25. Weinrunde in / um München

Diesen Freitag fand die Blindtasting-Runde Nr. 25 in München bzw. in den „Outbacks“ statt. Das regionsbezogene Thema lautete diesmal „Süd-Rhone“. Aus dieser Ecke hatte ich keine allzu große Auswahl im Keller, genau gesagt, gerade mal zwei. Viele Weine von dort kamen mir immer zu breit und fett entgegen, weshalb ich mich nie nachhaltig um diese Ecke gekümmert habe, was sich wiederum in entsprechendem Halb- oder besser Viertelwissen diese Region betreffend äußert. Zum Glück hatten wir aber auch ein paar Rundenmitglieder dabei, die da ganz erheblich bessere bzw. profundere Kenntnisse über die dortigen Weine hatten, so war der Abend (nicht nur) für mich doch recht erleuchtend, soviel vorweg…

Prolog:

Zur Einstimmung gab’s dann wieder mal Riesling aus deutschen Landen:

Wein A: 2015er Riesling – Trarbacher Hühnerberg – trocken – Kabinett – Pw, Martin Müllen, Mosel

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Leuchtendes Goldgelb im Glas, in der Nase leicht Feuerstein, schieferig, etwas Blutorange, Limette, daher habe ich mich mit nur diesem Eindruck vorschnell auf die Pfalz festgelegt. Am Gaumen dann aber deutlich moseliger: fruchtseitig eher karg, dafür eine sehr schöne, ebenfalls leicht flintige Schiefermineralik, dazu eine knackige, aber angenehme Säure. Der Abgang ist lang und in erster Linie frisch-schiefrig.

Ein trockener Riesling mit 10,5 Umdrehungen, der dennoch mit ordentlich Inhalt punkten kann, sowas gibt’s anscheinend tatsächlich nur an der Mosel. Super Sache! Einziger Wermutstropfen bei diesem Wein ist der, daß der Spender erzählt hat, daß die vorherigen 3 Flaschen gekorkt haben…

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Wein B: 2015er Morillon – vom Opok – trocken – Landwein Steirerland, Werlitsch, Südsteiermark

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Im Glas ein leicht trübes Goldgelb mit Ockertouch, in der Nase leicht reduktive, dichte Frucht: Maracuja, süße orange Zitrusfrucht, Kumquat. Entwickelt sich nasenmäßig recht zügig in Form von deutlicher Intensitätszunahme, am Gaumen dann ebenfalls recht dichte Fruchtigkeit wie oben, dabei deutlich reduktiv, aber doch eher wenig mostig. Weiters gibt’s eine recht frische Säure sowie herbe Steinchen. Der Abgang ist sehr lang, super Balance zwischen Frucht, Säure und Mineralik incl. etwas Lakritze.

Die Basis-Weine „vom Opok“ hatte ich zwar als recht spannend in Erinnerung, diese älteren Jahrgänge waren aber doch eher „schwierig“, vor allem direkt nach dem Öffnen. Sie haben ihre wahre Größe dann erst nach 4 bis 7 Tagen mit Luft gezeigt. Das ist mittlerweile anders geworden, nunmehr machen auch diese Weine vom Fleck weg viel Freude, haben dabei aber ihre „Werlitsch-Typizität“ nicht über Bord geworfen. Großer Stoff für vergleichsweise wenig Geld!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Drama:

Nun zu den „Wettbewerbsweinen“ von der Rhône:

1. Wein: 2014er Cuvée Roussanne – Châteauneuf du Pape AOC, Patrice Magni, Rhône

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Im Glas ein recht dichtes Goldgelb, in der Nase viel Pfirsich, reife Kaktusfeige, auch Akazienhonig, dabei leicht nussig, irgendwann kommt noch eine frittierte Kochbanane (sehr reif und bereits schwarzschalig) dazu. Im Hintergrund ein paar schieferige Noten. Am Gaumen recht opulent wirkend, die Früchte sind leicht ankandiert bzw. oxidiert, die amtliche Extraktsüße ist sehr geschmeidig, aber es gibt genügend Säure zur Breitenabwehr. Dazu wieder eine satte, leicht herbe Steinunterlage, die man aber aufgrund der dichten Frucht auch leicht „übertrinken“ kann. Sehr langer Abgang mit Rachenwärme, dennoch kein spürbarer Allohol, trotz des Gehalts recht belebend.

