Pr8stück

Ich brauche ja nicht nur Wein zum Trinken, sondern auch regelmäßig zum Kochen. Da gibt es einige bewährte Sachen, die immer mal wieder dazu verwendet werden, aber neulich habe ich mir gedacht, ich könnte auch diesbezüglich mal wieder was Neues ausprobieren. Da habe ich bei unserem örtlichen Edegga zwei Weine für jeweils 6,99 Euronen / Flasche gesehen (einmal rot, einmal weiß), auf denen auch ein VDP-Hinweis (ohne Adler, nur mit Trauben) auf der Kapsel und dem Etikett prangt. Sowohl Riesling als auch Spätburgunder heißen „Pr8stück“ mit dem Untertitel „Das beachtliche Zusammenspiel der VDP.Spitzentalente“. Näheres zu den an der Weinwerdung beteiligten erfährt man allerdings nicht. Bezüglich des Vertriebs gibt’s noch den Hinweis auf die „Rheinberg Kellerei GmbH“, eine Edeka-Tochter. Als Abfüller wird „D-RP 065 114“ genannt, die AP-Prüfnummer enthält die gleiche Ziffernfolge. Mit nicht wenig Netz-Recherche habe ich mir dann einige Info-Bausteine zusammengeklaubt, dabei kam heraus, daß die Weine wohl vom Wein und Sekthaus Alois Kiefer GmbH abgefüllt wurden. Auch die „VDP-Spitzentalente“ konnte ich herausfiltern, es handelt sich um

  1. Frank Ackermann vom Weingut Ackermann
  2. Philipp Kiefer vom Aloisiushof (hängt mit dem Wein- und Sekthaus Alois Kiefer zusammen)
  3. Jürgen Krebs vom Weingut Krebs
  4. Andreas Meyer vom Weingut Karl-Heinz und Andreas Meyer
  5. Alexander Pfüger vom Weingut Pfüger
  6. Andreas Porzelt vom Weingut Porzelt
  7. Stephan (und Georg) Schwedhelm vom Weingut Klosterhof,
  8. Markus Spindler vom Weingut Heinrich Spindler

Auf der VDP-Heimseite gibt’s sogar ein Photo von den Winzern, welches ich frecherweise von dort geklaut habe, nachdem dort sogar ein extra Download-Button dafür vorgesehen ist:

VDP_Gruppe

V.l.n.r.: Philipp Kiefer, Alexander Pfüger, Frank Ackermann, Andreas Meyer, Jürgen Krebs, Andreas Porzelt, Markus Spindler, Stephan und Georg Schwedhelm

Was die Winzer aber jeweils zu den Weinen beigetragen haben, ob alle bei beiden Weinen mitgewirkt haben oder nur einzelne jeweils bei Riesling bzw. Spätburgunder, ist nirgendwo dokumentiert. Das finde ich ehrlich gesagt ein bißchen komisch, wenn man sich einerseits die Nachwuchsförderung auf die Fahnen schreibt, anderseits aber nichts Konkretes dazu veröffentlicht und den Abfüller sogar hinter der o.g. Nummer regelrecht verschleiert.

Aber jetzt mal zum Wein, heute war für die Rouladen-Sauce rot gefragt:

2016er Spätburgunder – Pr8stück – trocken – Qw, Alois Kiefer, Pfalz

Die Farbe ist ein mittleres Granatrot mit deutlicher Transparenz, das Bukett bietet helle Kirschen, Erd- und Waldhimbeeren, diese nicht zuuu kitschig; ganz dezent auch was braunwürziges, kann ich aber nicht eindeutig zuordnen. Wenn man länger reinriecht, steigt einem schon ein bißchen was alloholisches in die Nase, die 13,5 Umdrehungen könnten noch ein bißchen besser integriert sein. Auch am Gaumen zeigt sich der gleiche mitteldichte Fruchtmix mit deutlicher, aber noch akzeptabler Extraktsüße; die Säure ist gut ausgeprägt, jedoch steht der Extrakt etwas isoliert da. Mineralik gibt’s eher wenig, einen Hauch davon kann man sich einbilden. Der Abgang ist von durchaus ordentlicher Länge, dabei recht fruchtbetont mit guter Säurepräsenz ohne zu sehr ins plakative abzugleiten.

Ich habe nun bei einem Edeka-Exclusiv-Wein nicht den super eigenständigen Spätburgunder mit hocheleganter bordelaiser Stilistik erwartet, hier wird eben das bedient, was der durchschnittliche LEH-Weinkäufer -der aber doch bereit ist, überdurchschnittlich viel Geld für das Fläschchen auszugeben- mehrheitlich gerne trinkt. Und das ist im Falle Spätburgunder eben die eher deutsche Variante mit leicht angesüßter Beerenaromatik. Wenn man diese Zielvorgabe vor Augen hat, ist der Wein diesbezüglich sehr gut gelungen, kann man eigentlich nicht meckern. Mir persönlich liegt halt einfach diese mehr oder weniger beerensüße Stilistik nicht so sehr, weshalb ich mich mit deutschen Spätburgundern meist auch eher schwer tue. Andererseits hatte ich aber kein Problem mein Probiergläschen vor dem Kocheinsatz zu Qualitätssicherungszwecken zu leeren. Werde ich sicher mal wieder als Kochwein kaufen, vielleicht auch für Partyzwecke, für mich selbst zum trinken eher nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 15/25

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