26. Weinrunde in München – Rev.1

Schon am Freitag vor zwei Wochen fand die Blindtasting-Runde Nr. 26 in München statt (ist gerade zeitlich etwas knäpplich bei mir, da dauern längere Beiträge schon mal ein bißchen). Aufgrund einer klaren Vorliebe der Gastgeberin lautete das Thema diesmal „Südafrika“. Aus diesem Land hatte ich nun gar nichts im Keller, den letzten Südafrikaner habe ich vor einigen Jahren in Dar-es-Salaam gekauft, da war das das Naheliegendste, auch wenn es von dort bis nach ZA in die Weinregionen nochmal gut 5.000 km sind. Also mußte ich diesmal erst richtiggehend recherchieren, bis ich mir selbst darüber im Klaren war, mit welchem Wein ich ins Rennen gehe. Allein dabei habe ich schon wieder einiges gelernt…

Prolog:

Zur Einstimmung gab’s dann erst mal was italienisches:

Wein A: 2016er Sauvignon [blanc] – Perticato il Quadri – Emilia IGT, Il Poggiarello, Emilia-Romagna

20180526_000634

Ein helleres Strohgelb im Glas, in der Nase vorwiegend kräuterig, etwas Heustadl und Limette. Am Gaumen dann die gleichlautende Fortsetzung, die Säure ist potent, aber auch kantig. Der Abgang ist relativ lang und in erster Linie kräuterig-zitrisch.

Soweit ein nicht weh tuender Sauvignon, nicht zu laut, recht erfrischend, jedoch wenig komplex und am Gaumen noch leicht garstig.

Kleiner Nachtrag: wie mir jetzt erst aufgefallen ist, ist auch dieser Wein von Luca Maroni (siehe unten bei Wein „B“) mit 95 Punkten unfaßbar hoch bewertet worden. Nicht ganz so krass wie bei unten folgendem Rosé, aber immer noch weit weg von jeglicher Realität.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Drama:

Nun zu den „Wettbewerbsweinen“ vom schwarzen Kontinent:

1. Wein: 2016er Chardonnay – Whitehall – WO Elgin, Neil Ellis, Western Cape

20180526_000204

Im Glas ein helles Goldgelb, in der Nase rote Eßbanane, leicht nussig sowie etwas Pfeffer. Am Gaumen anfangs etwas pelzig wirkend, auch wenig Frucht: am ehesten noch was exotisches wie Pitahaya, wird später durch gelbe Kiwi ergänzt. Wirkt trotz ordentlicher Säure leicht cremig-schmelzig, einige Steinchen findet man auch, sie drängen sich aber nicht auf. Ordentlich langer Abgang mit zurückhaltender Frucht, dazu eine schöne Spannung zwischen der cremigen und der frischen Seite.

Dieser Wein hätte aus meiner Sicht auch als Chenin blanc durchgehen können. Hier hat mir vor allem die einerseits elegante, aber dennoch schön frische Textur gefallen.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

2. Wein: 2014er [Cuvée] – The Partner’s White – WO Stellenbosch, Foothills Vineyards, Coastal Region

20180526_000307

Dieser Wein ist eine Cuvée aus Sauvignon Blanc, Semillon und Viognier.

Die Farbe ist ein helles Goldgelb, leicht ins Ocker gehend. In der Nase nussig, etwas Malz bzw. Karamell, auch Salbei. Am Gaumen ein leichtes Gerbstoff-Bitterchen, recht zitrisch mit Betonung der Pomeranze, weiters deutlich Kreide, kräuterige und würzige (Nelke, Pfeffer) Noten; dazu ein deutlicher Extrakt, dem aber eine potente Säure gegenüber steht, die eine leichte Cremigkeit zuläßt. Der Abgang ist von schöner Länge, dabei ausgewogen herb-würzig-cremig ohne Hang zur Breite.

Hier ist von allem ordentlich was drin, die Einzelaromen wie Frucht, Kräuter, Gewürze etc. sind für sich gesehen zwar wenig komplex, der Wein zeigt aber in der Gesamtheit eine schöne Struktur ohne Überfrachtungstendenzen, die man in der Preisrange um 8 Euronen pro Flasche selten findet.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

3. Wein: 2016er Chardonnay – WO Western Cape, Plaisir de Merle, Western Cape

20180526_000430

Die Farbe ist ein helleres, aber leuchtendes Goldgelb, für die Nase gibt’s vor allem Holz in Zederform, weiters Molke und Weißkraut. Auch am Gaumen eine erhebliche Holzfracht incl. Teer, keine Frucht, moderate Säure; der Abgang ist zwar lang, aber wiederum recht holz- und teerlastig.

