WaL-Nachlese – Muscadet

Nach längerer Zeit haben wir nun mal wieder bei einem Wein-am-Limit-Livestream teilgenommen. Diesmal hat alles gepaßt: das Thema, der Termin, die Teilnehmer, der Preis…

Da mir meine stichwortartigen Kommentare zu den Weinen auf der Streamingseite zur Dokumentation meiner Eindrücke zu wenig sind (und ich die Weinchen natürlich auch auf „meinem“ Blögchen wiederfinden möchte), hier nun im Nachgang meine / unsere Notizen zu den 3 Fläschchen:

1. Wein: [2015er] Melon de Bourgogne – Gwin evan – Vin de France, Ty Plan Breizh (Gaec Du Haut Planty), Vallée de Loire

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Im Stream wurde sinngemäß erläutert, daß auf den Flaschen kein Jahrgang d’raufsteht, weil der eigentlich unwichtig sei. Es handelt sich also nicht um eine Jahrgangscuvée, wie ich zuerst vermutet hatte. Da dem Wein aber auch Lagerpotential zugeschrieben wurde, fände ich es persönlich schon vorteilhaft, wenn auf dem Etikett bezüglich des Jahrgangs was Sinnvolles angegeben wäre, man muß ja irgendwie abschätzen können, wie alt der Saft nun tatsächlich ist. Da bleibt einem sonst nur übrig, selber Aufkleberchen d’rauf zu machen, wie beim jahrgangslosen Schäumer auch…

Die Farbe ist recht dunkelgelb, schielt in Richtung orange, für die Nase gibt’s leicht nussig-reduktiven Pfirsich, am Gaumen kommen noch Mirabellen und dezent Maracuja dazu. Von der Textur her leicht cremig, die Säure ist moderat, aber effektiv, dazu gibt’s eine recht deutliche salzige Unterlage. Der Abgang ist ordentlich lang, durchaus fruchtig, aber wieder leicht reduktiv, macht daher einen etwas distinguierten Eindruck.

Nach gut 24 Stunden hatte ich noch die Gelegenheit, einen kleinen Schluck nachzuverkosten, dies war die beliebteste Flasche gestern. Das nussig-cremige in der Nase hat etwas zugelegt, auch am Gaumen verschieben sich die Aromaanteile signifikant zur herben Cremigkeit hin, die Säure hält aber wacker dagegen. Der Abgang erscheint auch deutlich dichter, macht so noch etwas mehr Spaß als gestern, trotz vorheriger Belüftung.

Ist ein bißchen freakig, aber nicht so sehr, daß er die nicht ganz so nerdigen Mittrinker bereits verstört hätte. Schön ist vor allem die Konzentration an Salzen, diese sind ordentlich charakterbildend, allerdings stehlen die Nüsse am zweiten Tag den Steinen etwas die Show.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25 (gestern noch 19/25)

2. Wein: 2014er Melon de Bourgogne – Les Yonnières – Vieilles Vignes – Vin de France, Gaec Du Haut Planty, Vallée de Loire

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Im Glas zeigt sich ein sehr trübes Ockergelb, sieht eher wie naturtrüber Apfelsaft aus. Für den Riechkolben gibt’s anfangs leicht Schwefel, die hier etwas weniger präsente Frucht kommt auch aus der Pfirsich- / Mirabellenecke, ist aber deutlich reduktiver als beim ersten Wein, dafür gibt’s ordentlich Sauerteig. Am Gaumen fällt mir zuerst die recht cremige Säurestruktur auf, ist dennoch klar auf der frischen Seite zuhause. Die Früchte sind hier leicht angemostet, dazu gibt’s aber auch frisch-grüne Anteile wie Limettenschalen und Bergamotte, etwas Darjeeling FGTFOP First Flush ist auch noch dabei, die Unterlagensteinchen sind etwas bemoost. Der Nachhall ist frisch-cremig-gerbstoffig, im Finale gibt’s leicht belegte Zitrusnoten.

Auch beim „Apfelsaft“ bewirkt die zusätzliche Luft eine Veränderung, allerdings zumindest am Gaumen nicht nach vorne, hier macht sich nun eine recht kernige Fermentationsnote breit, die in ihrer Intensität nicht mehr nur schön ist. Diesen Wein also eher gleich nach dem Öffnen wegtrinken! Vielleicht täte hier ein klein bißchen Extra-Schwefel doch ganz gut?

