28. Weinrunde in München

Am letzten Samstag fand die 28. Blindtasting-Runde in München statt, Thema diesmal kurz und bündig „Griechenland“. Ich habe ja schon einige griechische Weine hier vorgestellt, aber zum Zeitpunkt der Ankündigung dieser Runde war kein einziges Fläschchen aus diesem Land mehr in meinem Keller übrig. Also ein willkommener Anlaß, meine Bestände diesbezüglich mal wieder aufzufrischen. In diesem Zusammenhang vielen Dank an Fr. Meladinis vom Weinhandel „Vin du Sud“, die mir ob meines Einkaufs obendrauf noch zwei nicht ganz billige Flaschen geschenkt hat, darunter auch diejenige, die ich in die Runde mitgebracht habe; das erlebe ich auch bei größeren Einkäufen eher selten. Bei den weißen griechischen Sorten habe ich ja mittlerweile einen einigermaßen guten Überblick, bei Rot tappe ich aber immer noch etwas im Dunkeln. Da traf es sich gut, daß während meines Termins im Lager des o.g. Weinhandels auch noch der Sommelier eines der besseren Münchener Restaurants anwesend war, der mich dann hinsichtlich meiner Fragen bzw. Wünsche auch noch ganz begeistert beraten hat. Das Ergebnis ist unten zu finden…

Prolog:

Zu Beginn gab’s was, was eigentlich auch in den „Wettbewerb“ gepaßt hätte, da auch aus Hellas stammend:

Wein A: 2017er [Cuvée] – Metochi Chromitsa – Agion Oros Athos PGI, Tsantali, Makedonia

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Dies ist eine Cuvée aus Assyrtiko, Athiri und Chardonnay, die Trauben stammen laut Rückenetikett von den Hängen um das Weingut Metochi Chromitsa in der Athos Mönchsgemeinschaft.

Ein recht helles Zitronensaftgelb im Glas, in der Nase Ananas und etwas Banane sowie ein paar florale Noten aus der Rosen- und Veilchenecke, nicht nur deshalb etwas parfümiert wirkend; eine kleine Kante resultiert aus ein bißchen angebranntem Chilli. Am Gaumen leicht adstringierend, etwas weißer Pfeffer, ansonsten im wesentlichen Floralik plus Zitrus. Die Säure ist gut ausgebildet, dazu eine schöne Mineralik aus nassen Steinen und Magnesiumsalzen, das kann aber über die kitschige Parfümiertheit nicht hinwegsehen lassen. Der Abgang ist mittellang, dabei wieder blumig-zitrisch und auf der plakativen Seite unterwegs.

Leuten, die selbst gerne in Parfümwolken schweben, mag dieser Wein mehr zusagen, für mich kein Nachkaufkandidat.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

Drama:

Nun zu den „Wettbewerbsweinen“:

1. Wein: oJ [Roditis] – Greca Terra – Retsina, Tsantali, Sterea Ellada

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Im Glas ein helleres Goldgelb, in der Nase gleich recht heftig Thymian und Rosmarin, Pinienzapfen, Baumharz und schimmlige Wand. Am Gaumen setzt sich der Naseneindruck etwa eins zu eins fort, der Wein verfügt über eine schöne Säure, wirkt aber etwas medizinisch-alloholisch. Beim Abgang zeigen sich viele grüne Äpfel aus einer Shampoo-Flasche, dazu wieder Kräuter und Harz.

Retsina hatte ich zuletzt vor ca. 30 Jahren im Glas, da war der harzige Anteil noch erheblich „schlimmer“. So ist das jetzt einfach eine interessante Erfahrung, ist mir aber einfach zu viel des Guten. Schmeckt wahrscheinlich im Urlaub besser als Zuhause, fand ich aber für eine Griechenland-Runde absolut passend!

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

2. Wein: 2017er Malagousia – Single Vineyard – Epanomi PGI, Gerovassiliou, Makedonia

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Die Farbe ist ein sehr helles Goldgelb, die Nase ist klar kaltvergoren mit Blumen (z.B. Rosen) und Lychee, weißer Johannisbeere und leider auch Maoam (das gelbe…). Mit etwas Luft nähert sich der Wein bukettmäßig einem Sauvignon Blanc an. Am Gaumen ähnlich incl. Kaugummi, mit der deutlichen Säure kommt etwas Natriumhydrogencarbonat sowie Zitrone und Limette mit. Der Abgang ist dann recht frisch-kräuterig, jedoch wieder mit ziemlich plakativer Frucht.

Diesen Wein habe ich schon mal als 2015er in Griechenland getrunken, da hat er mir erheblich besser gefallen, und ich glaube nicht, daß das nur der Urlaubsstimmung zuzuschreiben war, denn auf Kaltvergärungsnoten bin ich auch dort empfindlich. Direkt aus der Flasche ein „Nuller-Wein“, mit Luft reicht’s zu

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

3. Wein: 2013er [Cuvée] – Yianakokori Hills – PGI Imathia, Kir-Yianni, Makedonia

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Dies ist eine Cuvee aus 50 % Xinomavro, 30 % Merlot und 20 % Syrah.

