Versuchs-Wein – Relaunch

Heute habe ich wissen wollen, wie sich der Versuchswein

2015er Philipp Cuntz – Schweigen – [trocken] – Qw, Scheu, Pfalz

der vor zwei Jahren ein bißchen arg beliebig daher kam, möglicherweise zum positiven hin verändert hat:

Die Farbe ist ein dunkleres Strohgelb, das Bukett ist anfangs sehr verhalten, mit der Zeit tauchen dann mürbe Äpfel und nicht ganz reife Nektarinen auf. Wenn man noch länger Zeit hat, schieben sich leicht angeröstete Marshmallows vor die Früchte. Am Gaumen sind die Früchte deutlich frischer unterwegs, wobei ich gar nicht genau definieren kann, was das ist. Am ehesten gelbe Pflaume und nicht ganz reife Physalis. Die Säure ist knackig, dazu gibt’s eine leicht salzig-scharfe Steinmineralik, die o.g. Marshmallows spielen angedeutet auch ein bißchen mit, wobei man die eigentlich nur erkennt, wenn man den deutlich intensiveren Geruch noch abgespeichert hat. Der Nachhall ist schön auf der frischen Seite angesiedelt, die Frucht ist dabei irgendwie leicht von weißem Rauch umnebelt, allerdings ploppt hier dann auch ein etwas unangenehmes Plastik-Bitterchen auf.

Anfangs dachte ich mir, daß sich der PC zwar deutlich verändert hat, aber immer noch recht belanglos ist. Erst nach ca. einer Stunde zeigte sich mit der Marshmallow-Kante eine deutliche Eigenständigkeit, die wesentlich interessanter und angenehmer ist, als man das bei dem Namen erst mal vermuten könnte. Der etwas bittere Abgang unterdrückt allerdings meinen Nachkaufreflex.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 17. September 2016:

Bei unserer 2. Weinrunde gab es auch einen Wein aus einer Rebsorte, die es weltweit nur bei einem Weingut gibt. Der 2014er Jahrgang war damals der für mich interessanteste Wein des Abends, sehr mineralisch, mit einer sehr eigenständigen Aromenfülle. Möglicherweise ist er mit verlängerter Maischestandzeit erzeugt worden. Deshalb war klar, daß ich mir diesen Wein mal selber besorgen muß. Gestern habe ich dann den Folgejahrgang

2015er Philipp Cuntz – Schweigen – [trocken] – Qw, Scheu, Pfalz

zum ersten mal probiert. Was sich wohl diesmal im Glas findet?

Ein eher helles Goldgelb zeigt sich, in der Nase erst mal gar nichts, also habe ich das Glas mal eine Viertelstunde stehen lassen. Danach aber gibt’s doch einiges an mürben gelben Äpfeln und Nektarinen, die sich mit der Zeit zu Pfirsichen wandeln, ganz leicht auch Rambutan. Jedoch nichts von den Kräutern nebst Rauch des 2014ers. Am Gaumen der gleiche Fruchteindruck, die Rambutan hier aber anfangs viel deutlicher, dazu etwas weißer Pfeffer. Allerdings übernimmt auch hier der Pfirsich nach einiger Zeit das Ruder. Die Säure ist präsent, wirkt aber aufgrund des etwas höheren Restzuckers recht mild, immerhin fällt die Süße nicht negativ auf, sondern ist sehr gut abgepuffert. Irgendwo ganz hinten gibt’s auch ein paar nasse Steine zu entdecken. Der Abgang ist leicht süßlich fruchtig und hält eine schöne Weile an.

Soweit ein für sich betrachtet ein ganz guter Wein, der aber erstaunlicherweise rein gar nichts mit dem vorherigen Jahrgang zu tun hat. Der aktuelle Jahrgang reiht sich stilistisch eher in der Riege nicht ganz trockener, aber gut ausbalancierter Weißburgunder ein. Durchaus schön zu trinken, aber auch nichts wirklich Besonderes. Worin dieser eklatante Unterschied in der Stilistik begründet ist, weiß ich leider nicht. Vielleicht hat es damit zu tun, daß die Trauben aus einem Versuchsanbau stammen, in dem gerade mal 900 Reben stehen. Anscheinend weiß man auch noch gar nicht so genau, aus was diese Sorte mutiert ist, die vom Namensgeber Philipp Cuntz

20160918_130611

veredelt wurde. „Grau-, Weißburgunder oder Riesling“ wurde vom Gutsbesitzer wohl mal vermutet. Zumindest vom Riesling merkt man hier aber nix. Seit 2001 gibt es nun Wein aus dieser Rebsorte im Verkauf. Jedenfalls könnte ich mir vorstellen, daß auch beim Keltern immer noch experimentiert wird, um herauszufinden, was in der Rebe steckt. Aber das sind nur Vermutungen von mir. Jedenfalls fand ich den 2014er um Längen interessanter. Vielleicht mache ich ja nochmal einen Versuch mit dem 2016er…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3

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