V4A – Relaunch

Oh je, ich bin ziemlich im Verzug, die letzte Woche war einfach ziemlich ereignisreich. Aber jetzt mal der Reihe nach: am Samstag vor einer Woche brauchte ich einen weißen Wein, der bei „Grina Gleeß“ mit Rouladen mithalten kann, da habe ich mich an den

2012er Silvaner – Best of – EdelStahl – trocken – Qw, Stahl, Franken

erinnert:

Die Farbe ist ein mittleres Goldgelb mit leichtem Touch zum Messing, in der Nase dicht Mirabellen und Physalis, gleichberechtigt daneben weißer Rauch und Feuerstein. Am Gaumen kommt auf der mineralischen Seite noch Bakelit mit Bitterchen dazu, die Fruchtseite hat zusätzlich Khaki und Dosenpfirsich zu bieten. Dazu einiges an Braunwürze/ Gewürzstrauß, ohne dabei überfrachtet zu wirken. Die Säure ist sehr effektiv und hält sich dabei vornehm im Hintergrund, irgendwelche blauen Steinchen spielen auch mit. Der Nachhall hallt ordentlich lang, die Frucht ist mit ordentlich Würze und Steinmehl gepudert.

Sehr schön dichter und vielseitiger Silvaner mit animierender Mineralik und feiner Bitternote, noch lange nicht auf Talfahrt.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 09. Januar 2016:

Es gibt ja mehrere Hundert Sorten von Edelstählen und ich will hier jetzt nicht hinsichtlich deren Bezeichnungen zu weit ausschweifen, aber die Bezeichnungen VA-Stahl bzw. V2A oder V4A sind wahrscheinlich einigen Leuten geläufig, auch wenn diese heute offiziell keine Gültigkeit mehr haben. Die genannten Kürzel leiten sich ursprünglich von „Versuchsschmelze 1 Austenit“ etc. ab und VA ist einfach der Oberbegriff für Edelstähle geworden. Und V4A ist dann ein nochmals höherwertiger Stahl mit besseren Eigenschaften als andere VA-Stähle sie haben.

Das fiel mir aufgrund meines beruflichen Hintergrunds ein, als ich den

2012er Silvaner – Best of – EdelStahl – trocken – Qw, Stahl, Franken

aus dem Keller geholt habe. Die Trauben dafür stammen aus den letzten Lesedurchgängen verschiedener Lagen im Maintal.

Im Glas zeigt sich der Edelstahl-Silvaner mit einem kräftigeren Strohgelb, geruchlich recht intensiv fruchtig, Birnen und Mirabellen lassen sich ausmachen, ein paar Rosinen, etwas petrolig. Riecht auch im Hintergrund ein bißchen nach feuchter Terrasse. Am Gaumen frisch und gelb, hier auch Andenbeere und sehr reife ostafrikanische Mango, im Ansatz auch etwas Banane. Viel Extrakt, der durch eine harmonische Säurestruktur leicht und fluffig bleibt, dabei cremig, fast ein bißchen buttriges Chardonnay-Feeling. Die 13,5 Volt per Etikett hätte ich dem Wein ungesehen auch ungefähr zugeschrieben. Der Nachhall ist einige Minuten lang genießbar und bietet kaum abschwellend eine schöne mineralisch-fruchtige Geschmackspalette.

Wirklich ein sehr edler Silvaner, daher meine Titelwahl . Es gäbe natürlich noch edlere Stähle, aber mit 1.4539 oder 1.4841 kann wahrscheinlich keiner mehr was anfangen. Die Stahl-Weine folgen ja hinsichtlich der Bezeichnung nicht den bekannten Hierarchien des deutschen Weingesetzes oder der VDP-Klassierungen, hier wird mit „FederStahl“, „DamaszenerStahl“ und „EdelStahl“ eine eigene Einstufung geschaffen, die ich angesichts des Namens des Winzerhofs für recht pfiffig halte. Dieser „EdelStahl“ rangiert für mich irgendwo zwischen Erster und Großer Lage nach VDP-Maßstäben, da ist der Silvaner auch preislich zuhause.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3

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