Traditionswein

Heute gab’s eine Gelegenheit zur Spätburgundervernichtung, da mußte der

2013er Spätburgunder – Tradition – trocken – Qw, Rudolf Fürst, Franken

dran glauben, den ich vor einiger Zeit mal von einer Resterampe für einen Zehner mitgehen lassen konnte.

Die Farbe ist ein zwar sattes, aber doch deutlich transparentes Granatrot mit leicht bräunlichen Ansätzen. Ich rieche in erster Linie Vanille, Nelke, ein bißchen Tabak, dahinter einige angedörrte Pflaumen, das Ganze durchaus deutlich, aber andererseits auch recht wohldosiert. Am Gaumen zeigt sich die Fruchtseite ebenfalls von der leicht angetrockneten Pflaumenseite, jedoch ohne ins kompottige abzugleiten. Dazu gibt’s wieder die o.a. Holzaromatik, etwas Weihnachtsbäckerei vielleicht noch. Die Säure ist schön bemessen, geschmeidig in der Wirkung (nicht „mild“!) und hält den Wein trotz der „Dickweinkomponenten“ schön auf der beschwingten Seite ohne der Fülle den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auch der Abgang zeigt die Ausgewogenheit dieses Spätburgunders sehr schön, nichts ist zuviel oder zuwenig, drängt sich in den Vordergrund oder zieht sich beleidigt zurück.

Hier sind es tatsächlich weniger die Aromenkomponenten an sich, die den Reiz ausmachen (diese sind zwar für sich gesehen auch recht schön, aber nicht unbedingt hyperkomplex oder eigenständig), sondern deren vorbildliche Teamarbeit. Dazu kommt, daß dieser Spätburgunder die aus meiner Sicht „typisch deutschen“ Eigenschaften eher nicht aufweist, der „Tradition“ zeigt sich eher als zwar saftiger und leicht angereifter Rebsortenvertreter, ihm fehlt jedoch jeglicher Anflug von Kitsch auf der Fruchtseite oder einer Überbetonung bzw. Separierung der Extraktsüße, worauf ich persönlich in beiden Fällen eher ablehnend reagiere.

Übrigens: die mit Korken verschlossene Flasche hatte einen leichten Korkfehler, aber mit dem bewährten Frischhaltefolien-Trick konnte man diese Fehlaromatik innerhalb einer guten Viertelstunde tatsächlich wieder mal komplett beseitigen (hat auch schon mal nicht funktioniert). Inwieweit das TCA aber ggf. auf die Aromatik ansonsten Einfluß genommen hat, kann ich nicht sagen, da ich keine Vergleichsflasche habe; ich weiß also nicht, ob mein Eindruck auf andere Flaschen dieses Jahrgangs 1 zu 1 übertragbar ist. War aber alles andere als fade, das ist ja gerne die Folge eines Korkschleichers, wenn er durch den Korkfehler ausgelöst würde.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

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2 comments on “Traditionswein

  1. Da hast Du ja ein richtiges Schnäppchen gemacht! Die wenigen Male, bei denen ich Fürst Spätburgunder (u.a. Centgrafenberg und Hundsrück) im Glas hatte, war ich restlos begeistert. Auf den Boden der Tatsachen haben mich dann aber die aufgerufenen Preise zurückgeholt – Fürst Weine sind schon ein Luxusprodukt!

    Übrigens: Wie funktioniert der Frischhaltefolientrick?

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    • Der „Tradition“ kostet im Handel normalerweise zwischen 13,50 und 18 Euronen, geht also für die Klasse gerade noch. Dann wird’s bei Fürst allerdings tatsächlich schnell ambitionierter, jedoch auch nicht ganz grundlos. Ich denke, das Weingut kann schon auch danach schauen, was der Markt so hergibt und muß sich nicht nur an den Gestehungskosten orientieren. Da gibt’s aber andere Güter, die dann ganz anders hinlangen.

      Dieser angesprochene „Trick“ ist eigentlich ganz einfach: man gibt entweder etwas zusammengeknüllte Frischhaltefolie direkt ins Glas oder stopft sie mit einem Kochlöffelstiel in die Flasche und schwenkert das Ganze ein bißchen herum. Nach spätestens einer Viertelstunde ist der reine Korkschmecker dann in den meisten Fällen weg. Das liegt daran, daß die Folien mit einem Stoff beschichtet sind, der die vom TCA verursachten Fehlaromen irgendwie katalytisch crackt. Soweit ich weiß, hat den genauen Chemismus aber noch niemand erforscht, ich weiß auch nicht, was für Stoffe dabei letztlich entstehen. Aber in den meisten Fällen ist der Fehlton dann nicht mehr wahrnehmbar. Nur finden bei TCA-Anwesenheit ggf. auch noch andere Chemismen in der Flasche statt, z.B. daß die Fruchtseite stark abgebaut wird und der Wein dann stumpf und langweilig wirkt, auch wenn der reine Korkschmecker eliminiert wurde („Korkschleicher“). Das erkennt man aber wohl nur, wenn man den Wein im jeweiligen Stadium genauer kennt, also z.B. eine „gesunde“ Vergleichsflasche hat.
      Funktioniert also nicht immer, aber einen Versuch ist’s allemal wert. Hier hat’s jedenfalls dazu geführt, daß man den Wein ohne Einschränkungen genießen konnte, auch wenn er vielleicht nach der Behandlung anders „d’rauf“ war als es eine ursprünglich korkfreie Variante gewesen wäre.

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