Nö, das war nun gar nix, ich kann mir aber vorstellen, daß „Holz satt“-Freaks hier ihren Spaß dran haben würden.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 13 von 25

4. Wein: 2016er Chardonnay – Janina – unwooded – WO Western Cape, Eikendal, Western Cape

20180526_000542

Im Glas ein recht helles Goldgelb. Geruchlich zeigen sich vor allem Mirabellenkompott und vor allem anfangs etwas Schwefelwasserstoff. Am Gaumen wenig Frucht (am ehesten Lychee) gepaart mit einer etwas künstlichen, fast grob wirkenden Säure. Der Abgang ist mittellang und ein bißchen PVC-lastig, wobei diese künstliche Aromatik mit der Zeit abnimmt.

Diesen Chardonnay kann man mit etwas Ablenkung auf einer Party noch ganz gut nebenher wegtrinken, wirklicher Spaß war im Glas aber nicht zu entdecken.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

5. Wein: 2016er [Cuvée] – Cartology – Bushvines – Hemel & AardeRidge – WO Western Cape, Alheit, Western Cape

20180525_164034

Hier weist das Rückenetikett 89 % Chenin Blanc und 11 % Semillon als Rebsorten aus.

Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase (nach Korkschleicherbeseitigung, s.u.) viel gelbe, distinguierte Frucht, verschiedene Nüsse von Macadamia über Mandeln bis zu Haselnüssen, hier bereits sehr geschmeidig wirkend. Geschmacklich zeigt sich gleich eine leichte Rauchigkeit, ein prägendes, aber keinesfalls vorlautes, quasi perfekt integriertes Holz, weiters eine herbe, ganz leicht teerige Mineralik gepaart mit Nuß-Nougat. Faktisch dient hier die Frucht nur als Unterlage für den ganzen Rest, dennoch ergibt sich für keine Seite eine störende Übermacht. Der Abgang ist sehr lang, etwas warm; trotz einigem Rauch, Karamell und Lakritz hochflüssig.

Vor allem das Bukett zeigte einen leichten Korkschleicher, den ich allerdings tatsächlich mit dem „Frischhaltefolien-Trick“ komplett bändigen konnte. Geschmacklich wurde dieser leichte Fehler eh von vornherein durch den deutlichen Gehalt überfahren. Glück gehabt…

Das war jetzt schon recht „groß“, hat aber mit über 30 Euronen auch seinen Preis. Werde ich wohl dennoch nicht das letzte mal im Glas gehabt haben, auch wenn ich mich den Überseeweinen aus eigenem Antrieb normalerweise gar nicht zuwende…

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Intermezzo:

Nach den weißen Flaschen gab’s zwischendrin was rosafarbenes, wieder aus Italien:

Wein B: 2017er Merlot – Rosato – Vino Varietale, Tenuta Ulisse, Abruzzo

20180526_000924

Im Glas zeigt sich eine satte Erdbeerröte, die Nase erkennt gleich deutlich das Kaltvergärungsverfahren mit vielen kitschigen Erd- und Himbeeren. Am Gaumen satt Bonbon-Frucht, sehr künstlich wirkender Extrakt, trotz spürbarer Säure leicht pappig. Der Abgang ist mittellang und dabei in erster Linie klebrig.

