Nicht exclusiv

Gestern gab’s zur gegrillten Lammlende mal wieder was Rotes:

2014er Pinot Noir – Kalkstein – trocken – QbA, Frank John, Pfalz

Das Gut von Frank John habe ich mal über „Wein am Limit“ kennengelernt, es war quasi eines der Weingüter „der ersten Stunde“ beim mittlerweile anscheinend gut expandierenden Handel des Hamburger Master-Sommeliers. Aktuell findet man die John’schen Weine dort nur noch in der „WaL-Resterampe“; anscheinend ein Auslaufmodell. Über die Gründe kann ich nur Vermutungen anstellen. Bei „WaL“ ist man ja offensichtlich darauf aus, künftig möglichst nur noch Weine anzubieten, für die man das exclusive Vertriebsrecht hat. Wer bei diesem Modell nicht mitmachen will, fliegt halt ‚raus. Schaut zumindest für mich so aus, kann aber natürlich auch andere Gründe haben. Der allseits bekannte „WaL“-Eigner hat neulich in einem nicht uninteressanten Interview allerlei gute Gründe für diesen Exclusivitätsgedanken angeführt. So wirklich anfreunden kann ich mich letztlich damit aber nicht. Denn faktisch wird einer der wesentlichen Marktmechanismen damit komplett ausgehebelt: der Wettbewerb. Und der ist ja nicht per se was Schlechtes, auch wenn es bei exzessiver Anwendung des Wettbewerbsgedankens einige unschöne Auswirkungen hinsichtlich Qualität und Nachhaltigkeit bei den vermarkteten Gütern geben kann. In erster Linie spürt man das Fehlen jeglichen Wettbewerbs dann als Endverbraucher (welcher ich ja bin) dadurch, daß ein und derselbe Wein deutlich teurer wird. Das habe ich mittlerweile schon an einigen Beispielen aus dem WaL-Sortiment erfahren dürfen, die früher aus anderen Quellen deutlich günstiger her gingen (z.B. Christian Tschida, dessen Weine gab es früher auch in München im Fachhandel). Und der Wein wird durch diese Exclusivität ja nicht besser. Erst vor kurzer Zeit habe ich einen südafrikanischen Wein, der bei „WaL“ als „exclusiv“ getagged ist, bei einem anderen namhaften Händler erworben, und das sogar um 10 % günstiger. Allerdings prangte auf der Flasche auch ein Aufkleber, der den Exclusiv-Importeur „Wein am Limit“ auswies. Trotz günstigerem Preis haben also immer noch zwei Firmen was dran verdient, hergeschenkt hat da sicher niemand was. Auch der John’sche Pinot Noir war bei meinem Händler genau 15 Euronen günstiger gegenüber dem ursprünglichen Preis bei „WaL“, verglichen mit dem Resterampen-Preis immer noch gut 5 Euro. Allerdings ist der „WaL-Wein“ aus einem speziellen Faß; ob sich das aber tatsächlich signifikant bemerkbar macht, weiß ich nicht; da könnte ich nur Mutmaßungen anstellen, ob das eher ein Marketing-Gag ist oder doch wirklich mehr (Wert) dahinter steckt. So spricht derzeit aus meiner Sicht eigentlich alles eher dafür, daß diese Exclusivität hauptsächlich dem Gewinn des Händlers zuträglich ist, ich lasse mich aber auch gerne vom Gegenteil überzeugen. Nach so viel exclusivem Gemeckere aber nun zum Wein:

Im Glas ein etwas trübes, mittleres Granatrot mit deutlicher Transparenz, für die Nase gibt’s recht dicht Sauerkirschen mit ganz leichter Holznote. Geschmacklich kommen noch ein paar weiße Johannisbeeren sowie dezent frische Zwetschgen dazu. Auch hier kommt das Holz rein als Holz -am ehesten frisch gesägte Buche- daher (trotz der Verwendung von Eichenholz). Dazu gibt’s eine Säure, die man einfach nur „perfekt angepaßt“ nennen kann. Weil ja „Kalkstein“ auf der Flasche steht, habe ich dann mal nach dieser Komponente gesucht und auch gefunden. Diese Steinchen bilden -wenn man sich d’rauf konzentriert- tatsächlich ein sehr schönes Fundament, schieben sich aber nicht in den Vordergrund. Der Abgang macht ebenfalls viel Freude und das im Mehrminutenbereich; auch hier sind Frucht, Säure und Holz in sehr schöner Balance, auch wenn hier die o.g. Buche am deutlichsten hervortritt.