Wenn schon fett, dann so! Die super Säurestruktur ist hier für mich der wesentliche Schlüssel zum Erfolg, alle anderen Beigaben machen aber auch viel Freude. Ich weiß nicht, ob der C9dP aktuell am Zenit ist, weit weg davon scheint er mir jedenfalls nicht zu sein. Leider der einzige weiße Themenwein in der Runde.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

2. Wein: 2013er [Cuvée] – JT – Costières de Nîmes AOC, Château de Nages, Rhône

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 93 % Syrah und 7 % Mourvèdre.

Die Farbe ist ein dunkles Granatrot mit ganz leicht braunem Rand, mäßig transparent. In der Nase leicht süßliche Kirschen und Pflaumen in nicht geringer Konzentration, jedoch schon etwas angekocht. Aus dem Holz kommt dezent ein bißchen Nelke, gläserspezifisch zeigte sich auch ein bißchen BRET (im Gabriel-Glas allerdings nur hauchmäßig, wenn man dezidiert danach gesucht hat). Am Gaumen eine mittlere Tannindichte, etwas adstringent, dazu eine deutliche Eisennote. Der Allohol macht sich klar bemerkbar, die Frucht geht hier fast unter. Die Säure ist eher moderat ausgebildet und eigentlich ganz gut eingebunden, wirkt aber nur noch nebensächlich. Der Abgang ist ebenfalls etwas alloholisch, leicht staubig-eisenhaltig, gebremste Frucht, insgesamt etwas plump.

Es gab auch Rundenmitglieder, die diesen Wein deutlich besser eingeschätzt haben, mir persönlich war er einfach zu anstrengend.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

3. Wein: 2015er [Cuvée] – Châteauneuf du Pape AOC, M. Chapoutier, Rhône

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Dieser C9dP ist -anscheinend- eine Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvèdre, die Heimseite des Guts schweigt sich diesbezüglich aus.

Die Farbe ist ein dunkles Granatrot mit mittlerer Transparenz, für die Nase gibt’s Pflaumen und schwarze Johannisbeeren sowie hellen Tabak. Am Gaumen zeigen sich recht samtige Tannine, deutlicher, aber geschmeidiger Extrakt, vom Holz her etwas Tabak und leicht Vanille, die Frucht ist „schmatzig“, die Säure recht ausgewogen. Der Abgang ist ordentlich lang mit schöner Frucht-Mineralik-Balance.

Soweit ein Rotwein, an dem es eigentlich nichts zu meckern gibt, der aber auch ein Stück weit beliebig ist, wenn auch mit Anspruch. Ist mir aber für die gut 25 Euronen, die man für einen anständigen C9dP einfach hinlegen muß, deutlich zu teuer, denn Alleinstellungsmerkmale weist dieser Wein aus meiner Sicht nicht auf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

4. Wein: 2010er [Cuvée] – Domaine des Tours – Vin de Pays de Vaucluse IGP, Château Rayas, Rhône

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Dieser Wein besteht gemäß Netzinfo aus den Rebsorten Grenache, Cinsault, Syrah, Merlot und Counoise oder wahlweise auch aus Grenache, Counoise, Syrah, Cinsault, Merlot und Dious.

Im Glas zeigt sich ein dunkleres Ziegelrot, etwas trüb, deutlich transparent. Geruchlich zeigt sich vor allem leicht angekochte Pflaume, dazu Tabak und Nelke sowie etwas feuchter Keller. Am Gaumen leicht pfeffrige Tannine, die keinerlei Adstringenz hervorrufen; hier nur noch wenig Frucht (am ehesten Feige), dafür deutliche Holznoten plus Beifuß, eine gute Säurebalance vermeidet jede Anstrengung. Auch der Abgang ist eher holzlastig, aber auf der noch angenehmen Seite, dazu ist er mit einiger Braunkräuterigkeit hier sehr geschmeidig unterwegs.

