wirken (was aber nicht heißt, daß sie einfach nur isoliert nebeneinander stehen). Daneben etwas weniger Phosphor als beim Bukett, dafür hier einige etwas schieferig wirkende Steine. Mit etwas Luft kommen dann auch noch Blutorangen und etwas nicht ganz reife Aprikose dazu. Und dann „voll fett“ Säure, die zwar einerseits messerscharf ist, andererseits aber nicht grimassenbildend wirkt, einfach super balanciert. Der Abgang ist der frisch-fruchtigste Teil, hier ist die Stein-Mineralik etwas weniger präsent, schadet dem Gesamteindruck aber nicht; dafür ploppt hier dann finally das obligate GV-Pfefferl auf.

Säuremäßig und von der Zitrusaromatik her könnte dieser GV bis zum Abgang mittlerweile auch gut als Riesling durchgehen; interessant, daß sich vor allem das Kernobst in den letzten drei Jahren praktisch komplett verflüchtigt hat. Schöne, frische, dabei doch gehaltvolle und vielschichtige Stilistik, die Aromabestandteile sind sehr klar differenziert, man muß eigentlich kaum darüber nachdenken, was man da gerade schmeckt. Großer Stoff!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 25. März 2015:

Den Titel zu diesem Beitrag habe ich ganz frech hier geklaut. Den beiden österreichischen Vinophilen habe ich es zu verdanken, daß ich die Muthenthaler-Weine überhaupt entdeckt habe. Allerdings geht es in der verlinkten Folge um Riesling. Es gibt eine Menge sehr schöne, informative und witzige Folgen auf diesem Blog. Schade, daß das Duo in letzter Zeit nicht mehr so aktiv ist, hoffentlich nur eine künstlerische Schaffenspause.

Jetzt aber zurück zum Wein:

2013er Grüner Veltliner – Wachauer Steillagen – trocken – Qw, Martin Muthenthaler, Wachau

Wie andere auch (Veyder-Malberg, Pichler-Krutzler etc.) verzichtet Martin Muthenthaler auf die klassischen Wachauer Qualitätsbezeichnungen Steinfeder, Federspiel bzw. Smaragd, was schon ein erster Hinweis darauf ist, daß es sich hier um Weine handelt, die sich ein bißchen abseits der „typischen“ Wachauer Stilistik bewegen. Im Klartext heißt das: Eine sehr klare Stilistik, keine Edelfäule bei den Trauben, biodynamischer Weinbau in den Terrassen. Inspiriert wurde er dazu nach eigenen Angaben von Peter Veyder-Malberg, der gleich in der Nachbarschaft diesen Trend eingeleitet hat. So heißt es zumindest.

Der GV zeigt sich in der Nase würzig frisch, anfangs eher mit Grapefuitnoten, später mehr in Birnen- und Boskooparomen übergehend, ein bißchen Quitte entwickelt sich langsam aber sicher. Am Gaumen zuerst mit recht prägnanter Säure ohne jeglichen süßen Gegenpart (wie beim GV durchaus üblich), die sich im Laufe von gut einer Stunde aber sehr elegant entwickelt und dann den Kernobstaromen mehr Raum gibt. Komplex und doch sehr klar strukturiert, je länger man ihn im Glas hat, desto schöner wird der fruchtig-mineralische Eindruck.

Ein aus meiner Erfahrung heraus eher Wachau-untypischer GV, was meinem persönlichen Geschmacksempfinden allerdings sehr entgegen kommt. Das war sicher nicht die letzte Flasche aus diesem Haus!

Meine Wertung: 3

2 comments on “Wachauer Saubermacher – Relaunch

    • Ja, leider gibt’s da praktisch keine Aktivität mehr, da einer der beiden woanders hin gezogen ist.
      Muthenthaler ist für mich einer der „Geheimtipps“ der Wachau, weil er einer derer ist, die in der Region für eine Entwicklung „nach vorne“ stehen, und die machen nicht allzu viele mit.

      Liken

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