Lilie vom Bodensee – Relaunch

Drei Jahre sind nunmehr vergangen, seit ich zuletzt den damals schon sehr schönen

2013er Sauvignon Blanc – Meersburger Sängerhalde – 1 Lilie – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

im Glas hatte. Gestern war’s dann an der Zeit, mal wieder zu testen, was die Lagerzeit so gebracht hat:

Im Glas ein dunkleres Strohgelb, leicht ins Ocker gehend. In der Nase eine dichte gelb-grüne Fruchtmischung aus fortgeschrittener Josta-Beere, Kaktusfeige, sehr reifer Karambole und gelber Kiwi, dazu Beifuß und etwas Estragon, später auch noch sehr kräuterig-herber Honig, den ich aber nicht zuordnen kann. Am Gaumen vermischt sich diese Frucht mit einer dezenten und prägenden Holznote (aus einem großem Holzfaß?), die vor allem leicht malzige und lakritzige, mit etwas Luft auch honigweinartige Aromen beinhaltet. Mit der ordentlichen Säure kommen auch etwas ankandierte Limetten und Pomeranzen mit, alles zusammen schwimmt auf einem nassen Kiesbett. Der recht zeitraubende Abgang verschleiert die hier leicht herbe Frucht mit einer Art „weißem Rauch“, weiters eine sehr schöne Balance zwischen dem deutlichen Extrakt und der gar nicht schüchternen Säure.

Die Lagerzeit hat hier wirklich richtig gut getan, vor allem die schöne Balance zwischen (hell-) grüner Frische und gelber Fülle hat mir sehr gefallen. Wenn ich hier äußere, daß einer schönsten deutschen SB’s (die ich kenne) ausgerechnet vom Bodensee kommt, werden mir womöglich Prügel angedroht oder ich werde zumindest müde belächelt. Is‘ aber nun mal so. Die burgundische Lilie, die das Etikett schmückt, soll ja beim Weingut für eine gewisse stilistische Ausrichtung stehen, ganz falsch ist das jedenfalls nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nacholgend noch der Text der Verkostung vom 02. April 2015:

Neben den Bodensee-Weinen vom Seegut Kress habe ich vor einiger Zeit auch das Weingut Aufricht „entdeckt“.

Aufmerksam bin ich auf beide Weingüter geworden, nachdem wir in Restaurants am Bodensee jeweils einen Auxerrois im Glas hatten. Die Verkostungen bei beiden Weingütern führten dann dazu, daß im Auto letztlich nicht wenige Weinkartons verstaut werden mußten. Hier jetzt der

2013er Sauvignon Blanc – Meersburger Sängerhalde – 1 Lilie – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

Ja, ich weiß, daß der Bodensee um Meersburg zu Baden gehört, aber ich betrachte diese Region für mich jetzt mal abseits von Baden, weil die beiden Gebiete doch zu unterschiedlich sind. Noch dazu gibt es am Bodensee auch Bereiche, die zu Württemberg zählen, noch dazu welche, die wiederum bereits in Bayern liegen.

Die „Burgundische Lilie“ bezeichnet bei Aufricht die Weine der oberen Liga des Sortiments. Mit 13,5 Umdrehungen ist das Weinchen auch per se erst mal kein Leichtgewicht.

In der Nase offenbart sich der Wein gleich ganz frech und unverblümt als kerniger Sauvignon, neben der obligaten Stachelbeere auch eine nicht unangenehme Heunote, auch Paprika, etwas Aprikose im Hintergrund, ebenso Nüsse und eine komplex würzige Note. Ziemlich trocken, aber ein dichter, reifer Geschmack, von der Säure gut getragen, so daß trotz des Gehalts keine Schwere spürbar ist. Bleibt relativ lang am Gaumen spürbar.

Immerhin hat der Wein bei der Sauvignon blanc Trophy 2014, bei der über 200 Sauvignons der Jahrgänge 2012 und 2013 verkostet wurden, Platz 6 belegt, wobei die ersten Plätze an die Häuser Oliver Zeter und Von Winning gingen. Es hieß dabei aber auch „Die besten Sauvignons ohne [neues] Holz (Johner, Wassmer und Aufricht) kommen aus Baden und stehen dem Spitzenduo eigentlich in nichts nach.“

Also auch offiziell nichts Schlechtes, vor allem, wenn man wie ich bei den Weißen oft die Weine angenehmer findet, die nicht so viel oder gar kein Holz mitbringen. Aber das ist -natürlich- Geschmackssache. Der Wein war für mich jedenfalls ziemlich großes Kino und ich werde ihn sicher nicht zum letzten mal im Glas gehabt haben.

Meine Wertung: 2

4 comments on “Lilie vom Bodensee – Relaunch

  1. Wenn du den „Aufrichtig Weiß“ meinst, der ist -soweit ich mich erinnern kann- aus Riesling und Grauburgunder. Hatte ich mal auf der Reichenau in einem Restaurant, ab Hof war er leider schon ausverkauft.
    Als Cuvée habe ich noch einen „Chardonnay / Weißburgunder“ im Keller, ansonsten noch eine ganze Menge Reinsorter, die werde ich noch Zug um Zug beschreiben…

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    • Aufricht hat vor allem einige Spätburgunder im Portfolio, mit dem Spitzenwein dieser Sorte (3 Lilien) haben die bei Vinum den deutschen Rotweinpreis 2016 abgeräumt, was zumindest nicht nix ist. Kostet dann aber auch 40 Euronen und ich kann nichts dazu sagen, weil ich ihn bei meinem letzten Besuch nicht probieren konnte; war aus. Die einfacheren Spätburgunder sind dann allerdings eher „säurearm“ (so beschreibt es das Weingut treffend) und sind somit nicht meine Kragenweite, ist dann halt Geschmackssache. Ich habe auch schon sehr kontroverse Verkostungsnotizen zu den Weinen gelesen, manchmal es eben einfach -Wortwiederholung- Geschmackssache, teils konnte ich die Bewertungen aber auch überhaupt nicht nachvollziehen (z.B. deutliche Medizinaltöne bei exakt den gleichen Weinen, die ich auch im Glas hatte). Der Besuch ist aus meiner Sicht aber in jedem Fall lohnend. Die Zufahrt ist nur etwas tricky, beim ersten mal hat mich das Navi über staubige Feldwege durch die Weinberge geführt…

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