Nur nicht anecken…

Heute habe ich mal was geringfügig härteres angehört:

Shining Path – No other World

Der schwedische E-Bassist Jonas Hellborg, der in den 90ern vorwiegend jazz-rockig unterwegs war, hat 1992 auch in der Formation „Shining Path“ mitgespielt, welche aber letztlich nur dieses eine Album veröffentlicht hat. Wie gesagt, geht’s hier etwas härter zur Sache, im Internet findet man dazu Schubladenbezeichnungen wie Grindcore und Industrial, mir würde dazu eher sowas wie Hard Jazz Rock oder Speed Jazz einfallen. Wie auch immer, Jonas Hellborg verzerrt seinen E-Bass recht metal-mäßig und setzt ihn durchgängig auch als E-Gitarren-Ersatz ein, Anders Johansson (dr) und sein Bruder Jens Johansson (keyb) sowie Gary „Mudbone“ Cooper (voc) sorgen für teils recht düstere Metal-Stimmung, aber eben mit einer gehörigen Portion an mehr Spielwitz als er üblicherweise von den Metallern kommt, auch wenn es sich auf den ersten Hör teilweise nur nach brutalem „in die Instrumente greifen“ anhört.

Da toben sich einfach ein paar Musiker, die ihr Handwerk wirklich beherrschen, mal ordentlich aus. Und manchmal brauche ich das auch…

Das Cover zeigt übrigens eine Collage von Jos Deenen: „The Devil lurks behind the Cross“. Die Darstellung des Papstes mit Hakenkreuzarmbinde und Wehrmachts-Fliegerkappe ist natürlich gehörig provozierend und wurde daher nicht in allen Ländern goutiert. Das oben abgebildete Cover zeigt die schwedische Originalausgabe. In manchen Ländern wurde dann auf das Booklet ein Aufkleber plaziert, um zumindest die Armbinde unschädlich zu machen:

ShiningPath-NoOtherWorld_2

In wieder anderen Ländern -soweit ich weiß u.a. auch Deutschland- wurde jedoch ein komplett anderes Cover verwendet:

ShiningPath-NoOtherWorld_3

Wer auch immer letztlich diese Einflußnahme in den einzelnen Ländern zu verantworten hatte, man sieht daran sehr deutlich, daß Zensur schon immer allgegenwärtig war, auch bei uns. Man könnte jetzt einfach d’rüber schmunzeln und sich nix weiter dabei denken, aber ich finde es einfach nur traurig…

In jedem Fall macht die Musik aber Spaß, auch wenn ich für mich sagen muß, daß ich sowas nicht immer anhören kann, da muß ich schon in der richtigen Stimmung dazu sein. Denn um die wirklichen Feinheiten der Musik auch mitzubekommen, muß man sich schon d’rauf konzentrieren und das ist bei dem Druck, den die Musik ausübt, stellenweise auch kraftzehrend.

Meine Wertung: 3/4

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