Nalser Zweitwein – Relaunch 3

Schon wieder bei diesem Wein eine Premiere: das erste mal, daß ich ein Fläschchen nach der vierten Öffnung beschreibe:

2013er Pinot Grigio – Punggl – Südtirol DOC, Nals-Margreid, Südtirol

Die Farbe ist ein satteres Goldgelb mit leichten rötlichen Reflexen. Das Bukett ist anfangs etwas verhalten, nach einiger Zeit tauchen dann herbe, gesteinsmehlgepuderte Äpfel und Mirabellen auf, leicht auch Koriandersaat. Geschmacklich zeigt sich ebenfalls diese deutlich mineralisierte und angekräuterte Frucht, dezent auch ein bißchen was teeriges. Dazu gibt’s eine durchaus animierende Säure, mit der auch ein wenig eisenbeschlagene Bergamotte mitkommt. Der Nachhall hallt ordentlich, auch hier gibt’s einige würzig-mineralische Kanten, welche die Frucht klar auf die Plätze verweisen.

Nachdem sich der „Punggl“ vor zwei Jahren in einem leichten Performance-Loch befand, hat er sich da jetzt wieder erfolgreich herausgewühlt; war vielleicht eine Umbauphase. Dabei hat er die Fruchtphase nicht vollends hinter sich gelassen, aber die Sekundäraromen dominieren nun deutlich, was hier aber absolut kein Nachteil ist.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 13. September 2016:

So, jetzt ist es soweit: das ist jetzt der erste Wein, den ich in meinem Blögchen nun schon das dritte mal beschreibe. So geht’s dahin…

Jedenfalls habe ich aufgrund einer bekannten Vorliebe eines Mitgenießers gestern mal wieder einen

2013er Pinot Grigio – Punggl – Südtirol DOC, Nals-Margreid, Südtirol

aus dem Keller entwendet.

Im Glas zeigt sich der „Punggl“ goldgelb, hier hat sich wohl nichts wesentliches seit dem letzten mal verändert. In der Nase vor allem reife Äpfel, dazu etwas Quitte, auch ganz leicht rauchig. Am Gaumen mürber Apfel, weißer Pfirsich, der mit etwas Zeit im Glas sehr reif wird, dazu ein bißchen Mirabelle, die aber mit der Zeit verdrängt wird. Auf der mineralischen Seite leicht herb-schieferige Steine, für einen PG eine recht schöne Säure, die dem Wein in die Sparte „frisch und leicht cremig“ verhilft. Der Abgang ist ordentlich lang, dabei fruchtbetont, leicht mineralisch.

Der Punggl zeigt sich nunmehr als sehr runder, eleganter, leicht cremiger Wein. Aber ich muß auch sagen, daß er vor einem Jahr noch irgendwie spannender war. Vor allem den Spannungsbogen zwischen Zitrusfrüchten und den Honignoten habe ich gar nicht mehr finden können. Deshalb heute nur noch:

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 26. Juni 2015:

Weil wir gestern schon mit einem „Pino“ angefangen haben und die Flasche recht schnell leer war, haben wir dann noch mit der gleichen Rebsorte weitergemacht. Und zwar mit dem

2013er Pinot Grigio – Punggl – Südtirol DOC, Nals-Margreid, Südtirol

den ich im Dezember 2014 ja schon beschrieben hatte. Ich habe mir gedacht, ich schreibe nach einem halben Jahr meine Eindrücke nochmal auf, um zu sehen, ob er mir im Vergleich immer noch so gut gefällt wie damals.

Der Punggl ist von der Farbe her etwas heller als der „Unterebner“ und hat den gleichen Alkoholgehalt von 14 PS. Bereits in der Nase eine schöne Frische, saubere Frucht, die sowohl gelbe Äpfel als auch Orangen und Mineloas zeigt, daneben auch Korianderhonig und -wie soll ich es sagen- eine gewisse Knusprigkeit. Am Gaumen wieder dieses schon vor einem halben Jahr erlebte Süße-Säure-Spiel. Frische, Gehalt, Eleganz, alles in einem bzw. in einem wunderbar ausbalancierten Wechselspiel. Kräftiger und mineralischer Abgang, der seinesgleichen sucht.

