Grand cul cassé…

…heißt wörtlich übersetzt „Großer kaputter Arsch“ und steht so auf dem Rückenetikett unseres heutigen Weines, was auf eine gewisse Grundhaltung des Winzers gegenüber dem traditionellen Weinbau schließen lassen könnte.

Aber ganz von vorne: bequem wie ich bin, verlasse ich mich auch gerne auf die Empfehlungen von Leuten, die etwas Erfahrungsvorsprung vor mir haben, so waren wir heute in einer Weinbar namens „Le Dilletante“ in Beaune (gleich neben der sehenswerten Moutarderie „Fallot„), in der offenbar auch Che persönlich regelmäßig verkehrte…

che_dilettante

Hier gibt’s verschiedene köstliche Kleinigkeiten und auch eine ansprechende sowie sehr fair bepreiste Weinauswahl. Ich habe uns dann den

2014er Le Zaune à Dédée – Grand Cul Cassé – Cuvée – Vin de France, Ganevat, Jura

ausgesucht, woraufhin die Dame des Hauses erst mal besorgt nachfragte, ob wir auch Erfahrung mit Naturweinen haben, denn der habe nun gar nichts mit den traditionellen Stilistiken zu tun, „ça rock“. Auf meine Erwiderung hin, daß ich da schon ein bißchen vorzuweisen hätte und noch wissend auf eine leere Flasche „Le Ginglet“ am Eingang hinwies, brachte sie uns dann beruhigt das Objekt der Begierde. Es handelt sich übrigens um eine Cuvée aus Savagnin und Gewürztraminer, das Ganze wurde im mit Tuch abgedeckten Faß vergoren (also mit Sauerstoffkontakt), es wurde dem Wein nichts hinzugefügt. Der Jahrgang ergibt sich übrigens nur aus dem Aufdruck auf dem Korken, demzufolge gehe ich auch davon aus, daß der „Zaune“ erst 2017 abgefüllt wurde.

Die Farbe ist ein trübes Gelborange, riecht gleich intensiv nach Orange mit Minze und einem Hauch Eukalyptus, dabei leicht oxidativ; später auch Bergamotte. Geschmacklich kommen auch andere Zitrusfrüchte wie Zitronen und etwas Pomeranze dazu, weiters Limoncello nebst etwas Braunwürze (Muskatblüte, Anis); nach einiger Zeit auch ein mittelgroßer Rosengarten. Der Extrakt ist ziemlich fett, die Säure moderat, durch die erhebliche Zitruspräsenz ist der Wein aber dennoch sehr frisch und flutschig. Der Abgang ist recht lang, fast überbordend von leicht anoxidierter, hauptsächlich oranger Zitrusfrucht, dabei hoch animierend und erwärmend, mit leicht süßlichem Würzefinale.

Was für ein krasses Zeuch! Wobei sich das gar nicht darauf bezieht, daß dieser Wein nun eine abenteuerliche Zusammenstellung von Schmutzigkeiten wäre, wie man das im Natur- oder Avantgardeweinbereich auch finden kann. Das „Gesamterlebnis“ ist eigentlich sehr angenehm und fast ein bißchen gefällig im besten Sinne (hat auch meiner besseren Hälfte sehr gut gefallen!), die Aromenkombination ist aber eben sehr ungewohnt und eigenständig. Auch wenn ich schon einiges getrunken habe, das grundsätzlich in diese Richtung zeigt, dieser Wein ist recht „unique“ und für mich von hohem Wiedererkennungswert. Da ich gerade in Urlaubsstimmung bin, mag meine folgende Bewertung vielleicht ein bißchen euphorisch erscheinen, aber der Wein hat mich echt begeistert, daher

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 24/25

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