27. Weinrunde in München

Am Mittwoch vor wiederum zwei Wochen (uff!) fand die Blindtasting-Runde Nr. 27 in München statt. Diesmal eine ganz andere Art von Thema, nämlich „Speisebegleiter zum Spargelrisotto“. Egal woher. Ich habe aber für mich entschieden, weinmäßig doch in Italien zu bleiben; wie die Mehrheit auch. Und weil’s ja um -neudeutsch- Foodpairing geht, habe ich für dieses mal auch den „Paßfaktor“ (PF) eingeführt…

Prolog:

Zu Beginn gab’s dann erst mal rosa Sachen, „die weg mußten“:

Wein A: 2013er Portugieser – Kaleidoskop – Rosé – Qw, Aßmuth, Pfalz

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Ein helleres Himbeerrot im Glas, Nase sehr verhalten, am Gaumen etwas bitter und fermentig, wenig Frucht, etwas arg dünn. Der Abgang ist in erster Linie chininbitter.

Der ist einfach schon drüber…

Meine Wertung: Nachkauf von 3, Gesamt 7 von 25

Wein B: 2012er Portugieser – Kaleidoskop – Rosé – Qw, Aßmuth, Pfalz

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Dieser Jahrgang ist kupferfarben, das Bukett zeigt Pflaumen und sehr reifen Granatapfel, am Gaumen etwas lakritzig, dazu eine schöne Säure, leicht herbes Steinbett. Der Abgang ist dann wieder pflaumig-lakritz-betont.

Eigentlich hätte ich dem 13er jahrgangsbedingt mehr Reifungspotential zugesprochen als dem 12er, nun kam’s genau andersherum. Immerhin erstaunlich, daß dieser Rosé nach 6 Jahren soweit noch recht ordentlich dasteht. Ist aber kein Nachkaufkandidat für mich.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Drama:

Nun zu den „Wettbewerbsweinen“:

1. Wein: [2014er] Albarossa – Rosè – Brut V.S.Q., San Pietro, Piemonte

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Im Glas ein Zwiebel bis Orange als Farbe, mäßige Perlage, hält sich aber wacker. In der Nase leicht hefig, dann Granatapfel, etwas Mandarine, ganz leicht Preiselbeere, ein bißchen herb. Am Gaumen ein in etwa gleicher Fruchteindruck mit einigem Extrakt, dennoch recht trocken, aber doch leicht schmelzig. Etwas Tannin mit ein bißchen Hefe gibt’s auch, die bestimmte Säure hält den Schäumer gut flüssig. Ordentlich langer Abgang, herb-fruchtig-cremig, schönes Chinin-Bitterchen.

Schöner, druckvoller Spumante mit viel Extrakt, aber auch genügend Säure; die Tannine sorgen in Verbindung mit der eigenen Fruchtkombi für Komplexität. Er war zum gereichten Spargel-Risotto allerdings dann doch zu mächtig. Ich hatte mich -mangels vorher bekannter Alternativen- an dem Spargel-Risotto orientiert, wie es jemand aus meinem näheren Umfeld macht: mit weißem Spargel und Pilzen. Das Risotto des Abends war mit grünem Spargel und komplett anderer Würzung einfach deutlich „filigraner“.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25, PF 1 von 3

2. Wein: 2012er [Garganega] – La Broia – Soave DOC, Roccolo Grassi, Veneto

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Die Farbe ist ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase leicht reduktiv, etwas Keller, vergorene Zitrone. Am Gaumen ebenfalls eine deutlich reduktive Note, gerbstoffig und hefig, leicht Maracuja, etwas moosig, oben d’rauf gibt’s noch ein paar Erdnüsse. Der Abgang ist von schöner Länge, dabei herb-gerbstoffig und ziemlich salzig.

Ein richtig schöner Mineral-Soave, der aber mit dem Essen nicht auf du und du ist.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25, PF 1 von 3

3. Wein: 2017er Soave – Cuvée – Soave DOC, San Cassiano, Veneto

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Dieser Soave ist anscheinend eine Cuvée aus den Sorten Trebbiano und Garganega.

