…was vom Erbhof… – Relaunch

Heute mal wieder ein Chardonnaychen aus Südtirol:

2011er Chardonnay – Platt & Pignat – Südtiroler DOC, Erbhof Unterganzner, Südtirol

Die Farbe ist nunmehr ein leuchtendes Goldgelb, für den Riechkolben gibt’s einiges an einerseits reifer gelber Frucht wie Nektarine, Mirabelle und gelber Pflaume bis hin zu Feigen und Datteln, ein klein bißchen Banane noch. Weiters ein bißchen Malzbonbon und angebräunte Butter, aber schön dezent. Am Gaumen ein ähnlicher, aber deutlich intensiverer Fruchteindruck, auch die würzigen Aromen bauen hier inclusive Vanille mehr Druck auf, die Säure schafft’s aber, den Wein aus der Cremigkeit herauszuhalten. So entsteht auch hier wieder die für mich sehr attraktive Kombination aus Opulenz und Frische, was nur wenige Weine in dieser Vollendung schaffen. Hinter der Frucht- und Würzfront kann man den Porphyr der Gegend ein bißchen erahnen, bildet jedenfalls eine schöne Unterlage. Der Abgang hält recht lange durch und hält Frucht und Würze in schöner Balance mit kaum abschwellender Intensität bereit.

Seit dem letzten mal hat sich hier enorm viel getan, obwohl der Chardonnay da auch immerhin schon fünf Jahre alt war. Aber da war er noch nicht so ganz in sich stimmig, eher „mit gebremstem Schaum“ unterwegs. Jetzt ist er dafür umso mehr in positiver Hinsicht entwickelt. Die steinige Mineralik geht da zwar fast unter und leistet nur noch sehr distinguiert ihren Beitrag, aber insgesamt gesehen kann ich das nicht mehr als Malus werten (wie vor über zwei Jahren noch bei der Nachverkostung).

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 30. März 2016:

So, der kleine Südtirol-Trip ist jetzt auch Geschichte. Da mein Kofferraum kein ganz geringes Fassungsvermögen hat und ich ihn bei der Hinfahrt auch nur mäßig befüllt hatte, war die Hemmschwelle beim Einkaufen relativ niedrig. Das wird in der näheren Zukunft wohl dazu führen, daß die Südtiroler Weine etwas stärker vertreten sein werden als sonst.

Ich fange mal mit dem

2011er Chardonnay – Platt & Pignat – Südtiroler DOC, Erbhof Unterganzner, Südtirol

an. Der Erbhof Unterganzner von Josephus Mayr liegt in Kardaun am Ostrand von Bozen, quasi am südlichen Eingang zum Eisacktal. Der Hof selbst ist für sich betrachtet ein recht idyllisches Plätzchen, jedoch ist er in dem hier schon enger werdenden Tal recht eingezwängt zwischen den Spuren der modernen Zivilisation wie Superstrada, Autostrada, Eisenbahn sowie den Flußläufen von Eisack und Eggentaler Bach.

Der Chardonnay stammt von noch vergleichsweise jungen Rebstöcken, die auf dem für Bozen und Umgebung typischen roten Quarzporphyr vulkanischen Ursprungs in den Lagen Platt und Pignat gedeihen. Diese befinden sich auf der Nordseite des Kampennerberges, der Eisack zugewandt. Der Chardonnay wird anscheinend je nach Jahrgang auch zu Teilen im Holzfaß ausgebaut, jedoch heute deutlich weniger als früher. Was ich persönlich eher positiv sehe.

Unser Jahrgang zeigt sich mit einem eher hellen Goldgelb, in der Nase ist er recht gelbfruchtig mit Apfel- und Weißer-Pfirsicharomen sowie nachrangig auch ein bißchen Banane. Mineralik findet man hier kaum, höchstens einen Hauch Vanille. Am Gaumen kommt noch ein bißchen Dattel und Feige dazu, aber rein aromatisch, ohne ausgeprägte Fruchtsüße. Hier spürt man dann deutlich mehr vom Boden, ein kühl-herber, anfangs leicht eisenhaltiger Ton schwingt mit. Dann wieder die ganz leichte Vanillenote. Die Säure ist Chardonnay-typisch eher moderat vorhanden. Der Nachhall wird geprägt durch die herbe Mineralik, aber auch die Fruchtseite kommt nicht zu kurz.

