Gewürzreduzierter Traminer – Relaunch

Nach über drei Jahren habe ich wieder mal eine Flasche des

2014er Gewürztraminer – Südtirol Eisacktaler DOC, Eisacktaler Kellerei, Südtirol

aus den Regalen gezogen, der mir seinerzeit sehr gut gefallen hat, weil er nicht ganz so „viel“ war, wie so mancher andere GT aus den wärmeren Ecken in Südtirol.

Im Glas ein helleres Strohgelb mit leichten grünlichen Reflexen, perlt noch ganz fein. Nasenmäßig anfangs sehr verhalten, dreht aber nach gut fünf Minuten heftig auf, dann gibt’s einiges an Braunwürze (Anis, Eibischwurzel, etwas Vanille) sowie dahinter gelbe Kaktusfeige, ebenso gelbe Kiwi und ein bißchen Mirabelle, was leicht florales schwingt auch mit. Am Gaumen dann ein intensiver, aber ausgeglichener Wettstreit von Frucht und Würze, dazu eine sehr angemessene Portion Säure, die den deutlichen Extrakt niederviskos hält. Die Steinchen gehen da fast unter, wenn man sich darauf konzentriert, findet man aber ein paar leicht eisensalzige Mineralien. Der Nachhall hallt mit ordentlicher Länge, die Würze hat hier klar die Oberhand, ohne dabei penetrant zu wirken.

Die Überschrift paßt nun nicht mehr so ganz, da sich das Frucht-Würze-Verhältnis doch signifikant verschoben hat. Zum Glück steht dem kernigen Extrakt incl. deutlichen Würzaromen immer noch genügend Säure gegenüber, denn (siehe auch unten) reinsortige GT’s sind mir meistens „too much“, aber im Eisacktal gibt’s doch einige dieser Rebsortenvertreter, die auch meinen Rachen ganz gut ‚runterlaufen können. Erstaunlich dabei, wieviel braunwürzige Aromen dieser Stahlwein rein aus der Traube entwickelt. Für gerade mal 9,90 Euronen ist dies sehr viel Wein und am Ende seines Lebens ist er auch noch lange nicht. Hat übrigens 14 PS unter der Haube, merkt man aber nicht weiter…

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 18/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 16. Juni 2015:

Bei dem Besuch neulich in einem Südtiroler Laden fiel mir ja auch ein Gewürztraminer in die Hände. Ich habe hier schon vereinzelt geäußert, daß der GT nicht unbedingt mein bester Freund ist, da mir die würzigen Aromen dieser Rebsorte in der Regel einfach zuviel sind. Anderseits habe ich vor einiger Zeit mal einen GT vom Gumphof verkostet -der ja auch in dieser Richtung angesiedelt ist- und dabei festgestellt, daß das dortige Klima für meinen Geschmack deutlich gefälligere GT’s hervorbringt. Da es dort schon signifikant kühler ist als südlich oder westlich von Bozen, scheinen die Bedingungen in diesem Tal für diese Trauben so zu sein, daß auch die GT’s mit einer anderen Säurestruktur versehen sind, die der Würzigkeit der Sorte mehr entgegensteht. Jedenfalls hat es der GT aus dem Eisacktal geschafft, der erste reinsortige Gewürztraminer zu werden, den ich mir tatsächlich von meinem eigenen schwer verdienten Geld selber gekauft habe. Heute nun ist der

2014er Gewürztraminer – Südtirol Eisacktaler DOC, Eisacktaler Kellerei, Südtirol

im Glas, der dort eine eher helle grünlich-gelbe Farbe aufweist, die nicht unbedingt auf einen geschmacksintensiven 14-Prozenter hinweist. Aufgrund seiner Jugend noch leicht perlend. In der Nase machen sich die würzigen Aromen nach Nelken, Zimt, Sternanis und Kardamom schon bemerkbar, aber bei weitem nicht so intensiv, wie man das bei den GT’s aus Tramin wiederfindet. Deshalb haben auch der reife gelbe Apfel, die Rambutan und einige Blumen die Chance, ihr Aroma loszuwerden. Am Gaumen dann weiterhin der Apfel, aber auch Aprikose, der Gewürzstrauß ergänzt um Muskat, dazu noch kandierte Blutorangen und ein paar geröstete Mandeln. Moderate, aber dem reichlichen Extrakt gut Paroli bietende Säure, der viele Alk top eingebunden, dichter und langer Abgang.

Wo andere ihre Auslesen zum Käse trinken, bin ich der Meinung, daß dieser GT mindestens genauso gut paßt. Epoisses, Cabrissac und Co. paßten jedenfalls sehr schön dazu. Der GT wird bei mir zwar nach wie vor eher die Ausnahme sein, aber wenn, dann ist dieser Gewürztraminer aus dem Eisacktal einer der Top-Kandidaten. Dabei ist er „nur“ aus der Basis-Linie der Kellerei mit einem entsprechend günstigen Preis, was für diesen vielschichtigen Wein alleine schon erstaunlich ist. GT-Traditionalisten werden diesen Wein möglicherweise aber eher zu den Leichtgetränken zählen…

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

Nachtrag nach 4 Tagen mit Luft: Heute habe ich den Rest in der Flasche wieder entdeckt und dachte gleich „Oje, ob der noch gut ist“. Ist halt -trotz der oben beschriebenen Qualitäten- doch nur aus der Basislinie. Aber der Wein ist immer noch top, er hat qualitativ rein gar nichts verloren. Die Fruchtaromen sind etwas zurückgetreten, dafür kommt die Mineralik etwas mehr heraus. Die würzigen Noten sind in etwa auf dem angenehmen Level der Erstverkostung geblieben, wirken aber etwas runder. Ein super Wein, der sein Geld mehr als wert ist.

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