Dieser Wein wurde von unserer Gastgeberin nach eigenem Bekunden auch deshalb gekauft, weil am Flaschenhals ein Aufkleberchen prangte, welches dem rosa Merlot satte 99 Punkte von Luca Maroni bescheinigt. Wer’s nicht weiß: das ist ein italienischer Weinkritiker, der gemäß einer Netzquelle schon über 123.000 Weine verkostet haben soll, vielleicht waren’s einfach schon ein paar zu viel. Denn: in einem von mir regelmäßig besuchten Weinforum haben sich schon einige Leute über irrwitzig hohe, völlig unrealistische Bewertungen dieses Herrn mokiert. Nun kann ich auch mitreden, mein Eindruck ist, daß die Bewertungsskala von LM erst bei 95 Punkten anfängt. Und selbst dann sind die 99 Punkte für diesen Wein, noch dazu kombiniert mit dem Superlativ „bester Wein Italiens“ ein Witz. Ich hatte dann noch spöttisch angemerkt, daß mein bester Rosé gemessen an der LM-Skala etwa eine Wertung von 146 haben müßte. Kurzum: die Luca Maroni-Bewertungen sind aus meiner Sicht kompletter Humbug, spätestens mit dieser Bewertung hat sich dieser Mensch völlig aus der einigermaßen verläßlichen Bewertungswelt verabschiedet. Laßt euch nicht von solch hohen Zahlen zum Kauf verleiten, das dürfte in den allermeisten Fällen in die Hose gehen!

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 12 von 25

Des Dramas zweiter Teil:

6. Wein: 2012er Shiraz – WO Walker Bay, Luditte, Walker Bay

20180526_001045

Im Glas ein sehr dunkles Rot, kaum Transparenz, mit leicht bräunlichen Rändern. In der Nase Dörrpflaumen, etwas kompottig, deutliche Armagnac-Note. Am Gaumen ein recht harsches Tannin plus Eisen, wenig Frucht. Das Holz kommt sehr teerig daher, die Säure macht den Wein insgesamt zwar etwas „fluffiger“, holt ihn aber nicht aus der „Kaminfeuerecke“ heraus. Der Abgang ist recht lang, aber auch in erster Linie teerig-bitter.

Es ist natürlich -wie immer- Geschmackssache, aber mir war dieser Wein, der immerhin auch gut 30 Euronen kostet, schlicht zu anstrengend. Auch die 15,5 Umdrehungen haben sich in keinster Weise versteckt. Für den Nachfolgejahrgang 2013 wurden übrigens auch 99 Punkte vergeben, und zwar von Michael Liebert (Zitat: „ein Potpourri von reifen Früchten“), der ja so eine eigene Interpretation des Punktesystems hat und den „Preis-Genußfaktor“ sehr hoch stellt. Da hätte mich interessiert, wie hoch unser verkosteter Jahrgang von ihm eingestuft wurde, aber seine alte Seite existiert nicht mehr; wenn man sie aufruft, kommt nur die Meldung, daß alles wegen einer versehentlichen Löschung weg ist. Hier hat das mit dem Vergessen im Internet also tatsächlich mal funktioniert…

Der Spender des Weins war nach meiner Wahrnehmung auch etwas enttäuscht, er hat angemerkt, daß er den Wein deutlich schöner in Erinnerung hatte. In der aktuellen Kondition bei mir allerdings nur

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

7. Wein: 2015er Syrah·Viognier – Pierneef Collection – WO Western Cape, La Motte, Western Cape

20180526_000829

Hier lautet die Zusammensetzung gemäß Rückenetikett 94 % Syrah und 6 % Viognier.

Die Farbe ist ein sehr dunkles Ziegelrot mit mäßiger Transparenz. Bukettmäßig gibt’s herbe Beerenfrucht, leicht kompottig. Am Gaumen eine mäßig ausgebildete Tannindichte, etwas metallisch, sehr hart wirkende Säure. Der Abgang ist lang, aber auch etwas anstrengend.

Nix, was mit entsprechender Konzentration darauf Spaß macht, kann man trinken, muß man aber nicht.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

8. Wein: 2014er Merlot – WO Stellenbosch, Asara, Coastal Region

20180526_001140

Farblich ein dunkles Rubinrot mit mäßiger Transparenz. In der Nase leicht angekochte rote Frucht: Pflaume, schwarze Johannisbeere, das Ganze etwas mit Teer garniert. Am Gaumen eine mittlere Tanninstruktur, ein bißchen kantig wirkend, dennoch saftig, dazu eine mäßige, aber gut integrierte Säure. Der Abgang ist mittellang, dabei leicht eisenhaltig und mit ein paar grünen Paprikanoten versehen.