Es ist immer schwierig, mit dem Abstand von ein paar Monaten genau zu beschreiben, wie sich der Wein denn nun entwickelt hat. Quantensprünge hat er jedenfalls (noch?) nicht gemacht. Aber wo soll er auch noch hin? Er steht eh schon ziemlich weit oben. Im Vergleich mit dem „Unterebner“, der fraglos auch ein Spitzenwein ist, hebt sich der „Punggl“ aber nochmals deutlich hinsichtlich des erwähnten Süße-Säure-Spiels und der faszinierenden und scharfen Trennung der verschiedenen Fruchtaromen ab. Es mag sicher auch Stimmen geben, die den „Unterebner“ eher vorne sehen, weil er insgesamt gehaltvoller ist bzw. scheint. Für mich hat sich aber die bereits erteilte Spitzenbewertung bestätigt:

Meine Wertung: Nachkauf 3/3

Hier noch zum Vergleich der Text vom 18.12.2014:

2013er Pinot Grigio – Punggl – Südtirol DOC, Nals-Margreid, Südtirol

Zweitwein ist für den Punggl sicher ein bißchen übertrieben, aber angesichts der Unmengen an Auszeichnungen, die der Sirmian aus dem gleichen Haus in den letzten Jahren so abgeräumt hat, sind die anderen Gewächse aus dem Sortiment in der Regel nicht so bekannt. Trotzdem hat der 2013er im aktuellen GR immerhin auch zwei rote Gläser eingeheimst.

Pinot Grigio war ja mal -und ist es vielleicht immer noch- als Billig-Saufware verschrien, wahrscheinlich ist der größte Anteil an Wein aus dieser Traube tatsächlich im Ausguß am besten aufgehoben, dem Chardonnay erging es ja ähnlich. Aber es gibt zum Glück ja auch sehr schöne Grauburgunder, auch und gerade aus Italien, insbesondere aus Südtirol.

Der Punggl stammt aus dem äußersten Süden Südtirols in der Nähe von Margreid und besticht durch ein Wechselspiel von süßen und sauren Aromen, unterstützt durch leichten Holzeinsatz. Die Rebstöcke sind anscheinend uralt, soweit ich weiß, ca. 70 oder 75 Jahre, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Der Ausbau erfolgt in einer Kombination aus Stahl und Holz, ich weiß aber nicht, in welchem Verhältnis.

Das oben beschriebene Süß-Sauer-Spiel spielt sich am Gaumen sehr intensiv und nachhaltig ab ohne daß der Wein einen überrumpelt. Der Wein ist viel, ja, aber vor allem in Hinsicht auf seine Eleganz.

Als typischen Vertreter der Rebsorte würde ich ihn nicht bezeichnen, ich hätte ihn wohl ziemlich sicher auch nicht als Pinot Grigio erkannt. Aber das schmälert seine Klasse nicht, im Gegenteil!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3

Werbeanzeigen

4 comments on “Nalser Zweitwein – Relaunch 3

  1. Hallo Erich,
    Südtiroler Weine finde ich recht spannend, obwohl ich aus der Region noch nicht sehr viel unterschiedliche Weine probiert habe. Bei Dir scheint es ein Schwerpunkt zu sein oder?
    Einen Wein aus Bozen gehört allerdings zu meinen Top-5 (oder so) Rotweinen – der Lamarein von Josephus Mayr (Erbhof Unterganzner). Von diesem Wein hab ich mir ab Jahrgang 2007 (bis aktuell 2012) immer einige Flaschen in den Keller gelegt.
    Kennst Du das Weingut?
    Schönen Sonntag
    p-no

    Liken

    • Hallo p-no,
      Südtirol ist deswegen ein Schwerpunkt geworden, weil ich in der Gegend öfters mal Kurzurlaube mache. Ist von mir aus auch nicht sooo weit weg. Meistens übernachten wir in der Wehrburg in Prissian. Das ist oberhalb von Nals und da ist der Weg zu Nals-Margreid nicht weit.
      Wenn wir da unten sind, wird natürlich auch immer das ein oder andere Weingut besucht. Bei Josephus Mayr war ich noch nicht, weil der ja eher mit den Roten in Verbindung gebracht wird, meine Meedels aber auf der weißen Seite zuhause sind. So ist denn auch der überwiegende Teil der Weine, die ich von dort mitbringe, weiße Ware.
      Dazu kommt, daß die Winzerbesuche auch immer in das sonstige Programm mit eingeflochten werden müssen. Da gehört dann auch das Ambiente des Weinguts entscheidend mit dazu. Deswegen ist eine relativ feste Adresse auch der Tiefenbrunner in Kurtatsch. Die andere feste Adresse ist der Saxiller Keller oberhalb von Prissian, der zwar weniger mit Wein, dafür aber mit Schlutzkrapfen, Speckknödeln und Spinatnocken zu tun hat. Meist die erste Anlaufstelle, wenn wir da runter fahren („so ist’s der Brauch…“)
      Schön aus meiner Sicht die Vielschichtigkeit der Weine, die sich aus den sehr vielen mikroklimatischen Unterschieden ergibt. Kaum bist du ein paar Kilometer weiter, schmeckt der Wein schon wieder völlig anders. Den Terroirgedanken kann man hier sehr schön nachvollziehen.
      Es gibt mittlerweile eine ganze Menge Wunschadressen, die ich noch besuchen will. Laimburg, Kuenhof, Gumphof, Köfererhof, Stroblhof, Falkenstein, Schreckbichl, Niedrist etc. stehen da auf der Liste. Mal sehen, wann ich das alles schaffe…

