Feld mit Firn

Langsam wurde es mal Zeit, daß ich anfange, meine ganz alten Feldmarschäller zu testen, ob da noch Leben in der Flasche ist. Jedenfalls wurde mir vor ein paar Wochen bei der Kellerei Tiefenbrunner erzählt, daß dort vor nicht allzu langer Zeit eine interne Vertikale stattgefunden hat, und zwar mit „Felds“ bis 1996 zurück. Und die sollen alle noch gut gewesen sein. Mal sehen, ob ich das vom

2003er Müller-Thurgau – Feldmarschall von Fenner zu Fennberg – Weinberg Dolomiten IGT, Tiefenbrunner, Südtirol

auch behaupten kann, der ja nun auch schon 15 Jahre auf dem Buckel hat.

Farbmäßig ist der alte „Feld“ eher unauffällig, ein leuchtendes, durchaus dichtes, aber nicht dunkles Goldgelb zeigt sich im Glas. Für die Nase gibt’s leicht mit Firnis überzogene gelbe, reife Kaktusfeigen, Ananasessenz und leicht Quitten, dahinter ein paar Wiesenkräuter und -blumen. Am Gaumen ein ähnlicher Eindruck, hier zeigt sich neben der immer noch recht frischen, leicht zitronigen Säure einiges an lehmbeschmierten und mit Eisenoxid versetzten, leicht herben Steinchen; eine anfangs vorhandene leichte Alu-Komponente verzieht sich nach gut 5 Minuten völlig. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, zuerst wird die pensionsreife Frucht schön in Szene gesetzt, das Finale betont dann die leicht erdige Mineralik nochmals schön, dabei hält die Säure alles klar im animierenden Bereich.

Da 2003 in Italien ja ein recht warmes Jahr war, das vielen Weinen frühzeitig zum Marmeladenstatus verholfen hat, blieben trotz der oben zitierten Aussage des Tiefenbrunner-Personals leichte Zweifel, ob dieser „Feld“ noch Spaß macht; auch wenn ich weiß, daß die Lage des Feldmarschalls eine absolute Sonderstellung einnimmt. Ich habe auch keine Erinnerung mehr daran, wie der 03er vor ca. 10 Jahren geschmeckt hat, ungefähr da muß ich ihn zuletzt im Glas gehabt haben. Da gab’s aber noch keine Aufzeichnungen von mir. Aber weit gefehlt, zuckt noch ganz ordentlich! Die Säure ist zwar nicht ganz so präsent, wie ich das von anderen Jahrgängen gewohnt bin, aber das kann auch dem Alter des Weins geschuldet sein. Altersfehltöne gibt’s spätestens nach ein paar Minuten mit Luft auch keine, der leichte Firnton führt jedenfalls nicht zu Problemen. Es war also doch noch eine Menge an Spaß in der Flasche, und der wird sich wahrscheinlich auch nicht so schnell von dort verflüchtigen! Ich hab‘ noch eine… 🙂

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

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