Südtirol in Rot mit einigem Holz, ob das gut geht?

Heute mal wieder Italien, und zwar die Ecke, an der ich mich von allen I-Regionen -nicht nur der gleichen Sprache wegen- am liebsten aufhalte. Rote Sachen von dort findet man allerdings eher wenig in meinem Keller, das liegt vor allem daran, daß die roten Platzhirsche wie Vernatsch auf der leichten und Lagrein auf der diametral entgegengesetzten Seite meist nicht so mein Fall sind (von ein paar Ausnahmen mal abgesehen). Meinen roten Vorlieben kommt auch in Südtirol der Blauburgunder -wie der Spätburgunder, Pinot Noir etc. dort meistens heißt- am nächsten, aber nicht überall bekommt man ihn so hin, wie mir das gefällt. Eine der Blauburgunder-Hochburgen ist der kleine Ort Mazon im Süden der Region, von dort kommt auch der

2012er Pinot Nero – Mason – Alto Adige DOC, Manincor, Südtirol

Hier steht auf der Flasche nicht „Blauburgunder“ d’rauf, sondern das italienische Pendant „Pinot Nero“; die Philosophien, warum in der Gegend welches Synonym auf dem Etikett verwendet wird, sind vielfältig. Manche Güter nennen nur die Basisware „Blauburgunder“ und die besseren Sachen („Internationaler Stil“) dann z.B. Pinot Noir. Bei Manincor steht praktisch alles nur in italienisch d’rauf, nur der Weinname selbst ist dann in Deutsch oder Französisch gehalten. Egal, schließlich zählt der Inhalt, jetzt geht’s also zum Wein:

Die Farbe ist ein eher helles und deutlich transparentes Ziegelrot, geruchlich zeigen sich noch ein paar sehr reife Kirschen und Zwetschgen, diese sind beginnend kompottig und anfangs ist der Pinot Nero auch etwas weinbrandig, allerdings auf die sehr weiche Art, stört (mich) also nicht weiter. Gemildert wird das Bukett durch eine tabakig-zedrige Holznote, die zwar einerseits ordentlich, andererseits aber auch nicht übertünchend ist. Innerhalb etwa einer halben Stunde rundet sich der Nasen-Gesamteindruck nochmal deutlich ab, die oben genannten Attribute intensivieren sich nicht und schwellen auch nicht ab, sie verzahnen sich nur irgendwie besser. Geschmacklich dann sind die Früchte noch etwas weniger präsent, die Holzaromatik übernimmt hier die Führung in einem Maß, welches mir bei manchem Wein schon deutlich zuviel wäre, hier paßt’s aber erstaulicherweise sehr gut; das mag auch daran liegen, daß genügend Säure da ist, die den „Mason“ insgesamt nicht übergewichtig werden läßt. Der Abgang ist von schöner Länge, die Säure hält auch hier die kernige, aber doch geschmeidige Holzaromatik (insbesondere hier zusätzlich mit Nelken, Koriandersaat und etwas Vanille garniert) auf der unangestrengten Seite.

Wieder mal so ein Wein, der die Gegensätze „leicht“ und „gehaltvoll“ oder gar „ein bißchen fett“ sehr schön gegeneinander ausspielen kann. Außerdem gehört schon was dazu, mir einen Wein mit einer solch signifikanten Holzaromatik schmackhaft zu machen. Da hatte ich (bzw. habe ich, wir schlabbern noch…) recht viel Freude damit!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

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4 comments on “Südtirol in Rot mit einigem Holz, ob das gut geht?

  1. Ähnliche Eindrücke hatte ich beim Trattmann Mazon Pinot Noir der Kellerei Girlan auch. In dieser Form kenne ich derartige Geschmacksnuancen von deutschen oder österreichischen Spätburgunder noch nicht.

    Den Trattmann fand ich allerdings ein wenig teuer. Wo lag denn in etwa der Manicor-Wein?

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    • Der deutsche Spätburgunder, der dem „Mason“ stilistisch aus meiner Erfahrung noch am nächsten kommt, ist ein gereifter „Tradition“ von Schmitts Kindern, der hatte allerdings weniger betontes Holz. Der „Mason“ kostete mich 23 Euronen, kein Schnäppchen, aber durchaus angemessen, wie ich finde.

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  2. Hi Erich,
    klingt gut – werde ich demnächst in Südtirol auf jeden Fall probieren. Lohnt sich eigentlich der (durchaus stattliche) Aufpreis zum „großen Pinot“ von Manincor?
    VG Patrik

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    • Moin moin Patrik,
      ob sich der Mehrpreis für das rote „Dickschiff“ lohnt, weiß ich nicht, ich konnte ihn beim letzten Besuch nicht probieren, war aus bzw. noch nicht gefüllt. Ich habe damals nur den „dicken“ Sauvignon Blanc „Lieben Aich“ getestet und zumindest in seiner damals sehr jungen Phase war er mir den auch hier deutlichen Aufschlag nicht wert. Da zeigen sich die wahren Qualitäten möglicherweise erst im Alter, wäre also auch quasi ein Kauf ins Blaue.
      Probieren und aus dem Bauch raus entscheiden, würde ich sagen…

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