Aufgrund der etwas ausgefallenen Mineralik kein alltäglicher Chardonnay. Bemerkenswert vor allem, daß die Bodenmineralik hier eben nicht durch Braunwürze überdeckt wird, wie das ja bei dieser Rebsorte gerne mal praktiziert wird. Trotz eher mäßig vorhandener Säure kein schwerer oder fetter bzw. anstrengender Wein. Auch die immerhin 14 Ampere fallen nicht weiter auf, schon gar nicht unangenehm. Wahrscheinlich ist dieser Wein aber keiner, der den Chardonnay-Typizitisten (gibt’s das Wort?) vom Hocker haut. Aber mir gefallen solche etwas spezielleren Tröpfchen.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: Die würzigen Aromen nehmen in der Nase deutlich zu, Datteln und Feigen riecht man nun auch. Am Gaumen treten die Früchte zugunsten der würzigen Aromen ebenfalls zurück, auch die eigentliche interessante Bodenmineralik hat es schwerer, sich zu behaupten. Die Bananen kommen jetzt in frittierter Form der grünen Kochbanane. So manchem wird der Chardonnay in dieser Form besser gefallen als vor 2 Tagen, er ist jetzt deutlich typischer für diese Rebsorte. Ich fand ihn aber direkt nach dem Öffnen interessanter, weil eigenständiger. Immer noch ein sehr guter Wein, aber jetzt eher einer unter vielen…

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8 comments on “…was vom Erbhof… – Relaunch

  1. Hallo Erich,
    spannend bei Dir etwas von einem Weingut zu lesen, das ich kenne und sehr schätze.
    Allerdings muss ich gestehen, dass ich noch keinen Weißen von Josephus Mayr getrunken habe – Rote allerdings schon einige 🙂 .
    Hast Du auch eins, zwei Flaschen Lamarein und/oder Composition Reif in den Kofferraum gepackt?
    Wenn ja, bin ich schon gespannt davon zu lesen 🙂
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      aufgrund der immer noch unterrepräsentierten roten Mittrinker in meinem direkten Umfeld habe ich überwiegend weiße Sachen probiert und gekauft. Rot nur eine Blauburgunder Reserve vom Stroblhof und einen geschenkten Vernatsch von Manincor. Aber nach dem Lamarein habe ich natürlich gefragt. Den gab’s allerdings nicht zum Probieren und Frau Mayr hat gesagt, daß man den ja eigentlich vorbestellen muß. Sie hat dann aber doch mal nachgeschaut, ob sie noch einen findet. Und tatsächlich…
      Mal sehen, wann die Zeit für das rote 2013er Fläschchen gekommen ist…
      Auf der weißen Seite gibt’s noch einen Sauvignon sowie eine weiße Cuvée, zu der alle Mitglieder der “Tirolensis Ars Vini” (Unterganzner, Loacker, Thurnhof, Griesbauer, Kränzel, Laimburg) Trauben beigesteuert haben. Spannende Geschichte, von der es auch eine rote Variante gibt.
      VG Erich

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      • Von den anderen Winzern dieser kleinen Vereinigung habe ich noch gar nichts getrunken aber das Cuvée klingt spannend, mal sehn, ob das hier aufzutreiben ist.

        Der Lamarein ist eigentlich immer sofort weg, auch der 2014er ist bereits ausreserviert bei dem einzigen Händler der den Wein nicht nur mit „Zukauf“ abgibt oder Mondpreise verlangt.
        Bei mir liegen von 2007 bis 2013 von jedem Jahrgang ein paar Flaschen im Keller. An sich geht der Lamarein auch schon jung gut, da er nie raue Tannine hat. Aber den 12er und 13er hab ich auch noch nicht angerührt. Schätze der 13er ist so ab 2018/19 voll auf der Höhe – aktuell finde ich 07, 08 und 10 toll – 09 und 11 noch etwas zu jung.
        Wenn Du den 13er aufmachst und berichtest, mach ich das auch, dann können wir die Eindrücke vergleichen 😉

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        • Muß ja schon was außergewöhnliches sein, wenn du dir über die Jahre solch eine Vertikale in den Keller gelegt hast! Kann natürlich noch dauern, bis ich den 13er öffne, möglicherweise wird’s tatsächlich erst 2019 soweit sein, wer weiß? Vielleicht schaffen wir’s ja auch gemeinsam… 😉

