Chardonnay naturelle – Nachtrag

Im Burgund gibt es nach meiner -bisher allerdings doch eher überschaubaren- Wahrnehmung auch nicht wenige Betriebe, die sich der Weinbereitung „au naturel“ verschrieben haben. Da gibt’s dann Güter, die -vor allem im weißen Bereich- sehr „naturweinige“ Sachen machen, für die man im Extremfall dann schon einen Waffenschein braucht. Aber es gibt auch solche, die eigentlich erstaunlich „normale“ Weine auf diese Art machen. So mitten drin bzw. eigentlich mehr auf der normalen Seite ist der

2016er Chardonnay – Bourgogne AC, Maison en belles Lies, Bourgogne

zuhause. Hier findet man in der Weingeschichte alles vom biodynamischen Anbau über reine Handarbeit und 15 Monate Reifung in 350 l-Fässern bis zur Abfüllung ohne Schwefelzusatz. Was kommt dabei heraus?

Im Glas ein helleres Goldgelb, nasenmäßig anfangs deutlich krautig, verfliegt aber innerhalb von gut 10 Minuten fast völlig (ein ganz kleiner Stinker bleibt). Dann zeigt sich ein Mix aus den Schalen grüner Kochbananen, etwas Karambole und nicht ganz reifen Mirabellen, ist dabei leicht reduktiv und recht frisch anmutend. Geschmacklich zeigt sich die Frucht etwas gelber, dabei leicht gerbstoffig, bleibt aber klar auf der frischen Seite, Limettenaroma und grüne Feige fallen mir hier noch ein. Trotz der relativ ausgeprägten Säure zeigt sich zwischendrin eine leichte Schmelzigkeit; Stein- bzw. salzmäßig gibt’s ein bißchen Natriumhydrogencarbonat. Der Abgang ist von schöner Länge, auch hier ist die Frucht leicht auf der reduktiv-gegerbten Seite unterwegs, wirkt ein bißchen wie Meeresbriese mit Limetten und Algen unter Palmen.

Ein gänzlich „normaler“ Chardonnay aus dem Burgund ist dies zwar nicht, aber was man so allgemein dem Naturwein an Aromatik bzw. Stilistik zuschreibt, findet man hier -wenn überhaupt- nur in wohldosierter Form. Die deutlich grünen Noten schreibe ich hier nicht prinzipiell einer „grünen Lese“ zu (das schmeckt dann irgendwie nur grün und meist auch bitter), es ist halt einfach ein Chardonnay, der mit einer recht frischen, aber doch einigermaßen komplexen Struktur daher kommt, dabei aber auch deutlich Kante zeigt. Deshalb doch eher nix für „normale“ Chardonnay-Liebhaber.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

Nachtrag nach 18 Stunden mit Luft: zu Jambon persillé frisch vom Markt jetzt noch ein Gläschen dieses Natur-Chardonnays. Kraut gibt’s nun gar nicht mehr, was leicht reduktives bleibt aber. Die gelbe Seite ist etwas erstarkt, die grünlichen Aromen lassen sich aber nicht unterkriegen, die eher filigrane Grundstruktur besteht weiter. Die Säure ist für einen Chardonnay immer noch recht stramm unterwegs, zusammen mit dem moderaten Alk-Gehalt von gerade mal 11,5 Umdrehungen empfiehlt sich der Wein nun noch mehr als beschwingter, aber doch anspruchsvoller Sommerwein.

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