Fränkischer SB in edel – Nachtrag 2

Gestern habe ich anlaß- und essensbedingt mal einen Wein aufgemacht, von dem ich hoffte, daß er meinen gehobenen Erwartungen entspricht:

2015er Sauvignon Blanc – Fass 500 – trocken – Edel-Stahl – Qw, Stahl, Taubertal

Gekauft habe ich ihn, nachdem er hier vor gut zwei Jahren mal als vom Winzer überlassener „Freebie“ vorgestellt wurde. Damals tauchten die „Fass 500“-Weine noch gar nicht auf der Heimseite des Winzers auf. Mein örtlicher Weinhändler -der auch Stahl-Weine im Sortiment hat- hat mir die Flaschen dann besorgt. Wenn man heute nach den 2015er „Fass 500“-Weinen sucht, findet man sie auch, aber nicht mehr in der „Edel-Stahl“-Linie, wie es das Etikett meiner Exemplare noch ausweist, sondern mit dem Kürzel „GSKR“ versehen, was „Geld spielt keine Rolle“ heißen soll; das wurde anscheinend mal in einer Weinbesprechung von einem namhaften Weinkritiker verwendet, woraufhin das Gut die Etiketten offenbar entsprechend angepaßt hat, so wie hier, der Inhalt ist aber wohl der gleiche geblieben…

Im Glas ein leuchtendes Goldgelb, für die Nase gibt’s gleich recht dicht Pfirsich, frische, aber reife Feige, etwas Süßkleehonig, entfernt etwas Estragon, welcher dann hier auch der einzige Hinweis auf die Rebsorte ist. Mit Luft verdichtet sich die Frucht nochmal, z.B. findet sich dann auch eine sehr reife Aprikose mit Karamellüberzug ein. Geschmacklich wiederholt sich dieser Eindruck erst mal, der recht opulente Extrakt wird durch die Säure zwar schön gezügelt, aber eine cremige Grundstimmung bleibt immer erhalten, was aber weder zu Breite noch Anstrengung führt. Ergänzt wird der Naseneindruck durch weißen Pfeffer, Pampelmusenextrakt ohne Bitterchen, Tuffstein und einen Hauch Ahoi-Brause mit Zitronengeschmack. Der Nachhall hallt im dreistelligen Sekundenbereich, auch hier die opulente Frucht, leichte Cremigkeit, dabei von Säure schön auf der beschwingten Seite gehalten.

In kurzer Folge nun schon wieder so ein Knaller-Wein! Hätte ich blind womöglich gar nicht als SB erkannt, auch wenn die Kräuternote verschämt darauf hinweist. Hat nichts mit grasig-lauten SB’s zu tun, die hierzulande wohl die Mehrheit bilden, aber auch nicht so viel mit den Originalen von der Loire, obwohl ich eine gewisse Verwandtheit hier gar nicht abstreiten würde. Und in D fällt mir nun gar nichts vergleichbares ein, vielleicht schaut der „500er“ SB von Von Winning in diese Richtung; habe ich zwar im Keller, aber noch nicht probiert. Dieser Stahl-SB aus dem Holzfaß ist einfach ein extrem guter Dickwein im besten Sinne, bei dem auch der Holzeinsatz sehr geglückt wirkt, eben weil er sich nur sehr subtil im Hintergrund abspielt. Ich habe mir dann übrigens nochmal das oben verlinkte Video der Konkurrenz angesehen, daraus läßt sich ableiten, daß der Wein sich in den letzten zwei Jahren anscheinend sehr schön weiter entwickelt hat…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

1. Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: an allen Fronten kommen nun SB-typische Noten deutlich mehr bzw. überhaupt zum Vorschein: reife, aber frische Jostabeere ebenso wie eine erweiterte Kräuternote, die neben dem Estragon auch einige Wiesenkräuter bietet. Die gestern vorhandene, leichte Cremigkeit wird etwas zurückgedrängt, was der Frische insgesamt Vorschub leistet. Ich weiß gar nicht so genau, in welcher Konstitution mir der Wein nun besser gefällt, die doch recht signifikante Entwicklung fordert in jedem Fall Respekt!

2. Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: je länger man dem Wein Zeit läßt, desto mehr entwickelt er sich zum typischen Sauvignon Blanc. Reife Stachelbeere, Estragon und Heu sind jetzt beim Bukett sehr deutlich entwickelt, dazu gibt’s aber auch Löwenzahn, Mirabellen und etwas Pfeffer. Am Gaumen dann wieder deutlich gelber, die Frucht erinnert nun eher an Khaki und Kumquat, dazu ein paar Gerbstöffchen, die Säure hat kein Problem, trotz ganz leichter Cremigkeit den frischen Gesamteindruck hochzuhalten, eine große, sehr nasse Terrasse bildet das Fundament für die Gesamtaromatik. Der Abgang ist nach wie vor sehr lang, der Extrakt wirkt hier dicht und filigran zugleich, auch hier gefällt mir die Säurestruktur sehr gut. Die Nase ist zwar ein klein bißchen lauter geworden, am Trinkspaß kratzt das insgesamt aber nicht.

2 comments on “Fränkischer SB in edel – Nachtrag 2

    • Zu Gemecker geben die Stahl-Weine in der Tat wenig Anlaß. Dabei ist es egal, ob man solche 30 Euro-Geschosse oder die Basis-Weine < 10 Euronen im Glas hat. Der einzige Wein, der mich persönlich bis jetzt nicht so begeistert hat, war der "Erstes Fass 2015", den ich bei einem Händler im Dezember 2015 probiert habe. Dazu muß man allerdings sagen, daß der zu dem Zeitpunkt auch viel viel zu jung war. Ansonsten kann man da wenig falsch machen, habe ich den Eindruck.
      Die Restauration soll auch recht gut sein, muß man halt planen, da es nur mit Voranmeldung geht und -soweit ich weiß- auch nicht jeden Tag geöffnet hat.

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