      Gibt’s dieses WE was burgundisches ins Glas?

      Skål!
      EC

      Liken

      • Mit den Weißen aus Südtirol hab ich nicht sehr viel Erfahrung. Hatte vor vielen Jahren öfter mal was von der Kellerei Terlan im Glas – für eine Genossenschaft ziemlich gut, fand ich. Aktuell hab ich noch zwei, drei Flaschen Sauvignon Blanc Karneid vom Franz Gojer, Glögglhof im Keller, den ich recht schön finde.
        Wir wollen auch schon seit längerem mal wieder nach Südtirol fahren, da werden mir Deine Tipps sicher helfen. Das Hotel Wehrburg sieht großartig aus!

        Nein, dieses Wochenende blieben/bleiben die Burgunder im Keller. Wobei der 2008er Moric Blaufränkisch Reserve vom Freitag schon ein Burgunder unter den Blaufränkisch war 😉 . Dann gab es gestern noch einen Rosé von der Domaine Fondrèche aus 2011, der mich ziemlich überrascht hat, da es die letzte von 6 Flaschen war und sich gestern tatsächlich am besten gezeigt hat. Nicht schlecht für einen Rosé der 4 Jahre alt ist und unter 7 Euro gekostet hatte.
        Heute zum Steak vom Grill wird es wohl ein 2004er CS One Point Five von Shafer aus Napa werden.
        Was hast/hattest Du noch so im Glas?

        Liken

        • Die Cantinas in Südtirol machen tatsächlich überdurchschnittlich gute Weine. Es gibt keine andere Gegend, aus der ich vergleichbar viele wirklich gute Weine aus Genossenschaften o.ä. probiert habe. Egal, ob Andrian (allerdings manchmal etwas zu fett), Terlan, Tramin, Eisacktaler…
          Die Wehrburg ist wirklich schön, man muß aber in der Regel lange vorher buchen, damit man da auch unterkommt. Wenn man flexibel ist, findet sich aber ggf. was für ein paar Tage. Der Hotelbesitzer hat auch eigene Reben rund um die Burg und macht eigenen Wein, den es auf der Burg gibt. Gehört zwar nicht zur Spitze Südtirols, aber man es sich damit im Burghof schon gutgehen lassen. Die Weinkarte bietet aber bei Bedarf auch mehr.
          Eine Burg weiter, beim Castel Katzenzungen findet man auch eine einzelne Rebe, die als Naturdenkmal eingestuft ist. Die Rebe ist irgendwas zwischen 300 und 400 Jahre alt ist und erstreckt sich über mehrere hundert Quadratmeter. Aus den Trauben wird der „Versoaln“ gekeltert. Wenn man das Schloß besichtigt, kann man anschließend ein Fläschchen davon kaufen.
          Ich werde mich jetzt in die Sonne setzen und den Rest vom Gut Oggau Rosé vernichten. Mal sehen, ob es ihm nach einem Tag noch gut geht. Später weiß ich noch nicht, was ich aufmachen soll. Ich bin noch auf der Suche nach einem schlechten deutschen 2010er Wein. Alle schimpfen über den Jahrgang, aber ich hatte bis jetzt nur schöne Sachen. Vielleicht habe ich mit einem Spätburgunder von der Ahr mehr Glück, laut Jahrgangstabelle von CaptainCork muß man den ja wegschütten, da ungenießbar…

          Viel Spaß bei den Amis!
          EC

          Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s