Dieser Spätburgunder heißt zu Recht „Pinot Noir“, ich würde ihn zwar blind vermutlich nicht ins Burgund verorten, aber er hat sehr schöne Anleihen von dort. „Deutsch“ ist dieser PN (zum Glück) nur ganz am Rande.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

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14 comments on “Nicht exclusiv

  1. Ich schätze mal MS HT möchte nicht über einen „günstigen Verkaufspreis“ Kunden locken und gewinnen – diese Mission ist auf jeden Fall zu 200% erfüllt – selbst im internationalen Vergleich fast immer am teuersten :mrgreen:
    Der Pinot klingt aber trotzdem spannend. Hast Du eine Ahnung, ob John deutsche oder Pinot Klone aus der Bourgogne für den Wein gepflanzt hat?
    Ich finde hier erkennt man oft einen (deutlichen) Unterschied.
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      Ich habe gestern mal ein bißchen herumgeschaut, was ich zu dem Wein finde. Eine Aussage zur Herkunft der Klone gab’s aber nicht. Mir fiel nur auf, daß die Weinbeschreibungen im Netz teils deutlich von meiner Wahrnehmung abweichen. Vor allem habe ich keinerlei Himbeeren etc. gefunden, das kann natürlich auch daran liegen, daß der Wein nun nicht mehr ganz jung ist und die Händlerbeschreibungen mindestens zwei Jahre alt sein dürften. Zumindest gestern war geschmacklich nicht (mehr?) viel „deutsches“ drin im Pinot…
      VG Erich

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  2. Ich decke den Großteil meines Bedarf an „Alltagsweinen“ (bis etwa 12 EUR) über den Onlinehandel. Mit ein wenig Recherche lassen sich hier sehr gute Einsparungen im Vergleich zum Normal- bzw. Abhof-Preis erzielen. Ganz konkret bin ich Stammkunde bei drei österreichischen Händler. Dementsprechend österreichlastig ist auch mein Weinbestand.

    Ich wollte gegensteuern und bin auf die Suche nach deutschen Pendants gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass insbesondere der deutsche Marktführer (V…o) mit ganz ähnlichen Methoden wie HT – wenn auch zu niedrigen Preisen – arbeitet. Es gibt dort lagenlose Spezialabfüllungen von Winzern (z.B. „Riesling vom Keuper“), für die im Onlineshop ein „UVP“ rabattiert angeboten wird. Diese Weine bieten die Winzer ab Hof nicht an. Die „vergünstigten“ Weine bewegen sich preislich in der Regel jedoch über dem Abhof-Ortsweinniveau der Winzer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass renommierte VDP Winzer ihre Ersten Lagen spezialabgefüllt stark vergünstigt an den Händler abgeben. Insofern vermute in Analogie zum Möbelhandel eine als Rabatt maskierte, massiv in diversen Medien beworbene Verkaufsförderung für eher einfache Weine und wie von Dir beschrieben das Aushebeln der Markmechanismen. Für mich als halbwegs informierten Kunden ein Ärgernis!

    Insofern werde ich bis auf Weiteres meinen Österreichern weiter treu bleiben – wobei Tipps für gute Online-Quellen deutschen Weins sehr willkommen sind.

