weit gespannter Bogen

Heute habe ich mir mal wieder ein bißchen Mittagsmusik gegönnt:

Arcana – Arc of the Testimony

Die Gruppe Arcana wurde 1995 von Derek Bailey (e-g), Bill Laswell (e-b) und Tony Williams (dr) gegründet und spannte mit dieser Besetzung einen recht weiten Bogen vom Jazz über Avantgarde bis zum Rock. Es gibt von dieser Gruppe aber nur zwei Alben, dieses hier ist schon der Ausstand. Als Grund für die Auflösung wird der Tod von Tony Williams im Februar 1997 angegeben, das Album erschien denn auch erst gut ein halbes Jahr nach diesem traurigen, viel zu frühen Ereignis. Derek Bailey war da aber auch schon nicht mehr dabei, die Gitarren wurden hier von Buckethead und Nicky Skopelitis malträtiert. Dazu noch auf einigen Stücken Reeds von Byard Lancaster (as, bcl) und Pharoah Sanders (ts), weiters noch Graham Haynes (cor). Also schon eine recht abenteuerlich anmutende Mischung, wenn man sich die musikalischen Lebensläufe der einzelnen Protagonisten so ansieht, jedoch spielen hier -zum Glück- letztlich nur Musiker, die in der Lage sind bzw. waren, über ihren jeweiligen Tellerrand weit hinauszuschauen. So sind denn das fusionlastige Schlagzeug von Tony Williams (das in fast jedem Takt irgendwie anders ‚rüberkommt), die recht metallische E-Gitarre von Buckethead (in allerdings nur 3 Stücken) und die avantgardistisch-rockigen Einflüsse von Bill Laswell und Nicky Skopelitis kein musikalischer Widerspruch. Die Stücke selbst sind großteils recht druckvoll rockig unterwegs, es gibt aber auch Ausflüge ins „Ambient“ („Calling out the blue Light“). Allen Stücken gemeinsam ist, daß sie vom Schlagzeug sehr stark geführt werden, Tony Williams tut hier alles andere, als einfach eine begleitende Unterlage für die eigentlichen Harmonieinstrumente zu legen, er zeigt mit einer teils fast irrwitzig zu nennenden Vielfalt an Rhythmusfolgen und -kombinationen recht deutlich, wo’s lang geht. Das war dann womöglich auch entscheidend für die Auflösung der Gruppe, denn Tony Williams dürfte nicht so ohne weiteres ersetzbar gewesen sein. Es gibt bzw. gab zwar eine Menge außerordentlich guter Schlagzeuger, aber ich wüßte nicht, wer den doch recht eigenständigen Kombinations-Stil dieser beiden Alben schlagzeugtechnisch hätte fortsetzen können, ohne daß die Gruppe sich komplett neu ausrichtet. Ich habe ja schon mal auf diesem Blögchen geäußert, daß ich Tony Williams für den besten Schlagzeuger „ever“ halte, diese These wird durch dieses Album recht gut gestützt, bilde ich mir ein.

Meine Wertung: 4/4

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