Wrint vom Saumagen

Letzten Mittwoch schon wieder ein Wrint-Podcast, diesmal mit drei Weinen vom Pfälzer Weingut Koehler-Ruprecht, dessen Etiketten so herrlich antiquiert sind. Da kommt richtiges 70er / 80er-Feeling auf; schön, daß es sowas neben den vielen durchgestylten Etiketten auf dem deutschen Weinmarkt -nebst teils abenteuerlichen Benamselungen- auch noch gibt!

1. Wein: 2017er Muskateller – trocken – Kabinett – Pw, Koehler-Ruprecht, Pfalz

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Im Glas ein helles Zitronenelb, geruchlich ist der Muskateller zitrisch-floral, ganz leicht extraktsüß wirkend, insgesamt eher auf der filigranen Seite. Am Gaumen zeigt sich gleich eine schöne Balance zwischen süßlicher und saurer Frucht wie gelbe Kiwi, gelbe Kaktusfeige bzw. Grapefruit und Zitrone, dazu ein paar Blumen der dezenteren Art. Die Säure ist frisch-ausgewogen, ein paar herbe Steinchen gibt’s auch. Der Abgang hält recht lange an, er ist leicht fruchtsüß wirkend, grundsätzlich aber trocken, auch hier fruchtig-blumig.

Dieser Muskateller punktet bei mir vor allem deswegen, weil die bei dieser Rebsorte (von mir) so gefürchtete Plakativität und Parfümiertheit insbesondere der Floralik nicht mal im Ansatz vorhanden ist. Trotz der eher filigranen Struktur tut sich nirgendwo ein geschmackliches Loch auf.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 20 von 25

2. Wein: 2016er Riesling – Kallstadter Saumagen – trocken – Kabinett – Pw, Koehler-Ruprecht, Pfalz

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Hier haben wir ein helleres Goldgelb im Glas, für den Riechkolben gibt’s anfangs eher gelbe, etwas verschwommene Zitrusfrucht, im Laufe der Zeit kommt auch eine „leichte“ Orange dazu, alles eine Spur ankandiert, ein etwas ausgeprägterer Extrakt wird angekündigt. Dazu dann noch etwas Akazienhonig und sogar ein bißchen Butter. Am Gaumen dann zuvorderst gelb-grüne, mäßig differenzierte Zitrusnoten in deutlicher Dichte, dazu eine super balancierte Säure, fluffiges Kiesbett. Beim langen, filigran und druckvoll zugleich wirkenden Abgang dominiert ebenfalls die Zitrusfrucht, drängt sich aber nicht zu sehr nach vorne und läßt genügend Raum für’s Kiesbett.

Soweit ist dieses trockene Riesling-Kabinettchen sehr schön gemacht, es lebt vor allem durch seine schöne Struktur, allerdings fehlt dem Wein (derzeit noch?) ein bißchen was an Komplexität bzw. „Salz in der Suppe“.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: Kleine Entwicklungen merkt man vor allem am Gaumen, hier hat die Zitrusaromatik etwas zugelegt; auch die herben, leicht blauschieferigen Steinchen sind etwas größer geworden.

3. Wein: 2016er Riesling – Kallstadter Saumagen – trocken – Spätlese – Pw, Koehler-Ruprecht, Pfalz

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Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb, nasenmäßig gibt’s recht viel Zitrus von gelb bis hellorange, dazu ein Hauch von Flint. Am Gaumen ein ähnlicher Eindruck, die Frucht ist dicht und fein ziseliert zugleich, die Mineralik kommt leicht schieferig herb daher. Die Säure ist deutlich, aber nicht vorlaut. Der Abgang ist von schöner Länge mit blau-herber Mineralik und einem leichten Bitterchen.

Einen ganz spektakulären Unterschied zum Kabinett, welcher den um 50 % höheren Preis gerechtfertigen würde, sehe ich derzeit nicht. Auch dieser Riesling glänzt vor allem durch seine Struktur, der Inhalt deutet zwar auf etwas Potential hin, schläft anscheinend noch ein bißchen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Nachtrag nach 48 Stunden mit Luft: Hier konnte ich keine Vorwärtsbewegung feststellen, eher sogar einen leichten Rückschritt, denn die Zitrusfrucht hat an Komplexität bzw. Diversität bei schon nicht so hohem Ausgangsniveau noch verloren, die Steine sind etwas herber geworden. Also in der Jugend besser gleich austrinken, sonst gibt’s Punktabzug…

Fazit: Es gab drei durchaus schöne, vor allem feine Weine. Der Muskateller hat mich dabei aktuell am meisten überzeugt. Bei den Rieslingen könnte ich mir vorstellen, daß diese ihre wahren Qualitäten erst in einigen Jahren ausspielen, in der jetzigen Konstitution fallen mir da einige mindestens gleich schöne und auch sehr ähnliche Rieslinge ein, die um deutlich weniger Geld her gehen oder für’s gleiche Geld mehr Spaß bieten. Möglicherweise wage ich mal das Experiment und lege ein paar weitere Flaschen dieser Weinchen einfach mal ein paar Jährchen beiseite…

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