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    • Das mit den Editionsweinen nehme ich auch nicht ganz so ernst. Es ist ja generell recht weit verbreitet, ein und das selbe Produkt unter einer Vielzahl von Labeln zu stark unterschiedlichen Preisen anzubieten. Das habe ich auch in der Industrie schon recht häufig selbst gesehen, wieviele unterschiedliche Verpackungslinien bzw. -optionen es hinter einer einzigen Produktionslinie so gibt.
      Bei Weinen, die zwar gut oder sehr gut, aber nicht unbedingt außergewöhnlich sind, stört mich sowas auch nicht weiter, da es hier in der Regel genügend Ausweichmöglichkeiten gibt. Bei „WaL“ gibt es aber doch eine ganze Reihe von schönen Sachen, die recht einzigartig sind und zu denen zumindest ich kein wirkliches Pendant kenne. Da heißt es dann tatsächlich „friß oder strirb“. Ab und zu gönne ich mir deshalb auch nach wie vor mal ein paar Fläschchen von dort, weil manche Weinchen halt wirklich super lecker und einzigartig sind. Aber die Hemmschwelle ist mittlerweile doch deutlich höher als bei anderen Händlern, deren Preise zumindest „gefühlt“ deutlich verbraucherfreundlicher kalkuliert sind. D.h. ich würde sicher mehr bei „WaL“ kaufen, wenn diese Exclusivitätsaufschläge nicht da wären. Dabei zähle ich mich zu den Leuten, die nicht immer und überall auf den letzten Cent schauen, aber wenn ich sowas feststelle, daß von der Preisstrukturierung her zumindest der starke Verdacht besteht, daß einem deutlich mehr Geld abverlangt wird als dies der Fall wäre, wenn ein ehrlicher Wettbewerb bestünde, reagiere ich da recht reserviert. Zumal ich für mich in dem Fall keinen wirklichen Mehrwert erkennen kann.
      Wenn man natürlich in der Lage ist, mit seinen exclusiven Produkten die Preise deutlich freier gestalten zu können als mit Wettbewerb und die Sachen dennoch weggehen, ist das natürlich auch verlockend. Würde mir vielleicht auch gefallen, wenn das mit meinen „Produkten“ möglich wäre…
      Insgesamt sind die Online-Bestellungen bei mir wieder recht stark zurückgegangen, häufig stelle ich fest, daß selbst der Versand von 6 Flaschen direkt vom Gut incl. der dann meist noch zu bezahlenden Versandkosten günstiger ist als die Bestellung im Online-Handel. Aktuell würde ich schätzen, daß gut 30 % beim Winzer vor Ort gekauft sind, 40 % im örtlichen Fachhandel, 20 % vom Winzer per Versand und 10 % online…

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      • Nach meiner Einschätzung/Erfahrung muss Exklusivität nicht gleichbedeutend sein mit maximalen, gewinnorientierten Händleraufschlägen.
        Einer meiner „liebsten“ Händler, der ausschließlich Weine aus der Bourgogne verkauft – alle direkt importiert, viele davon exklusiv – geht da einen ganz anderen Weg.
        Winzer wie Jean-Marie Fourrier und Sylvain Cathiard, die er exklusiv für Deutschland vertritt, kosten sowohl im nationalen als auch internationalen Handel teilweise das 3 und 4 Fache.
        Einziger Wermutstropfen: Er ist bei solchen Weinen auf drei Jahre ausverkauft (geht dann nur über eine dreijährige „Standing Allocation“), andere Weine von ihm bekommt man immerhin noch in Subskription – auf Lager hat er meist fast gar nichts, da alles bereits im Vorfeld verteilt ist.
        An andere Händler verkauft er grundsätzlich nix und großartige Vorgaben wie „kaufe 10 Flaschen davon um eine Flasche von diesem Wein kaufen zu dürfen“ macht er auch nicht (was leider durchaus üblich ist bei sehr begehrten Flaschen).
        Auch mit Aufschlägen von 50 bis 100% bei manchen Weine wäre er sicherlich noch immer ausverkauft. Macht er aber nicht. Im Vergleich zu HT und anderen ist er für mich ein echter Weinfreak, der sich über andere Weinfreaks als Kunden freut, sich gerne (auch stundenlang) am Telefon austauscht und Dank seines guten Gespürs (er importiert fast alle Weingüter seit den 90er, wo Burgund noch ziemlich „out“ war) kann er auch ohne „am Limit Aufschlägen“ gut von seinem Geschäft leben – Lagerkosten hat er ja kaum :mrgreen:
        Exklusivität muss nicht schlecht sein – kommt auf den Händler an 🙂

