Scheues Reh – Relaunch 2 – Nachtrag

Ist auch schon länger her, daß ich diesen PB respektive Weißburgunder oder auch weißen Ruländer zuletzt im Glas hatte:

2013er Pinot Bianco – Kastelaz – Alto Adige DOC, Elena Walch, Südtirol

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, nasenmäßig mitteldicht Mirabellen und Kaktusfeige, ein kleiner Salbeihauch noch. Am Gaumen etwas voller, kann man aber immer noch „filigran“ nennen. Die Frucht ist hier mit Specksteinmehl gepudert; mit der ganz gut aufgestellten Säure kommt zwar auch was zitrisches mit, das ist aber etwas undifferenziert, dazu kommt noch ein leicht künstliches Bitterchen. Die mineralische Seite bietet neben dem Specksteinmehl auch etwas Polystyrol, wie man es vom Modellbau her kennt. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, hier wird die leicht belegte Frucht von einem plastikbasierten Bitterchen begleitet.

Irgendwie kommt der Pinot Bianco heute nicht so richtig aus den Startlöchern. Er hat zwar ein paar nicht uninteressante Kanten, aber die verschiedenen Geschmackskomponenten sind kaum mit einander vernetzt und führen ein dementsprechendes Eigenleben. Ob da ein paar weitere Jahre noch was helfen? Aktuell kommt die ganz große Begeisterung jedenfalls nicht auf.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 15/25

Nachtrag nach 24 Stunden mit Luft: Insgesamt ist der PB über Nacht deutlich erstarkt, das fängt beim Bukett mit höherer Intensität und Vielfalt an, vor allem einiges an Tamarinde sorgt hier nun für Frische+. Am Gaumen dann hat sich die Mineralik von Speckstein und Polystyrol deutlich weg bewegt, den belegten Charakter spüre ich jetzt nicht mehr, vielmehr eine frisch-herbe Gesteinsnote, die ich dem Porphyr zuschreiben könnte (wobei ich gar nicht genau weiß, ob’s den in der Lage überhaupt in relevanter Menge gibt). Auch hier nun eine animerende Frische mit leicht herber Zitrusseite. Der Abgang hat ebenfalls signifikant dazu gewonnen, alle aromatischen Bestandteile incl. der mittlerweile leicht pfeffrigen Kräuternote wirken nun deutlich aufgeräumter. Hat hinsichtlich des Spaßfaktors während der Ruhepahse im Kühlschrank deutlich profitiert!

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 18/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 27. August 2016:

Es ist nun eineinhalb Jahre her, daß ich den

2013er Pinot Bianco – Kastelaz – Alto Adige DOC, Elena Walch, Südtirol

zuletzt probiert habe. Der Wein war damals noch nicht in Topform, aber vielleicht hat sich ja mittlerweile ein bißchen was getan. Übrigens gibt es den Pinot Bianco aus der Lage Kastelaz nicht mehr, der Nachfolger stammt seit dem Jahrgang 2015 von der Lage „Kristallberg“, die neu zugekauft wurde. Ob die PB-Reben der alten Lage zugunsten anderer Sorten wie z.B. Gewürztraminer (der bei Elene Walch ja sowieso die größere Rolle spielt) herausgerissen wurden oder die Trauben einfach in den Classic-PB wandern, weiß ich allerdings nicht.

Im Glas ein helles Goldgelb, in der Nase anfangs wieder sehr verhalten nach gelben Äpfeln und etwas Nektarine sowie ganz leicht nach Braunwürze riechend. Wenn man dem PB allerdings gut eine Stunde Zeit gibt, dann gesellen sich noch einige andere Früchte dazu, am prägnantesten sind Mango und Khaki. Am Gaumen von Beginn an etwas intensiver nach Backapfel und weißem Pfirsich schmeckend, die Holzaromatik hier ein bißchen dichter in Richtung Lakritz und Pfeifentabak. Aber auch an dieser Stelle tut etwas Zeit dem Wein ungemein gut. Alles wird gelber und dichter, wenn auch nicht opulent. Trotz einigem an erlebtem Fruchextrakt bewahrt sich der PB aber eine gewisse Filigranität im Geschmack, er ist also immer noch weit vom Blockbuster entfernt. Eher wenig Säure, aber auf der anderen Seite ist anfangs auch kein überbordender Extrakt vorhanden, der unbedingt mehr erfordern würde. Erstaunlicherweise fehlt diese dann aber nach der Aromenintensivierung nicht; was jetzt an Frische mangelt, wird gleichwertig durch Cremigkeit ersetzt. Der Abgang ist eigentlich durchgehend der intensivste Teil des Trinkgenusses, Frucht und Holz sind hier zu jeder Zeit im Einklang.

Das Weinchen hat sich also durchaus zu seinem Vorteil entwickelt, aber da geht sicher noch was. Jedenfalls ein schöner Sprung nach vorne, der eine Korrektur der Bewertung rechtfertigt:

Meine Wertung: Nachkauf 2/3

Hier noch der Text der ersten Verkostung vom 17. Februar 2015:

Elena Walch ist ja in erster Linie für ihre Gewürztraminer (aus der gleichen Lage Kastelaz) bekannt, diese haben auch die meisten Auszeichnungen eingeheimst, soweit ich weiß. Da ich jedoch nicht der ausgewiesene Fan dieser Rebsorte bin (zumindest bei reinsortigen Weinen), habe ich mich den anderen Gewächsen dieses Hauses zugewandt. Der

2013er Pinot Bianco – Kastelaz – Alto Adige DOC, Elena Walch, Südtirol

ist ein nicht gerade typischer Vertreter dieser Rebsorte. Eher zurückhaltend gibt sich die Nase dieses Weißburgunders, als ob er was zu verbergen hätte. Am Gaumen zeigt sich dann etwas mehr. Extrem trocken, die Fruchtarmonen nach Apfel dominieren nicht, wie ich es bei einem Südtiroler Weißburgunder aus einer „Cru-Lage“ erwartet hätte. Dieser Wein lebt eher von seiner Mineralik, die jedoch entdeckt werden will. Auch die 13,5 Umdrehungen Alkohol sind recht gut versteckt. Wer gehaltvolle, präsente Weine liebt, ist hier fehl am Platz. Der Wein ist zwar sehr komplex, aber man muß sich schon ein bißchen auf ihn einlassen, um alle würzigen und mineralisch salzigen Noten nach und nach zu entdecken, z.B. auch eine leichte Pfeffernote, die etwas an Grünen Veltliner erinnert. Das neue Holz, in dem der Wein laut Angabe von Elena Walch zu einem Drittel ausgebaut wurde, hält sich angenehm zurück.

Kein Blockbuster, kein Wein, der seine Reize einfach so zur Schau stellt, die Qualitäten liegen im Verborgenen. Die Flasche war relativ schnell leer, weil wir ständig auf der Suche nach den verborgenen Schätzen waren. Auch eine Form der Trinkanimierung. Eigentlich ein sehr schöner und auch anspruchsvoller Wein, aber mir ist er ehrlich gesagt etwas zu kapriziös, daher derzeit

Meine Wertung: Nachkauf 1/3

Ich habe aber noch ein paar Flaschen im Keller, mal sehen, was sich in nächster Zeit noch tut, von Elena Walch wird dem Wein ein Lagerpotential von 3 bis 7 Jahren zugeschrieben.

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