„Reif, aber nicht (zu) alt“, könnte man diesen Wein titulieren, der auch etwas an gereiften Pinot Noir erinnert. Vielleicht schon auf dem absteigenden Ast, aber aktuell noch mit einiger Freude zu genießen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

5. Wein: 2013er [Cuvée] – Rasteau AOC, Domaine de Beaurenard, Rhône

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Hier weist das Rückenetikett 80 % Grenache und 20 % Syrah als Rebsorten aus.

Die Farbe ist ein dunkles Rubinrot mit mittlerer Transparenz, in der Nase viele Beeren (Brom- und Heidel-), etwas dunklerer Tabak, ein Hauch Schweiß, macht schon hier einen saftigen Eindruck. Am Gaumen eine mittlere Tannindichte, dann recht fette Beerenfrucht mit Tabakunterstützung, moderate, aber gut moderierende Säure, später auch etwas nasse Terrasse mit Kräutersaitlingen. Der Abgang ist lang und warm, dabei dicht fruchtig mit leichter Adstringenz.

Dieses Weinchen ist zwar nicht hyperkomplex oder gar ein „großer Wein“, machte mir aber mit seiner saftigen und insgesamt stimmigen Art incl. kleiner Kanten sehr viel Freude, was mich zu einer eher hohen Wertung verleitet:

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 21 von 25

6. Wein: 2013er [Cuvée] – Lirac AOP, Domaine Pélaquié, Rhône

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Hier haben wir es mit einer Cuvée aus Grenache noir und Mourvèdre zu tun.

Im Glas ein dunkles Granatrot, wenig Transparenz, in der Nase gereifte Frucht, fast schon ein Feigen- / Dattelmix, dazu Leder und leicht Vanille, etwas alkig. Am Gaumen recht scharfe Tannine, auch die Holzaromatik würde ich eher „scharf“ nennen. Dafür gibt’s zumindest eine zwar moderate, aber gut eingependelte Säure. Der Abgang ist lang, aber wiederum etwas hart, wirkt leicht angekocht und wenig differenziert..

Dies ist ein Wein, den man zwar schadlos wegtrinken kann, enthält mir aber zuviele „Abers“, um ernsthaft für einen Nachkauf -auch z.B. für Partyzwecke- in Frage zu kommen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

7. Wein: 2015er [Cuvée] – Les Quartz – Côtes-du-Rhône AOC, Le Clos du Caillou, Rhône

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Hier lautet die Zusammensetzung 80 % Grenache und 20 % Syrah, können auch 85 % Grenache und 15 % Syrah sein, man findet wieder unterschiedliche Angaben.

Die Farbe ist ein dunkleres Rubinrot mit höherer Transparenz. Bukettmäßig gibt’s frische Brombeeren und rote Pflaumen sowie etwas Tabak. Am Gaumen extraktreich, saftig, relativ weiche Tannine, ganz leichte Adstringenz. Mit der gut arbeitenden Säure kommt etwas Grapefruit mit, der Abgang ist von schöner Länge und auch in erster Linie saftig.

Gut gemachter Alltagswein, an dem an sich kaum was auszusetzen ist, außer daß er etwas „gemacht“ wirkt. Recht schöner Nebenher-Wein, jedoch ohne großartigen Anspruch.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

8. Wein: 2015er [Cuvée] – La Ponce – Rasteau AOC, Domaine des Escaravailles, Rhône

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Hier wieder eine Cuvée aus 80 % Genache noir und 20 % Syrah, scheint eine beliebte Mischung zu sein.