Das ist auch so ein „Nebenher-Wegschlabber-Wein“ mit eher wenig Anspruch. Tut nicht weh, wirkliche Freude kommt aber nicht auf.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Epilog:

Einen solchen gab’s in weintechnischer Form diesmal nicht, die letzte U-Bahn rief bereits. Also gehen wir nahtlos über zum

Fazit:

Eine insgesamt durchaus ansprechende Runde, bei der man als relativ Regionsunerfahrener, wie ich einer bin, schon was dazulernen konnte. Wobei für mich erneut die weiße Seite spannender war als die rote, die war aus meiner Sicht etwas arg beliebig. Man muß sich dabei auch vor Augen halten, daß die Importaufschläge für Weine aus Südafrika durchgängig ziemlich knackig sind. Der Endverbraucherpreis hier ist in der Regel gut doppelt so hoch wie vor Ort, jedenfalls war das bei so ziemlich allen ZA-Weinen so, für die ich mal entsprechende Preisrecherchen gemacht habe. Da haben dann einige Weine schon überrascht, die in ihrem Heimatland preislich auf Supermarktniveau daheim sind. Wenn’s dann qualitativ richtig gut wird, sind die Preise aber auch recht amtlich. Insofern: kein reines Schnäppchenland aus meiner Sicht, wenn man die Sachen hier einkaufen muß. Meine Aufmerksamkeit wurde zwar ein bißchen geschärft, aber ich werde wohl mittelfristig keine größere Ecke im Weinkeller für dieses Land reservieren.

Vielen Dank zu guter letzt an unsere diesmalige Veranstalterin, ich habe mich sehr wohl gefühlt…

Werbeanzeigen

5 comments on “26. Weinrunde in München – Rev.1

  1. Ich kann mich Deinem Fazit nur anschließen – wenn auch Ausnahmen die Regel bestätigen.

    Vor ein paar Wochen wurde mir in der Gastronomie das Weingut Fryer‘s Cove (laut Empfehlung das am nächsten zum Meer gelegene Weingut der Welt, sieht im Internet aus wie ein „Garagenweingut“) ans Herz gelegt. Wir haben uns für einen Sauvignon Blanc entschieden und waren ob der immensen Salzigkeit total begeistert- bei nur 35 EUR im Restaurant.

    Liken

    • Klingt zumindest interessant! Ich habe mal nachgesehen: kostet hier für den EV ca. 14 Euronen, vor Ort umgerechnet ca. 5,50 EUR (falls ich den richtigen Wein erwischt habe). Aber wenn er unter Gastro-Verhältnissen dennoch sein Geld wert war, umso besser…

      Liken

  2. Wie immer eine spannende Runde, die ihr hattet. SA finde ich grundsätzlich ganz spannend, sowohl in weiß (hier eher Chenin als Sauvignon) als auch in rot (hier vor allem Syrah und Cinsault).
    Alheit macht wirklich sehr schöne Weine – richtig groß finde ich den Radio Lazarus, der kommt auch mit einigen der schönsten Chenin von der Loire ganz gut mit – preislich allerdings auch …. halt ein bisschen am Limit 😉
    Wenn Du mal Lust auf einen sehr schönen, würzigen und total eleganten Roten aus SA hast, probiere mal den „Follow the Line“ (Cinsault, Grenache, Syrah) oder den „Girl next Door“ (100% Syrah) von Duncan Savage – beide unter 13 Volt Alk und auch preislich ein Stück weiter weg vom Limit 🙂

    Liken

    • ZA wird wohl auch in Zukunft eher die Ausnahme in meinem Keller sein. Das heißt aber nicht, daß ich nicht doch ab und zu mal über meinen Tellerrand d’rüber schaue. Bei den „normaleren“ Weinen ist das nach meinem Eindruck allerdings wenig bis gar nicht attraktiv, bei den „Spezialitäten“ schon eher, wenn man sie denn einigermaßen zielsicher findet. Denn den Überblick, wie ich ihn in so mancher näher gelegenen Region habe, werde ich mir so kaum aneignen können.
      Ich bin übrigens gerade auf dem Heimweg von einer weiteren, recht lustigen Weinrunde…

      Liken

      • Dann bin ich schon gespannt von dieser Runde zu lesen 🙂
        Südtirol war übrigens sehr schön – nochmals Danke für Deine Tipps und der Beaune-Urlaub ist auch gebucht. Zu beidem schreib ich Dir noch einmal einen Mail.

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s