Mein Erster von der Neuen – Relaunch

Heute gab’s Pasta mit selbstgemachtem Pesto (gekauftes Pesto schmeckt nach meiner Erfahrung immer Sch….; ich weiß gar nicht warum das so ist, viel einfachere Rezepte gibt’s ja kaum…), ich dachte, daß dazu der

2015er Sauvignon [blanc] – Stern – Südtirol DOC, Erste+Neue, Südtirol

ganz gut passen könnte und habe dabei gehofft, daß er sich seit der letzten Flasche etwas zum positiven hin entwickelt hat.

Im Glas ein dunkleres Strohgelb mit ein paar grünen Sprengseln, geruchlich deutlich grün: Brennessel, Estragon, Koriander, dazu die fast schon obligate Stachelbeere. Geschmacklich nicht ganz so grün, hier kommen auch Karambole, Zitronenzesten, und etwas Pomelo zur Geltung; mit etwas Luft zeigen sich dann noch Kumquats und Khaki. Die Säure ist recht keck und frisch, auf der Kräuterseite bestätigt sich der Naseneindruck, einige nasse, herbe Steine bilden den Untergrund. Nach dem Schlucken bleibt zuerst hauptsächlich die Kräuterseite übrig, dann ploppt recht abrupt die grün-gelbe Fruchtseite auf und hält sich wacker bis ins Finale.

Wenn ich mir meine letzte Notiz durchlese, die fast genau zwei Jahre alt ist, dann stelle ich fest, daß sich der SB schon recht deutlich umgebaut hat. Wobei die Umbaurichtung ziemlich unerwartet ist. Die gelbe Fruchtseite ist eher zurückgetreten, die Frische hat erheblich zugenommen, die Steine kommen besser zur Geltung, die anfangs vorhandene aromatische Wucht hat sich fast zur Filigranität gewandelt; insgesamt also eine zwar überraschende, aus meiner Sicht aber recht erfreuliche Entwicklung. Wenn man mal was dezidiert grün-kräuteriges braucht, ist man hier zur Zeit ganz gut bedient.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 11. Juni 2016:

Von den nicht ganz wenigen Genossenschafts-Kellereien in Südtirol hatte ich gestern mal wieder eine Premiere im Glas:

2015er Sauvignon [blanc] – Stern – Südtirol DOC, Erste+Neue, Südtirol

Die „Erste+Neue“ entstand 1986 aus der Fusion der Ersten Kellereigenossenschaft (1900 gegründet) mit der Neuen Kellereigenossenschaft (1925 gegründet) in Kaltern. Es gibt aber immer noch eine weitere Genossenschaft in Kaltern; aus diesen Gemeinschaftskellereien kommt mit Abstand mengenmäßig der meiste Wein rund um den Kalterer See.

Der „Stern“ kommt aus der mittleren „Cru“-Linie, drüber gibt es noch die „Puntay“-Weine und unterhalb das Classic-Segment. Ein Drittel des „Stern“ wurde in großen Holzfässern ausgebaut.

Im Trinkgefäß ist der Sauvignon erst mal unauffällig goldgelb, in der Nase anfangs ein grün-gelbes Fruchtaroma mit Äpfeln beiderlei Farben, Pfirsich und Jostabeere, eher leicht auch Braunwürze. Das Bukett verschiebt sich allerdings innerhalb einer guten halben Stunde deutlich auf die gelbe Seite. Am Gaumen sind die gelben Früchte gleich von Anfang an präsenter, hier findet man auch Marulas, andererseits -anfangs- noch ein kleines Limettenbitterchen. Dazu recht deutliche Holznoten, vor allem in Form von Lakritze, die aber trotz der Intensität die recht fette Fruchtseite nicht übertönt. Die Säure tut sich dabei schwer, in diesem Kampf der Giganten (ok, ganz so schlimm ist es nicht) zu vermitteln, schafft es aber leidlich. Daß da immerhin 14,5 PS im Spiel sind, verheimlicht der Wein nicht weiter. Wenn man danach sucht, findet man auch ein paar steinerne Noten, aber die rangieren deutlich in der zweiten Reihe. Der Abgang hält ewig an und betont in erster Linie die Lakritze, aber die reifen Früchte dürfen auch erkennbar mitspielen.

Ich hatte ja vor gut einer Woche einen ähnlich fetten Pinot grigio aus Südtirol im Glas. Dieser Sauvignon zeigt zwar mit viel Kraft in eine ähnliche Richtung, aber aufgrund des höheren Säuregehalts und der differenzierteren Fruchtaromatik mit einigen grünen Komponenten macht dieser Kraftmeier dann doch deutlich mehr Freude. Aber auch hier gilt: besser erst mal liegen lassen, bis sich die schärfsten Ecken etwas abgerundet haben. Der -kältere- Jahrgang 2014 hatte übrigens immerhin 1 Prozentpunkt weniger Alkohol, der „Stern“ ist also möglicherweise nicht immer so fett. Und: als leichten Sommerwein sollte man zumindest den 2015er tunlichst nicht auswählen. Darüber hinaus würde ich mich freuen, wenn weitere Probanden aus dieser Kellerei etwas filigraner auftreten würden.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s