Power-Funk

Im Anschluß an die Nachrufe auf Geri Allen war mir dann noch nach was knalligem, da bin ich beim Durchsehen der Regalreihen bei

Billy Cobham – A funky Thide of Sings

hängen geblieben. Dies war in 1982 meine zweite Platte nach „Total Eclipse“ des auch häufig „Power-Drummer“ genannten Fusion-Mitgestalters, die Platte ist jedoch bereits 1975 erschienen, also genau in der Zeit, als der Fusion sich langsam aber sicher ausbreitete und eine gewisse Wandlung von den ersten Anfängen (z.B. unter Miles Davis, wobei teils auch Billy Cobham mitwirkte) zu den soulig-funkigeren Ausgaben durchmachte, die dann schon deutlich mainstreamiger waren. Die sprichwörtliche „Power“ von Billy Cobham konnte ich vor ein paar Jahren mal bei einem Konzert in München live miterleben. Da war er schon gut 70 Jahre alt, seine aus dem engen T-Shirt ragenden Oberarme haben aber immer noch einen gehörigen Eindruck hinterlassen und über die gut zweieinhalb Stunden Spielzeit auch bei gekonnter Verwendung von vier Stöcken gleichzeitig nicht schlappgemacht.

Bei diesem Album ist die o.g. funkig-soulige Komponente stark eingebettet, jedoch wird auf solche für die damalige Zeit bereits üblichen Weichspüler-Einlagen, z.B. mittels unsäglicher ARP-String-Ensemble-Untermalungen fast völlig verzichtet. „Weichste“ Stücke sind „Thinking of You“ und „Moody Modes“, ersteres erinnert ein bißchen an das „Theme from Shaft“ von / mit Isaac Hayes, gleitet aber nie ins schwülstige ab, zweitgenanntes ist recht lyrisch gehalten und erinnert mich stellenweise ein bißchen an das“Concierto de Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo (u.a. bekannt aus Miles Davis „Sketches of Spain„). Faszinierend für mich sind aber hauptsächlich die von teils unglaublichem (Schlagzeug-) Tempo geprägten Stücke wie der Album-Starter „Panhandler“ mit seinem stakkatoartigem Rhythmus (der für mich irgendwie „dreieckig“ ist) oder das Titelstück „A funky Thide of Sings“, am schrägsten ist dann das ebenfalls sehr funklastige Stück „Some Skunk Funk“, einfach weil es tonal teils recht „verbogen“ daher kommt. Sehr schön auch das 9:24 min-Solo „A Funky Kind of Thing“, bei welchem BC recht viel mit Echos, Loops und ein paar weiteren Effekten spielt, das ganze verkommt aber nicht zur reinen Effekthascherei, es betont eher das sehr gekonnte, vor allem auch polyrhythmische Spiel in allen denkbaren Geschwindigkeiten.

Dieses Power-Funk-Album macht -auch wenn ich es etwas hinter der oben verlinkten „Total Eclipse“ einordne- immer noch unglaublich viel Laune und ist -zumindest für mich- auch nach gut 45 Jahren kein Stück aus der Zeit…

Meine Wertung: 3/4

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