Nektar von Santorin – Nachtrag

Nachdem in letzter Zeit keine ausgesprochenen Knaller aus Griechenland dabei waren, wie ich sie aus diesem schönen Weinland vor allem auf der weißen Seite auch kenne, habe ich nun mal wieder was von einem Weingut aufgemacht, von dem ich schon ein paar außergewöhnliche Weine im Glas hatte:

2015er [Assyrtiko] – Νυχτερι (Nykteri) – Santorini PDO, Hatzidakis, Kyklades

Der Vater dieses Weines –Haridimos Hatzidakis- hat sich leider letztes Jahr das Leben genommen. Die Händlerin, von der ich die Hatzidakis-Weine gekauft habe, weiß selbst noch nicht, wohin die Reise bei diesem Weingut nun geht. Es wird wohl von der Familie weitergeführt, ob jedoch die Handschrift des ehemaligen Kopfs des Weinguts so weiter erkennbar sein wird oder ob sich da nun eine andere Linie findet (was verständlich wäre), ist wohl noch offen, jedenfalls war noch kein Wein aus 2017 verfügbar.

Auch dieser Assyrtiko stammt von uralten, wurzelechten Reben, welche -seit sie in Hatzidakis Obhut waren- biologisch bewirtschaftet werden. Die Trauben waren bei der Lese überreif, nach dem Einmaischen gab’s 12 Stunden Schalenkontakt, das Ganze ist spontan vergoren, der Ausbau erfolgte in verschiedenen Holzfässern für wenigstens 12 Monate.

Die Farbe ist ein dunkleres, ins Ocker gehende Strohgelb, ganz leichte Trübung. Geruchlich gibt’s dicht Korianderhonig und Koriandersaat sowie Beifuß, dahinter auch fruchtige Komponenten aus der Quittenecke. Geschmacklich zeigt sich die Frucht -hier auch angematschte Mirabellen- von einer recht herben, leicht gerbstoffigen Seite, im Ansatz auch ganz leicht adstringierend. Dazu gibt’s einiges an Gesteinsmehl, auch weißen Pfeffer, ganz leicht Bakelit; im Vordergrund stehen aber die o.g. Gewürze mit leichter Honigkruste. Die deutliche Säure nimmt dem mächtigen Extrakt den Schrecken, das Ganze trinkt sich -auch trotz der immerhin 15 Umdrehungen- daher sehr entspannt. Der Abgang ist recht lang und vorrangig herb-würzig mit leichter Honigsüße, im Finale zeigt sich etwas Naphtalin bzw. Phenol.

Unglaublich dichter, sehr mineralisch-würziger Kraftwein mit recht eigener, durchaus auch elegant zu nennender Stilistik. Obwohl da viel drin ist, stellt sich jedoch kein Gefühl der Völle ein. Ein großer Wein von einem großen Winzer…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Der Nykteri ist insgesamt etwas runder geworden, d.h. die durchaus schönen Kanten haben sich klar entschärft. In dieser Form gefiel der Wein meiner besseren Hälfte deutlich besser, ich fand ihn dagegen gestern schöner. Qualitativ mache ich aber keinen Abschlag…

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