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          • Wäre ja nicht schlecht, dann könnten wir auch mehr als nur den 13er probieren 😉
            Tatsächlich ist der Lamarein einer von vier Weinen, die ich über so viele Jahrgänge im Keller habe. Die anderen drei sind der „Le Clos“, „Les Poyeux“ und „Le Bourg“ vom Weingut Clos Rougeard – die mir nach meinem aktuellen Geschmack noch deutlich mehr Freude machen – vor 7 Jahren hatten aber Weine wie der Lamarein noch den Vorzug. Leider sieht es seit eins, zwei Jahren mit der Verfügbarkeit von Clos Rougeard noch deutlich schlechter aus als beim Lamarein und über die Zweitmarktpreise kann man hier nur noch lachen oder weinen (je nachdem)

            Hast Du bestimmte Weine, die Du über mehrere Jahrgänge bewusst im Keller lässt?

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            • Früher habe ich noch nicht so breit gestreut Weine probiert und gekauft, da hatte ich dann schon ein paar Weine, von denen sich im Laufe der Zeit dann gleichzeitig einige Jahrgänge im Keller angesammelt hatten. Auch bei günstigeren Sachen. Wobei der Fokus mehr auf Italien lag. Ich weiß, daß ich vom „Feldmarschall“ mal 8 Jahrgänge nebeneinander im Keller hatte. Zur Zeit schaffe ich -soweit ich weiß- maximal 3 Jahrgänge bei einem Wein, der „Feld“ gehört auch dazu (aktuell 11, 12, 13). Dabei muß man auch bedenken, daß Rotweine und Trockenbeerenauslesen nicht zu den zahlenmäßig stärksten Vertretern in meinem Keller gehören. Auch das war früher komplett anders, zumindest was die Rotweine betrifft, deren Anteil lag mal über 90 %, jetzt vielleicht noch 15 %.
              Heute kaufe ich je Wein und Jahrgang zwischen ein und max. 3 Flaschen. Eine, wenn ich „blind“ kaufe, zwei, wenn ich den Wein vorher mit positivem Ergebnis probiert habe und 3, wenn ich ich ihn für wirklich außergewöhnlich und langlebig halte.
              Die Suche nach „Neuem“ nimmt bei mir daher zur Zeit mehr Raum ein als die Beobachtung der Entwicklung eines einzelnen Weines über die Zeit. Auch wenn das ebenfalls sehr reizvoll ist. Aber auch hier fordert das Leben Kompromisse…

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            • Kann ich gut nachvollziehen, denn gerade bei (den meisten) trockenen Weißweinen ist eine Einlagerung von 10 Jahren+ nicht immer angesagt.
              Bei mir liegt das Verhältnis Rot zu Weiß eher so bei 70/30 und viele der Roten brauchen nach der jugendlichen Fruchtphase noch mind. 5 weitere Jahre.
              Bei Weißweinen habe ich auch max. 3 Jahrgänge von einem Wein im Keller, wobei ein Großteil meiner Weißen auch etwas Lagerung brauchen (90% sind Chardonnays, Chenins und Rieslinge).
              Sonst finde auch ich „Vielfalt“ spannender und probiere gerne „Neues“ aus im Hinblick auf Weingüter und auch Regionen. Nur bei den Rebsorten bin ich etwas festgefahrener, so habe ich wohl knapp 100 verschiedene Pinot Noirs und fast 60 unterschiedliche Chardonnays im Keller – Schwerpunkt Burgund und Kalifornien. Aber das sind ja auch Rebsorten die je nach Winzer, An- und Ausbau und Region sehr unterschiedliche Ergebnisse bringen.

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            • Bei mir sind es deutlich mehr unterschiedliche Rebsorten im Keller. Ich habe mal die Funktionen meiner Blögchen-Verwaltung genutzt und mir die ganzen vergebenen Schlagworte angesehen. Demnach habe ich hier schon Weine aus über 60 verschiedenen Rebsorten beschrieben, und das bezieht sich jetzt nur auf die Reinsorter. Es waren auch 54 „Cuvées“ dabei. Die Rebsortenrangliste bei den reinsortigen Weinen ist: Riesling (55), Grüner Veltliner (26), Weißburgunder (24), Chardonnay (23), Sauvignon Blanc (19), Silvaner (19), Spätburgunder (18), Grauburgunder (17), Auxerrois (7), Blaufränkisch (5), Trebbiano di Soave (5)…
              Und während früher Italien lange Jahre bei mir der Spitzenreiter war, ist es jetzt Deutschland, Italien wegen des hohen Südtirol-Anteils auf Platz 2, dann Österreich. Und Griechenland ist im Kommen!

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