Farblich ein dunkles Rubinrot mit deutlicher Transparenz. In der Nase vorwiegend Weißkohl und Schwarzkirsche. Am Gaumen eine sehr süße -nein, zu süße- Frucht, die Säure ist nicht der Rede wert; das führt bei mir zu erheblicher Anstrengung. Der Abgang ist dann ebenfalls im wesentlichen pappig-süß.

Nö…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 11 von 25

Epilog:

Zum Ausklang gab’s dann noch was heimisches von einem nicht ganz unbekannten Winzer:

9. Wein: 2016er Sylvaner – Rödelsee – trocken – Ortswein, Weltner, Franken

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Im Glas ein unauffälliges Goldgelb, für den Riechkolben gibt’s vorwiegend Frucht in Form von Birne, nicht ganz reifer Aprikose sowie Mirabellen. Am Gaumen wirkt dieser Ortswein leicht restsüß, trotz leichter CO2-Prickeligkeit hat mir dieser Silvaner einfach einen Tick zu wenig Säure. Hinter der Frucht findet man etwas Kreide und Majoran. Auch der Abgang ist etwas zuckerschwanzelig.

Als ich vor gut drei Jahren mal beim Weingut war, habe ich mich durch den Großteil des Sortiments durchgetrunken und dann auch eine Menge mitgenommen, aber nur Sachen ab Erster Lage und aufwärts. Guts- und Ortsweine waren mir nach meiner Erinnerung meist etwas zu breit oder ich habe sie aus sonstigen Gründen deutlich hinter die höheren Ligen gestellt. Kann durchaus sein bzw. ich kann mir gut vorstellen, daß das auch so beabsichtigt ist, denn nach meiner Erfahrung bevorzugen die weniger nerdigen Weinliebhaber -die in der Regel auch etwas weniger Geld ausgeben- doch eher die Weine mit „milder Säure“ und / oder spürbarer Restsüße, demnach wären die Weltnerschen Ortsweine eher für die nicht zu unterschätzende Mehrheit gemacht. Nichtsdestotrotz ist das hier ein durchaus ansprechender Wein, nur eben nicht meine persönliche Kragenweite. Ist aber kein Problem, ich habe ja ausreichend wirklich (für mich) schöne Weltner-Flaschen im Keller…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit:

Für mich waren einige schöne Weinchen dabei, wobei ich die weiße Seite, die mehrheitlich ja im Rahmenprogramm zu finden war, entsprechend meinen Trinkgewohnheiten spannender fand als die rote Rhône-Übermacht. Was nicht heißen soll, daß mir die rote Seite gar nicht gefallen hat. Es war für mich überraschend, daß die gesamte Rhône-Auswahl überwiegend eine auch in meinen Augen ansprechende Säurestruktur geboten hat, eines meiner wichtigsten Kriterien. Spannend auch die Analysen der Rundenmitglieder mit deutlich professionellerem Hintergrund als unsereins, dennoch kamen wir häufig zu vergleichbaren Ergebnissen, auch wenn die Wege dahin recht unterschiedlich anmuteten. Spannend war’s in jedem Fall…

Finally auch noch vielen Dank an unseren diesmaligen Veranstalter, auch und gerade wegen des Caterings, immer wieder top…

2 comments on “25. Weinrunde in / um München

  1. Das Weingut Weltner steht bei mir auf der Besuchsliste der.nächsten Frankenfahrt. Ich werde dann wohl erst ab den ersten Lagen einsteigen. Danke für den Hinweis.

    Zuletzt hatte ich das Riesling GG Hoheleite 2012 im Glas. Es hat Lust auf mehr gemacht!

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    • Ich würde sicher auch den ein oder anderen Guts- bzw. Ortswein probieren, einfach um zu verifizieren, ob meine obige generelle Aussage, die auf den Jahrgängen 2013 und 2014 basiert, so noch Bestand hat oder ob der Sylvaner nunmehr vielleicht der einzige Ausreißer in die Breite ist.
      Ab Erster Lage aufwärts macht’s dann aber richtig Spaß. Mein Liebling ist übrigens der „Villsenah“, wenn’s keine Cuvée wäre, wär’s auch ein GG…

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