Der kleinste gemeinsame Nenner – Relaunch

Der zweite Wein des gestrigen Abends war als Begleitung zum medium-rare gegrillten Entrecôte vom Charolais-Ochsen der

2009er Chardonnay – Valle d’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

welcher seit der vorherigen Öffnung auch schon wieder über eineinhalb Jahre Ruhe vor mir / uns hatte.

Im Glas nun schon deutlich bernsteinfarben, bukettmäßig gibt’s frittierte Kochbanane, die aber noch recht frisch daherkommt, weiters geräucherte Papaya, ein klein bißchen Latex-Fahrradschlauch und was in Richtung Paraffin. Am Gaumen ein gereifter, aber doch eher filigraner Eindruck; da der Extrakt nicht hyperdicht ist, reicht die moderate Säure gut aus, die Viskosität niedrig zu halten, ein geschmackliches Loch tut sich dadurch nicht auf. Steinchen gibt’s in herb-bitterer Form auch ein paar, der Abgang zeigt eine schöne, reife Mischung aus herber, dunkelgelber Frucht und braunwürzigen Aromen aus der Beifußecke mit leicht staubigem Bitterchen.

Ich habe den Wein nun ein kleines bißchen geringer bewertet als beim letzten mal; das mag vielleicht von der Tagesform abhängig gewesen sein, ich hatte jedoch den Eindruck, daß der Chardonnay sich nun etwas jenseits seines Zenits befindet, er ist aber noch lange nicht „im freien Fall“. Wer noch einen hat, sollte ihn aber besser jetzt wegtrinken…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 31. Dezember 2016:

Wenn ich Gäste habe, stellt sich mir auch immer wieder die Frage, welche Weine ich der Meute präsentieren kann, so daß jeder auf seinen Geschmack kommt. Ich selbst natürlich inbegriffen. Beim weinaffineren Teil der Silvesterrunde war eine deutliche Chardonnay-Vorliebe vorhersehbar, eine Untergruppe davon kann jedoch mit Holzaromatik nichts anfangen. In der Regel steigt jedoch mit der Qualität des Chardonnays auch dessen Holzgehalt linear mit an, demzufolge sind Chardonnays ganz ohne Holzeinsatz mehrheitlich auch qualitativ eher weiter unten angesiedelt. So zumindest meine Erfahrung, die aber Ausnahmen kennt. Zum Beispiel den

2009er Chardonnay – Valle d’Aosta DOP, Les Crêtes, Valle d’Aosta

Dies ist ein reiner Stahl-Wein, den ich in deutlich jüngerer Verfassung schon mal mit viel Genuß im Glas hatte. Es gibt zwar auch eine Holzvariante, die ist aber ungleich teurer und hat bis jetzt noch nicht den Weg in meine Gläser gefunden. Bei der letzten Adventsverkostung bei einem meiner Weinhändler hier in der näheren Umgebung standen nunmehr zwei Flaschen des gereiften 2009ers sowie 2 Flaschen der Holzvariante aus 2008 in der Schnäppchenecke, die ich allesamt für einen ziemlich lächerlichen Betrag eingeheimst habe. So war ich selbst gespannt, ob und wie dieser etwas reifere Chardonnay in der Runde ankommen würde.

Im Glas ein recht intensives Gelb, geht schon deutlich ins bernsteinfarbige. In der Nase sehr intensiv reife Khaki, frittierte Kochbanane, Mandarinenzesten sowie Dörrpflaumen, dazu nussige Aromen und etwas Edelkastanienhonig. Am Gaumen ähnlich dicht und aromenreich, durch die sehr schöne Säurestruktur aber dennoch schön fluffig leicht zu trinken. Sehr langer, kaum abschwellender, leicht braunwürzig- / -fruchtiger Abgang.

Dieser reine Stahlwein bietet statt Holz schöne braune Fruchtaromen, die letztlich auf eine ähnliche Stilistik hinzielen wie bei einem Barrique-Chardonnay, aber auch im braunen Aromenbereich liegt die Gewichtung deutlich mehr im fruchtigen denn im würzigen Bereich. So kam dieser Wein denn auch durchgängig äußerst gut an; selbst bei einem Gast, der normalerweise gar nichts alkoholisches trinkt, führte dieses Getränk zu einer für uns überraschenden Lobrede.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

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