ein alter Bekannter…

So, jetzt wird’s in den nächsten Beiträgen wohl etwas Frankreich-lastig werden; der Grund dafür ist, daß ich mich gerade im Burgund befinde. Schon länger geplant, aber dann letztlich doch eher spontan zustande gekommen. Vor vielen Jahren war ich noch deutlich Frankreich-affiner; das kommt vor allem daher, daß ich zu der Zeit aus höchst persönlichen Gründen recht häufig in diesem unserem Nachbarland war. Mit der irgendwann eintretenden Frankreich-Abstinenz (und der dann recht spannenden Entwicklung im deutschsprachigen Weinraum) sackte F in der Kellerpräsenz dann deutlich ab. Durch einige Weinchen, die mich in der letzten Zeit erreicht haben, flammt die „alte Liebe“ jetzt aber so langsam wieder auf, wobei ich feststellen muß, daß ich mein Weinwissen bezüglich dieser Region nach der langen (fast) Aus-Zeit wieder von Grund auf neu aufbauen muß. Da verlasse ich mich dann auch gerne und ohne Scham auf die Erfahrungen anderer Leute, die diese Region deutlich kontinuierlicher verfolgt haben als ich. Ein ganz spezieller Bekannter von mir, auf den obiges sehr gut zutrifft, weilt gerade ca. 190 m von unserem Appartement entfernt ebenfalls im Burgund (die Nähe war so nicht geplant oder beabsichtigt, die zeitliche Übereinstimmung schon). Wir waren dann auch gestern dort zum Essen eingeladen und haben ein paar schöne Weinchen getrunken. Über den ein oder anderen berichte ich noch im Nachgang. Das Essen war übrigens vorzüglich, ich weiß gar nicht, ob und wie ich das je wieder gutmachen kann, vielen Dank nochmals an dieser Stelle dafür!

Heute dann haben wir am Abend einfach nur Brotzeit gemacht, natürlich schon mit einigen sehr leckeren Sachen, die die Region hier so zu bieten hat. Ich habe mich hier für den Anfang natürlich auch mit einigen Weinchen eingedeckt. Gestern gab’s zum Essen auch sehr schöne „freakige“ Sachen, da meine bessere Hälfte jedoch eher auf die klassischen (und ruhig auch etwas opulenteren) weißen Kreationen steht, habe ich dann mal einen alten Bekannten mitgenommen, der mich aus den Regalen so angelächelt hat:

2013er [Chardonnay] – Château-Fuissé – Vieilles Vignes – Pouilly-Fuissé AOC, Château de Fuissé, Bourgogne

Im Glas ein deutliches Goldgelb, für die Nase gibt’s viel gelbe Frucht wie Weinbergpfirsich, Aprikose, Physalis und rote Eßbanane, jedoch nur deren Aromatik, befreit von jeglicher bananiger Konsistenz. Weiters schwingt ganz subtil eine Holznote in Form von alter Gartenlaube und Beifuß mit. Am Gaumen eine ähnliche Fruchtaromatik, recht dicht, aber nicht zu fett und mit schöner Differenzierung. Die Säure ist rebsortentypisch eher im Mediumbereich angesiedelt, der Wein flutscht aber dennoch „wie Öl“ (wobei die Konsistenz schon etwas in die Richtung geht). Auch hier ist das Holz wohltuend in zweiter Reihe unterwegs, etwas Vanille und Nelke spielen hier noch mit. Steinige Sachen findet man nur auf besondere Nachfrage, was leicht specksteiniges konnte ich ausmachen. Der Nachhall hallt ordentlich lang, die dunkelgelbe Frucht spielt auch hier die erste Geige, nach etwa einer Minute übernimmt die Holzaromatik das Ruder ohne dabei vorlaut zu werden.

Das ist nun genau so ein Chardonnay, wie wir ihn für heute Abend haben wollten (s.o.), er ist halt ein sehr klassischer Vertreter eines gehaltvolleren weißen Burgunders mit sehr ausgewogener Balance aller Bestandteile, aber ohne große Ecken und Kanten, an denen man sich reiben könnte. Macht dennoch einige Freude. Vor allem: ich hatte mir aus der Erinnerung an diesen Wein -der vor einigen Jahren noch in den guten 20ern erhältlich war- aufgrund des in D mittlerweile zu zahlenden Preises von deutlich über 40 Euronen eigentlich gedacht, daß mir das nun deutlich zu teuer sei. Nun habe ich ihn beim hiesigen Fachhandel für 36 Euronen mitgenommen und muß gestehen, daß er das Geld doch mehr wert ist als zuvor mit Abstand bezüglich der Erinnerung gedacht. Denn eine solch harmonische Gesamtstruktur kenne ich von deutschen Chardonnays eher nicht (was nicht heißt, daß es der ein oder andere D-Winzer nicht doch hinbekommt, Von Winning ist z.B. nicht weit weg davon).

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25

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