Wein für wilde Reste

Heute gab’s -dem Montag angemessen- ein Gericht aus ein paar kümmerlichen Resten der vergangenen Tage, wobei u.a. Zutaten wie ein Wildschweinfilet, Maronen, ein halber Blumenkohl und der restliche Noà von gestern zur Verfügung standen. Bezüglich der Weinbegleitung war ich wieder auf was weißes angewiesen, deshalb ging mein Griff nach Griechenland:

2014er Aidani – dry – PGI Cyclades, Hatzidakis, Cyclades

Dieser Aidani ist übrigens „bottled for Hatzidakis Winery by NTN 49-0597 /99“, was wohl bedeutet, daß der Santoriner Weinzauberer zumindest nicht durchgehend für den Wein verantwortlich zeichnet, auch wenn laut Heimseite die Trauben „from our organic vineyards, cultivated at altitudes from 70 up to 330 meters“ stammen. Das Etikett stammt übrigens von Stella Hatzidakis, sie hat das Werk im Alter von 3½ Jahren geschaffen…

Die Farbe ist ein recht dichtes orangegelb, dabei ganz leicht trüb. Für die Nase gibt’s erst mal Ausleseduft in Form von Thymianhonig und Orangeat sowie leicht Zitronat, auch ganz dezent Braunwürze in Form von Cassonade und Süßholz, jedoch mit einer deutlichen, frischen Komponente. Am Gaumen dann eine ganz eigene Textur, welche die Eigenschaften einer „dicken“ Auslese mit einem frisch-süffigen Weinchen sehr harmonisch so miteinander verbindet, daß zwischen den opulenteren Geschmackskomponenten und der frisch-leichten Seite kein Loch entsteht. Das heißt, die Honig- und leicht reduktiven Dickfruchtaromen wie Khaki und Trockenpfirsich wirken nicht verwässert, obwohl der Wein bei immerhin 14 Umdrehungen ziemlich niederviskos wirkt. Die Säure ist dabei gar nicht mal besonders kernig, aber in Kombination mit der leicht anfermentierten Zitrusseite eben sehr effektiv. Dazu kommt eine interessante Stein- bzw. Salzseite, die mich irgendwie an Brandkalk und Titanoxid sowie Talcum erinnert, ergänzt durch ein paar „weiße Tannine“ respektive Gerbstoffe, die auch zu einer ganz leichten Adstringenz führen. Der Abgang ist schön lang, wieder ganz leicht pelzig, hier macht sich neben der gerbstoffigen Frucht auch eine Art reduktives Bitterchen breit, welches ich als recht angenehm empfinde.

Dieser recht eigene Wein hatte nun überhaupt kein Problem mit dem nicht ganz leichten Reste-Gericht, obwohl er auf der Heimseite eher für fischige Sachen empfohlen wird; trotz der Frische, die der Aidani beim Trinken verbreitet, ist immer genügend Substanz da, die dem Wildschwein & Co. Paroli bieten ohne dabei selbst in irgendeiner Weise anstrengend zu wirken. Das letzte Glas ging dann auch recht beschwingt als Solist weg (nicht ganz, ein paar Stückchen 61er Leysieffer-Schokolade waren noch dabei) und machte dabei ebenfalls eine recht gute Figur.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 22/25

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