Die Farbe ist ein recht dunkles Granatrot mit wenig Transparenz, für die Nase gibt’s Schlehe, Aronia und frische Pflaume sowie Zeder und Koriandersaat. Am Gaumen dann erst mal ordentlich Tannine mit deutlicher Adstringenz, viel Druck, scharf wirkende Säure und rote Paprika; die Frucht steht hier deutlich im Hintergrund, vom Holz bleibt nur der Teer übrig. Der Abgang ist dann wieder stark tannin- und auch eisenlastig.

Das Bukett fand ich noch sehr ansprechend, aber dann zeigte sich bei mir leider nicht mehr besonders viel Spaß, war mir insgesamt deutlich zu rauh und anstrengend, machte kaum Lust auf’s nächste Glas, auch wenn ich dem Wein mit etwas Luft dann noch ein Pünktchen mehr zugestanden habe.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25

4. Wein: 2014er Agiorgitiko – Monolithos – PDO Nemea, Bairaktaris, Peloponnes

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Im Glas wieder ein wenig transparentes, dunkles Granatrot, geruchlich zeigen sich Pflaume, Preiselbeere, Lederkragen und Kreuzkümmel. Am Gaumen Tannine mittlerer Dichte, etwas süßlich und geschmeidig wirkend. Ein paar Waldbeeren ergänzen die Fruchtseite mit recht hohem Extrakt, dazu gibt’s Waldlaub, Tabak und Koriandersaat. Die Säure ist eher von mittlerer Dichte, dafür aber sehr schön integriert. Der ordentlich lange Abgang kommt mit viel Extraktsüße daher, die aber von der Säure gut in Schach gehalten wird.

Das ist soweit ein recht schön gemachter Wein, was man ihm hauptsächlich ankreiden kann, ist allerdings, daß er für meinen Geschmack ein Stück weit beliebig ist, der könnte eigentlich überall herkommen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

5. Wein: 2013er [Cuvée] – Tinto – Vinho Regional Alentejano, Grous, Alentejo

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Dieser eingeschleuste Pirat aus Portugal ist eine Cuvée aus Aragonês, Alicante Bouschet, Touriga Nacional und Syrah.

Die Farbe ist schon wieder dunkel granatrot mit kaum Transparenz. In der Nase recht fett und deutlich kompottig Pflaume, Preiselbeere und schwarze Johannisbeere, dazu Ledertasche, Tabak und Piment. Geschmacklich sehr viel Fruchtsüße, leider deutlich zu viel für die kaum vorhandene Säure. Tannine gibt’s auch kaum, das Holz wirkt etwas leimig (so als ob das Faß aus Spanplatten hergestellt wurde), eine etwas indifferente Gewürzstraußnote macht den Wein insgesamt recht „beppig“. Auch der Abgang ist von viel Fruchtsirup ohne erfrischenden Gegenpart gekennzeichnet, auch der Allohol schlägt durch.

Dieser Wein ist mir persönlich einfach zu klebrig und damit zu anstrengend. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, daß er seine Fans hat, ich gehöre allerdings nicht dazu…

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 9 von 25

6. Wein: 2014er Agiorgitiko – Saint George – dry – Nemea AOP, Papaioannou, Peloponnes

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Der vierte dunkel granatrote, transparenzarme Rote in der Runde; für die Nase gibt’s Pflaumen und Beeren mit leichter Tendenz ins marmeladige, kaum Holzaromatik. Am Gaumen saftige Frucht mit einiger Extraktsüße, wenig Tannin, moderate Säure, flutscht dennoch ganz gut; vom Holz bekommt man hier in Form von Zimt und Leder etwas mehr mit. Der Abgang ist ziemlich lang, trotz einer gewissen „Dicke“ aber nicht belastend.

Ein Wein, der wenig falsch macht, kann man schön und ohne Anstrengung trinken, weist aber keine wirklichen Besonderheiten auf, die zum Nachkauf animieren würden. Als Crowdpleaser für eine Grillsession aber durchaus gut geeignet.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

7. Wein: 2005er [Agiorgitiko] – Réserve – Nemea AOP, Parparoussis, Peloponnes

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Die Farbe ist dunkleres Ziegelrot mit leicht bräunlichen Rändern, wenig Transparenz. Bukettmäßig gibt’s Erdbeermarmelade (im positiven Sinn) mit etwas Joghurt, weiters sehr reife Kirschen, Dörrpflaumen und „weiches“ Holz; zeigt eine seltsame Mischung aus Moder und Frische. Am Gaumen reduktive Blutorangen und fermentierte Kirschen, insgesamt zeigt die Frucht aber auch klar oxidative Noten. Die Säure ist irgendwie fein und kantig zugleich, wirkt dadurch trotz der (Über-) Reife recht frisch. Der Abgang ist lang und säurebetont, die Fermentationsnoten sind recht prägend.