Die Farbe ist strohgelb, für die Nase gibt’s recht viele Bonbonnoten in Form von Lychee und Melone. Auch am Gaumen kaltvergorene Bonbons, hier eher Lychee und Birne. Eigentlich hat der Soave eine schöne Säure mit Kreidebeimischung, wirkt aber dennoch recht breit und -für mich- fast schon anstrengend. Der Abgang ist dann leicht klebrig und schmeckt nach Traubenzucker und Pampelmuse.

Am Gaumen ging’s gerade noch so, aber der Abgang führt dann bei mir zum Streichergebnis.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 13 von 25, PF 0 von 3

4. Wein: 2015er Silvaner – Wiesenbronn – trocken – Ortswein, Roth, Franken

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Im Glas ein helleres Goldgelb, geruchlich zeigen sich Nektarine und mürber Apfel, verdichtet sich mit der Zeit. Am Gaumen wiederholt sich der Fruchteindruck, die ordentliche Extraktsüße wird mit einer schönen Säurestruktur in Schach gehalten, vom Keuper kommen Soda und Kräuter wie Salbei und Beifuß. Der Abgang ist lang und gelbfruchtig, dazu zwar wenig, aber durchaus prägende Mineralik.

Diesen Silvaner hatten einige von uns klar nach Franken verortet, somit ist der Terroirgedanke aus meiner Sicht eigentlich gut umgesetzt. Paßte auch wirklich sehr gut zum Essen, aber mir persönlich fehlte so etwas der Nachkauf-Kick.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25, PF 2 von 3

5. Wein: 2016er [Garganega] – Bianco – Castel Cerino – Veneto IGT, Coffele, Veneto

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Dieser Wein existiert im Internet anscheinend nicht, unter „Castel Cerino“ findet man auf der weißen Seite nur den Soave, der „Bianco“ führt anscheinend ein Schattendasein. Allerdings ist er auch reinsortig aus Garganega gekeltert; möglicherweise taugte auch einfach der 16er Jahrgang aus irgendwelchen Gründen nicht zum Soave DOC…

Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, in der Nase leicht flintig, etwas Schwefel, dazu noch Karamell. Geschmacklich in der Folge etwas flach wirkend, wieder leicht Schwefel (in der pastösen Form), die Fruchtseite zeigt Apfel, Birne und Physalis sowie eine leichte Bitterkeit, die an Apfelkerne erinnert. Der Abgang ist mittellang, etwas säuredominiert, aber mit schöner Salzigkeit.

Der Wein hat schöne Anlagen, spielt sie aber nicht richtig aus, vor allem das „geschmackliche Loch“ war mir zu deutlich. Paßte aber gut zum Essen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25, PF 2 von 3

6. Wein: 2016er Pæstum – Cuvée – Pæstum IGT, Sangiovanni, Campania

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus 85 % Fiano, 10 % Trebbiano und 5 % Greco.

Im Glas ein deutliches Goldgelb, in der Nase etwas reduktiv, Maracuja und unreife Orange sowie ein bißchen Staub. Am Gaumen leicht mostige, oxidierte, undifferenzierte Frucht, am ehesten noch Apfel, weiters Gummireifen und Lakritz sowie etwas Harz und heller Tabak. Dazu eine durchaus schöne Säure, insbesondere für süditalienische Verhältnisse. Der Abgang ist harzig-fruchtig mit schöner Länge und Tabak-Finale.

