Gereifter Rosé – Relaunch

So, heute war mal wieder Rosé-Zeit, wir wollten aber nicht unbedingt ein frisch-fruchtiges Bonbon, sondern ein weiteres Exemplar aus der Versuchsreihe „gereifte Rosés“:

2013er [Cuvée] – Magali – Signature – Côtes de Provence AOP, Saint André de Figuière, Côtes de Provence

Im Glas zeigt sich farblich eine Kupferzwiebel, das Bukett ist nun recht fruchtfrei; es dominiert eine leicht armagnacige Note, ohne dabei brandig zu wirken. Am Gaumen dann neben dem Armagnac auch einige Fruchtreste, die ich Granatapfel und Preiselbeere in leicht kompottiger Form zuschreiben würde. Dazu etwas Braunwürze, die in Richtung Lakritz schielt. Säure gibt’s nicht im Übermaß, aber doch überdurchschnittlich, provençalische Breite zeigt sich nicht. Der Abgang ist lang und leicht wärmend, hier dominiert die Braunwürze vor den fortgeschrittenen Früchten.

Besser wird die Magali jetzt wohl nicht mehr, also ist jetzt wegtrinken angesagt. Schmeckt aber noch nicht nach „schon abbauend“, ist im Gegenteil immer noch ein recht schöner, weil ganz und gar nicht kitschiger Rosé.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 19. April 2016:

Die meisten Leute sind ja der Meinung, daß Rosé ausschließlich jung getrunken werden sollte. Und sie haben wahrscheinlich bezüglich der großen Mehrheit der Rosés absolut Recht. Ich wüßte aber keinen prinzipiellen Grund, warum Rosé, wenn er denn mit der gleichen Sorgfalt wie ein guter andersfarbiger Wein gemacht ist, nicht auch eine gewisse Reifung mit positivem Ergebnis durchfahren sollte. Das habe ich schon das ein oder andere mal probiert, jetzt mal wieder ein diesbezüglicher Test:

2013er [Cuvée] – Magali – Signature – Côtes de Provence AOP, Saint André de Figuière, Côtes de Provence

Dies ist der Basis-Rosé des Hauses und eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Syrah, Cinsault und Grenache, ausgebaut im Edelstahl. Übrigens: die Flasche hat einen Schraubverschluß, was bei F-Flaschen ja recht selten ist, selbst bei den Basisweinen. Das Weingut bescheinigt dem Wein eine Lebensdauer von zwei Jahren, da sind wir jetzt schon drüber, mal sehen…

Im Glas ein mittleres Lachsrosa mit Tendenz ins kupfrige. In der Nase Johannisbeeren, Wassermelone und etwas Himbeere. Und etwas Zimtgebäck im Hintergrund. Nach einiger Zeit kommt auch was Gelbes in Form von Aprikosen zum Vorschein, auch wird der Duft insgesamt deutlich intensiver. Wenn man noch länger wartet, trifft auch noch eine kleine Vanille ein. Am Gaumen die gleiche Fruchtaromatik, dazu noch ein bißchen Granatapfel, wobei auch hier die gelben Sachen wie Aprikose und Pfirsich sowie eine ganz leichte Braunwürze mit etwas Verzögerung auftauchen. Zitrusfrüchte erkennt man dagegen nicht so differenziert, auch wenn einiges in der Richtung da ist. Der -respektive die- Magali hat eine angenehme Säurestruktur, die dem komplexen und dichten Extrakt gut Paroli bietet und den Wein bei allem Gehalt doch deutlich auf die frisch-leichte Seite rückt. Flutscht jedenfalls recht gut trotz immerhin 13 Umdrehungen. Der Nachhall lebt von der reichhaltigen Fruchtaromatik und bietet eine schöne Länge. Hier sind die kleinen Steine am deutlichsten zu spüren.

Die letzte Magali habe ich vor ca. 1½ Jahren aufgemacht. Also vor dem Start meines Blögchens. Ich kann mich jetzt nicht mehr ganz genau an alle Details der damaligen Verkostung erinnern, aber abgebaut hat dieser Rosé seither auf alle Fälle nicht, eher im Gegenteil. Und ich glaube auch nicht, daß er bereits auf dem absteigenden Ast ist. Nach wie vor ein sehr schöner Rosé mit einer schönen Aromenfülle, einfach lecker!

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die Früchte ziehen sich ein klein bißchen zurück, dafür intensiviert sich die mineralische Seite deutlich. In der Nase wird es sogar ein bißchen rauchig. Am Gaumen nimmt dezent die Holzaromatik zu, woher auch immer die kommt, wenn der Wein nur Stahl gesehen hat. Auch herbe Steine sind hier auf einmal zu finden. Die Fruchtliebhaber würden jetzt sagen, daß der Wein gestern noch schöner war, ich finde, daß er sich sehr schön und interessant entwickelt hat.

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