Die Aromatik fand ich zwar noch recht interessant, aber leider war der Wein schon klar in der Zerfallsphase (wobei ich eher nicht an einen Flaschenfehler glaube); die ehemals wohl leicht reduktiven Fruchtnoten sind nun bereits fortgeschritten oxidiert, die Säure ist für die halb zersetzte Frucht zu mächtig, selbst für Säureliebhaber. Manche Rundenteilnehmer konnten damit verständlicherweise überhaupt nichts mehr anfangen, ich fand den Wein aber noch problemlos trinkbar, ein Highlight war er aber beileibe nicht mehr. Da werde ich wohl mal eine etwas jüngere Ausgabe zur möglichen Ehrenrettung probieren müssen…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25

Epilog:

Zum Abschluß gab’s dann noch ein paar nicht-hellenische Sachen:

Wein B: 2011er [Cuvée] – il Monastero – Riserva – Botticino DOC, Cantine Scarpari Felice, Lombardia

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Dies ist laut Heimseite des Guts eine Cuvée aus 40% Barbera, 30% Marzemino, 20% Sangiovese und 10% Schiava Gentile; ob’s für diesen Jahrgang auch stimmt, sei mal dahin gestellt.

Rubinrot mit bräunlichen Rändern im Glas, deutlich transparent. Bukettmäßig gibt’s fortgeschrittene Kirsche, leicht kompottig. Am Gaumen reife Kirsche, etwas Brennessel, schöne Säure, leichte Holznote, der frische Abgang wird von einer säuerlich wirkenden Kirsche dominiert.

Ein etwas einfacher gestrickter Roter, hat mich im ersten Augenblick etwas an einen gereiften Spätburgunder erinnert. Wirkt insgesamt rund und stimmig, hat aber außer der kleinen Brennessel-Note keine „animierende Kante“.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Wein D: 2016er Gemischter Satz – Bisamberg – trocken – Wiener Gemischter Satz DAC, Wieninger, Wien

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Der hier zugrundeliegende gemischte Satz besteht aus ca. 40 Jahre alten Weiß-, Grauburgunder- und Chardonnay-Reben.

Die Farbe ist ein dunkleres Strohgelb, für die Nase gibt’s florale Noten, weiters helle Frucht wie weiße Johannisbeere und Lychee, jedoch nicht auf der plakativen Kaltvergärerseite. Auch am Gaumen recht hellgelb, Frühlingswiese, leicht Heu und Pfeffer, dazu eine recht frische Säure. Der Abgang ist relativ lang und dabei vor allem blumig.

Soweit ein frisch-floraler Wein, bei dem in erster Linie bemerkenswert ist, daß er trotz aller Blumigkeit nicht parfümiert wirkt und aufgrund seiner doch recht ordentlichen Säure keine Breitentendenz aufweist. Allerdings ist er von der Aromatik her auch recht spannungsarm in meinen Augen, daher auch hier kein Nachkaufreflex.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Fazit:

Was vor allem auffällt, ist, daß es diesmal -zumindest für mich- keinen einzigen Nachkaufkandidaten in der Runde gab, was eher ungewöhnlich ist. Auch von meinem eigenen Wein war ich enttäuscht, da hatte ich mir mehr davon versprochen. Kann passieren, wenn man die Weine vorher nicht kennt. Allerdings haben einzelne Weine manchen Rundenteilnehmern deutlich besser gefallen als mir, Geschmackssache halt. Zum Glück! Dabei gibt’s in Griechenland -auch und gerade im mittleren Preissegment- für meinen Geschmack erstaunlich gute Weine, wobei ich einschränkend sagen muß, daß ich mich mit meiner Erfahrung da im wesentlichen auf die Weißweine beschränken muß. Ich werde bei nächster Gelegenheit mal einen 2012er Agiorgitiko Réserve von Parparoussis aufmachen (Update: done!), hoffentlich macht das dann mehr Spaß! Und verstärkt wieder weiße Griechen, da habe ich nämlich wieder gut was eingekauft.

Das hat dem Spaß in der Runde aber keinen Abbruch getan, interessant war es auch wieder, wobei ich die Häufung der Agiorgitikos auf der roten Seite schon bemerkenswert fand.

Zu guter letzt vielen Dank an unsere diesmaligen Gastgeber, die auch einige passende griechische Kleinigkeiten zur Stärkung vorbereitet haben. Ich freue mich bereits auf’s nächste mal, vor allem weil ich selbst dann das Haus nicht verlassen muß! 🙂

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