Spannender Süditaliener, der für mich auch der Paßfavorit ist.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25, PF 3 von 3

7. Wein: 2016er Chardonnay – Toreye – trocken – Qw, Eymann, Pfalz

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Laut Rückenetikett ist dieser Wein „Handgelesen, spontan vergoren im Stückfaß, sur lie bis Juni 2017, unfiltriert, Produktion: 1542 Flaschen“

Die Farbe ist ein dunkleres Strohgelb. Bukettmäßig gibt’s kaltvergoren und plakativ wirkende grüne Apfel, fast ein bißchen duschgelmäßig. Am Gaumen ebenfalls eine künstlich wirkende Frucht, etwas Braunwürze in Richtung Vanille; die Säure ist gut ausgebildet, herbe Steine bilden eine schöne Unterlage. Der Abgang zeigt ebenfalls die recht kitschige Frucht, Säure und Braunwürze versöhnen aber etwas.

Von Eymann hatte ich schon ein paar deutlich ansprechendere Weine im Glas, deshalb war ich beim Aufdecken schon recht erstaunt, auch wenn sich der Wein mit etwas Luft dann noch ein bißchen gesammelt hat. Denn insbesondere die Kaltvergärungsaromatik paßt eigentlich gar nicht zu der Art der Weinwerdung. Stand dann auch deutlich neben dem Essen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25, PF 1 von 3

8. Wein: 2014er [Garganega] – Soave Classico DOC, Gini, Veneto

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Farblich ein leuchtendes Goldgelb, in der Nase leicht reduktiv, die Frucht erinnert an Akees. Am Gaumen werden die Akees noch durch Quitten, „scharfen“ Pfirsich (mit Pfeffer) und Papaya ergänzt. Steine muß man eher suchen, dafür glänzt der Soave mit einer sehr schönen Säure. Der Abgang ist ebenfalls fruchtbetont, aber durch die Säure schön frisch.

Recht ansprechender „Fruchtinger“, der eine etwas eigene und damit nicht alltägliche Aromenkombination aufweist, das Essen damit aber klar hinter sich läßt.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 18 von 25, PF 1 von 3

Epilog:

Zum Abschluß gab’s dann noch was Rotes:

Wein C: 2012er Blaufränkisch – Nierstein – Reserve – trocken – Qw, St. Anthony, Rheinhessen

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Granatrot mit violetten Rändern im Glas, mittel transparent. Bukettmäßig gibt’s vorndran erst mal Staub, dazu schwarze Johannisbeere, Schlehe und etwas Apfelbeere. Am Gaumen deutlich Tannin, genauso deutlich wieder Staub, hier eher wenig Frucht, dafür eine recht stramme Säure. Der Nachhall hallt mit mittlerer Länge und ist wieder staubdominiert.

Staubliebhaber werden vielleicht mehr Begeisterung zeigen, für mich ist dieser BF eher auf der Mittelmaß-Schiene unterwegs.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit:

Es war -natürlich- wieder eine recht lustige Runde, die Idee mit dem Foodpairing hat mir generell auch gefallen. Man kann vielleicht nochmal ein bißchen über den Ablauf nachdenken. Das Risotto gab’s in zwei Chargen, das heißt, es mußte jeweils 4 Weine durchhalten, was nicht so einfach ist, da ja jeder Wein auch entsprechend diskutiert wird. Das heißt, bei den Weinen 3, 4, 7 und 8 war nur wenig bis gar kein Risotto mehr am Teller und wenn, dann eher kalt. Andererseits war unser Gastgeber eh schon recht viel für unser leibliches Wohl in der Küche, noch mehr wäre auch nicht gut. Also vielleicht am Tisch warmhalten? Mal sehen, was für Lehren man daraus ziehen kann, wenn wir sowas ähnliches nochmal veranstalten sollten. Bei den Weinen waren zwar nicht die ganz großen Kracher dabei, aber das wäre angesichts des Essens auch gar nicht so gut gewesen, denn -wie sich gezeigt hat- haben die gehaltvolleren Tröpfchen das Risotto doch zu sehr beiseite geschoben.

Zu guter letzt vielen Dank an unseren Koch und Betreuer in allen Dingen, ich freue mich schon auf’s nächste mal…

Und vielleicht habe ich ja nächstes mal ein bißchen weniger (beruflich) zu tun und kann den Bericht wieder etwas zeitnäher fertigstellen.

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