Burgund am Bodensee – Relaunch

Heute mal wieder ein Weinchen von einer der aktuell gerne verschrieenen Rebsorten (auch wiederholt von recht bekannten Weingrößen, wird langsam langweilig!), den ich nun auch schon seit über drei Jahren nicht mehr offen hatte:

2013er Grauburgunder –  Meersburger Sängerhalde – 1 Lilie – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

Im Glas ein leuchtendes Goldgelb, das Bukett zeigt recht dicht Pfirsich, Quitten und Mirabellen, dezente Holznote in Form von Bakelit und Koriandersaat; mit der Zeit taucht auch eine leichte Krautnote auf. Am Gaumen eine ähnliche Entwicklung, hier verstärkt sich vor allem ein Grapefruitaroma incl. leichtem, recht grün wirkendem Bitterchen, das sich nach gut einer Stunde abmildert. Die Säure ist für einen GB recht ordentlich ausgeprägt und läßt den Wein in einem recht frischen Licht erscheinen. Steinchen gibt’s in Form von nassem, leicht teerig-bitter wirkendem Schiefer, wobei auch hier die Bitternote mit der Zeit zurückgeht. Der Abgang bietet mit einiger Länge die leicht chininbittere Frucht mit dezenter Holzbegleitung, auch hier entspannt sich die Lage an der Bitterfront, wenn man etwas Zeit mitbringt.

Immer noch ein recht schöner Wein, der mir allerdings in jüngerer Form deutlich besser gefallen hat. In den ersten 10 Minuten macht er den besten Eindruck, dann nimmt die Harmonie mit den Bitterstoffen -die ich für sich betrachtet gar nicht mal als großartig negativ einstufen würde- doch etwas ab, um dann wieder etwas aufzurüsten. Am Ende waren’s noch

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 18/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 07. Juni 2015:

Neben dem Anbau von Müller-Thurgau als Brot- und Butter-Rebe finden sich in der Bodensee-Gegend auch eine ganze Menge Burgunder, neben Auxerrois, Weiß-, Früh- und Spätburgunder sowie Chardonnay eben auch der Grauburgunder.

Gestern habe ich aus dem nicht gerade kleinen Sortiment des Weinguts Aufricht mal den

2013er Grauburgunder –  Meersburger Sängerhalde – 1 Lilie – trocken – Qw, Aufricht, Bodensee

ausgewählt. Über den Wein findet man im Netz auch Bewertungen, die den Wein eher im Mittelmaß sehen, allerdings habe ich schon einige -auch sehr negative- Aufricht-Bewertungen gelesen, die ich kaum nachvollziehen konnte. Auf der anderen Seite hat explizit dieser Wein beim letzten Grauburgunder-Symposium als auch bei der AWC Vienna jeweils den ersten Platz in der entsprechenden Kategorie belegt. Das zeigt wieder mal, daß die ganzen Weinbewertungen -egal wer sie macht und meine natürlich auch- reichlich subjektiv und damit häufig nur von beschränkter Aussagekraft sind. Deshalb war ich ziemlich gespannt, wie UNS der Wein nun schmecken würde.

Erster Eindruck in der Nase waren deutliche Kernobst- und Johannisbeeraromen, ganz dezente Vanille- und Nelkentöne, die auf moderaten Holzeinsatz hinweisen. Allerdings weiß ich nicht, welches Holz in welchem Maße tatsächlich im Einsatz war. Wie beim dem einen Tag zuvor genossenen GV schaden dem Grauburgunder ein paar Minuten Luft nicht, die Eleganz und Komplexität steigern sich dann deutlich. Am Gaumen kommen dann differenziertere Kernobstaromen nach reiferen Äpfeln, Birnen und Quitten durch, Walnüsse tauchen auf, ein klein bißchen Ledertasche entwickelt sich. Recht gehaltvoll, aber nicht schwer und fordernd, eher animierend, die facettenreiche Aromatik vor allem in der Nase wieder und wieder zu erforschen. Die Säure moderat, aber sehr schön ausbalanciert gegenüber dem nicht geringen Extrakt. Die 13,5 PS stehen dem Wein gut und sind keineswegs aufdringlich.

Auch ein Wein, der mit etwas Lagerung wohl deutlich gewinnt. Möglicherweise waren die Umstände bei anderen Verkostungen, die. u.a. auch von Medizinaltönen sprachen, einfach stark abweichend. Zu jung probiert, mit zuwenig Luft vielleicht, ich weiß es nicht. Vielleicht auch vom Winzer zu früh auf den Markt geworfen? Für uns war es jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt ein sehr schöner Wein, der auch ein aus meiner Sicht großartiges Preis- / Leistungsverhältnis aufweist.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Die Luft hat dem Wein nicht geschadet, die Veränderungen halten sich allerdings in Grenzen. Das eh‘ schon dezente Holz noch etwas samtiger, die Säure ein klein wenig präsenter, das oben beschriebene Lederaroma eigentlich nur noch erkennbar, wenn man wissend danach sucht. Insgesamt ein bißchen eleganter und gleichzeitig frischer als gestern. Nach wie vor ein großer Wein…

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