Dieser Wein war dann schon deutlich polarisierender in der Runde, muß man einfach mögen. Wenn man’s mag, kommt z.B. folgende Wertung dabei heraus:

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25 (nach einem Tag allerdings nur noch Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25)

3. Wein: [2015er] Abouriou – Vin de France, Gaec Du Haut Planty, Vallée de Loire

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Bezüglich der Jahrgangslosigkeit gilt hier wohl das Gleiche wie beim Einstiegswein, auch wenn’s dazu keine Erläuterung gab. Jedenfalls wies der Lieferschein „2015“ als Jahrgang aus.

Hier gibt’s ein dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz im Glas. In der Nase etwas staubig, dazu schwarze Johannisbeere und Mispeln. Geschmacklich zeigen sich dann in eher filigraner Art Schattenmorellen, wieder schwarze Johannisbeeren, welche mit ein paar Nüssen versetzt sind und „Flause“, das ist eine Hibiscuslimonade, die in München gebraut wird und nur eine begrenzte regionale Verbreitung hat. Mit der deutlichen, aber gar nicht vorlauten Säure kommen noch ein paar Pampelmusenzesten mit, der belebende Abgang ist leicht-fruchtig-salzig, aber gegenüber dem Gaumengefühl deutlich weniger präsent.

Soweit ein ganz ordentlicher roter Zechwein weit jenseits der Banalität, weist aber ein paar gefühlte „aromatische Löcher“ auf, die auch nach einem Tag mit Luft noch unverändert da sind, deshalb bei mir nicht in den Nachkaufrängen.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 17/25

War eine schöne und interessante Runde, denn aus der Loire-Apellation „Muscadet Sévre et Maine“ kannte ich bislang noch gar nichts. Insofern kann ich jetzt auch keine Vergleiche mit den dort üblichen Weinen anstellen, denn diese hier sollen ja nicht so ganz üblich sein, was ich mir wiederum auch ganz gut vorstellen kann. Ich bin gespannt, bei welchem Veranstalter ich die nächste Live-Verkostung mitmachen werde. WaL oder Wrint? Mal sehen…

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2 comments on “WaL-Nachlese – Muscadet

  1. Hi Erich,
    nachdem ich heute den Livestream als Konserve gesehen habe, finde ich Deinen Bericht ergänzend sehr spannend. Das war ein (überhaupt erst der dritte) Livestream der mich interessiert hätte, hat aber aus verschiedenen Gründen nicht gepasst.
    Beim Ansehen des Videos dachte ich noch „Mist, dass du das verpasst hast“, nach Lesen Deiner Nachlese denke ich „och, doch nicht so schlimm- so doll waren die Weine dann auch nicht…“.
    Mit Melon de Bourgogne hab ich auch relativ wenig Erfahrung obwohl Weine von der Loire bei mir recht gut repräsentiert sind – im Keller hab ich aktuell nur den 15er Muscadet de Sevre-et-Maine Sur Lie von Jo Landron – schöner Wein aber weit weniger spannend als vielen Chenin aus Anjou, Saumur, etc..
    Werde mir dann eher nix davon zulegen, auch wenn der Winzer sehr sympathisch und witzig war….aber das hilft dem Wein ja auch nicht wirklich 😉
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      ich fand’s schon recht interessant, allerdings natürlich auch, weil’s für mich Neuland war. Ich bin zwar Anfang der 90er mal an der Loire-Mündung gewesen und habe dabei z.B. festgestellt, daß Austern überhaupt nicht mein Ding sind (hauptsächlich konsistenzmäßig), aber weinmäßig habe ich keine bleibenden Erinnerungen.
      Ich kann mir schon vorstellen, daß ich die Weißen nochmal kaufe, den Gwin Evan allerdings mehr als den Les Yonnières, weil ersterer einfach am besten in der Runde ankam. So richtig nachhaltig geflasht wie so manch anderer Wein Loire-aufwärts haben mich die Weinchen dann aber auch nicht. Spaß hat’s trotzdem gemacht 🙂
      VG Erich

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