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          • :mrgreen: damit hast Du auch wieder recht – zu 100%

            Der beschriebene Burgunder-Händler und MS HT sind eben Beispiele für das jeweilige, entgegengesetzte Ende der „Exklusivhändler-Skala“ – und sonst auch diametral verschieden von der Art Geschäfte zu machen und sich in die Öffentlichkeit zu stellen.

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            • Der von dir beschriebene Händler klingt zwar interessant, aber erst 3 Jahre auf die Weine warten und dann nochmal 5 bis 10 Jahre Kellerzeit, da muß ich mir langsam schon überlegen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, die Weine noch zu erleben… 😉

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            • Stimmt schon, die Verfügbarkeit ist bei ihm sehr schlecht bis nicht gegeben – für „Neukunden“.
              Ich bin für die Weine der Winzer, die ich schätze (und die sehr rar sind) eine „Standing Allocation“ eingegangen und bekam/bekomme für die JG 15, 16 und 17 jeweils die gleichen Weine in gleicher Anzahl (zahlbar jeweils ca. 6 Monate vor Auslieferung wie bei der Sub).
              Aber bei diesem Händler geht‘s halt nicht um „willst was gelten mach dich selten“ – von diesen Weinen gibt es naturgemäß nicht viel und die weltweite Nachfrage ist groß. Klar kauft man ein bisschen die Katze im Sack auf diese Art. Aber sollten die Weine wider Erwarten nicht dem eigenen Geschmack entsprechen, kann man auf dem Sekundärmarkt ein gutes Geschäft machen – was aber bis dato nie nötig war und nicht meine Intention ist.
              „Kleinere Burgunder“ kann man ja auch schon jung schön trinken – „große“ natürlich auch, nur verschenkt man da mehr Potential und wir sind ja noch jung (zumindest im Kopf) 😉

              Was ich eigentlich auch sagen möchte: Händler die laut klappern und viel Energie in den Außenauftritt investieren, haben oftmals gar nichts so „besonders“ anzubieten oder zumindest nichts was sonderlich „begehrt“ wäre – auch nicht, wenn sie das dann exklusiv haben und erst recht nicht, wenn sie zu gewinnorientiert kalkulieren. Ich denke nicht, dass sie damit den Winzern helfen, die sie repräsentieren. Vieles gibt’s dann nach 2 Jahren auf der Resterampe wieder zu realistischen Preisen.

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            • …da müßte ich ja womöglich meinen ehernen Grundsatz „Zahlung nur gegen nutzbaren Gegenwert“ aufgeben. Die Gegenseite wäre wahrscheinlich „not amused“, wenn ich mit der Zahlung Zug um Zug eine Anzahlungsbürgschaft einfordern würde. 😦

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            • Das würde wohl eher nicht funktionieren 😉
              Bei Interesse schicke ich Dir trotzdem gerne sein aktuelles Sub-Angebot (kam gestern an). Selbst bei keinem echten Kaufinteresse, spannend zu lesen – er schreibt sehr ausführlich und auch irgendwie speziell…. 😉

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            • Ist vielleicht wirklich interessant zu lesen. Ich wage aber dennoch zu bezweifeln, daß ich da meine Grundsätze so einfach über Bord werfen würde (irgendeine Konstante bzw. Konsequenz muß man ja im Leben haben… 😉 ). Ausnahmen gibt’s da bisher nur bei mir persönlich bekannten Privatleuten, denen ich ein entsprechendes Vertauen entgegenbringe…

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            • Hab‘s Dir (gestern) mal weitergeleitet – kam was an? – hatte bis heute Probleme mit unserem Server…

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