32. Weinrunde in München

Wieder bin ich ordentlich verspätet, denn bereits am 15.11. fand die 32. Blindtasting-Runde in München statt. Zur Zeit ist einfach viel Zeuch um mich ’rum und allein die Bildbearbeitung dauert immer etwas, da die Lichtverhältnisse bei den Aufnahmen in der Regel nicht so besonders sind. Und zumindest einigermaßen ansprechend soll’s ja dann doch aussehen…

Unser Gastgeber hat das Thema „Weine zu Saitenwürschtle mit Linsen und Spätzle“ ausgewählt; daß er gut gut kochen kann, hat er ja schon mal bewiesen!

Prolog:

Zu Beginn erst mal zwei Einsteiger:

Wein A: 2016er Sauvignon Blanc – Serafim – DOC-CMD Dealu Mare, Licorna, Muntenia

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Diesen Wein hatte unser Gastgeber mal gratis von einem Weinversand bekommen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Aus Rumänien hatte ich noch nicht so viel im Glas, überzeugt hat mich bis jetzt noch nichts. Vielleicht jetzt?

Die Farbe ist ein sehr helles Strohgelb mit grünlichen Reflexen, in der Nase Minze und Melisse sowie TicTac und leicht was honigartiges. Am Gaumen ebenfalls ein bißchen was medizinisches, Menthol und dahinter grüne Kiwi mit deutlicher Säure. Der Abgang ist ziemlich lang und wiederholt den Gaumeneindruck 1:1

Kann zwar trinken, wenn man sich nicht zu sehr darauf konzentriert, muß man aber nicht…

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 12 von 25

Wein B: 2006er Gelber Orleans – [trocken] – [Qw], Knipser, Pfalz

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Die Sorte Orleans wird nur noch von ganz wenigen Winzern in Deutschland angebaut, u.a. von Knipser. Mittlerweile gibt es den Wein auch bei einigen Händlern mit Etikett, in früheren Zeiten wurde der Wein im Gut nicht offiziell gelistet und nur auf explizite Nachfrage vor Ort verkauft. So auch diese etikettenlose Flasche.

Die Farbe ist ein recht dunkles Goldgelb, das schon deutlich in Richtung Orange schaut, für die Nase gibt’s etwas Naphtalin und Paraffin, dahinter trotz ein paar Botrytis-Anklängen gelbe, frische Frucht, gepaart mit einer deutlichen, schön ausbalancierten Säure. Dazu ein paar Holznoten in Form von fermentiertem Schnupftabak (was dümmeres ist mir leider nicht eingefallen), die Steinunterlage ist auf der herberen Seite angesiedelt. Der Nachhall hallt für mehrere Minuten, hier zeigt sich die Säure recht straff, der jedoch ein potenter Extrakt-Braunwürze-Mix gegenübersteht.

Dieser Orleans erscheint wie eine Kreuzung aus fortgeschrittener Beerenauslese mit einem recht frischen, trockenen GGchen, ganz eigene Textur, Chapeau!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Drama:

Jetzt geht’s los:

1. Wein: 2017er Justinus K. – Fels – trocken – Qw, Felsengartenkellerei, Württemberg

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Da die Rebsorte Kerner in Weinsberg gezüchtet wurde, hat man sie im Nachgang nach dem Dichter Justinus Kerner benannt, der in Weinsberg gelebt hat. Auf der Heimseite des Weinguts wird aber als Rebsorte in der Beschreibung nur „Justinus K.“ ausgewiesen.

Im Glas ein helleres Zitronengelb, in der Nase deutlich Stachelbeere, leicht Estragon. Am Gaumen dann wieder Stachelbeere, dazu noch Honigmelone und Lychee, geschmacklich deutlich auf der restsüßen Seite angesiedelt. Die Säure ist eher „M“ wie mild oder auch mangelhaft, typischer Kaltvergärer. Der Abgang ist mittellang und dabei leicht klebrig.

Ich kann mit solchen leicht klebrigen Kaltvergärern einfach nichts anfangen, daher paßte der Wein für mich auch überhaupt nicht zum Essen.

Meine Wertung: Nachkauf 0 von 3, Gesamt 11 von 25, Matchfaktor 0 von 3

2. Wein: 2016er Branco – Cuvée – Vinho Regional Peninsula de Setúbal, Herdade do Cebolal, Setúbal

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Dieser Wein ist eine Cuvée aus Arinto und Fernão Pires.

Die Farbe ist ein helleres Goldgelb, das Bukett zeigt Jostabeere und gelbe Kiwi, wirkt durchaus frisch. Am Gaumen dann wirkt die Frucht etwas belegt, hier ist es eher Abate-Birne und Kaktusfeige. Durch einen geringeren Säuregehalt als erwartet, zeigt sich der Wein dann auch etwas breiter, freier Zucker ist aber nicht spürbar. Weiters eine leichte Erdigkeit sowie ein bißchen Pfeffer, anfangs wirkt der Branco etwas kaltvergoren, was sich aber später mit dem Erscheinen einer leichten Holznote gibt. Der Abgang zeigt dann mit schöner Länge vorrangig die Fruchtseite, tendiert dabei auch etwas zur Breite.

Von der Aromatik her gar nicht mal so verkehrt, ist mir aber einfach nicht flüssig genug.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25, Matchfaktor 1 von 3

3. Wein: 2016er Grauburgunder – trocken – Gutswein, Bercher, Baden

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Die Farbe ist ein helles Strohgelb, in der Nase süße Birne und Gala-Melone, kündigt deutlich Extraktsüße an. Am Gaumen recht gedeckt wirkende Frucht wie Honigmelone, Abate-Birne und etwas Banane, leichter Kaltvergärungseindruck. Die Säure ist moderat, ganz leicht sind ein paar kleine Kiesel auszumachen. Der Abgang ist mittellang und repetiert den obigen Eindruck.

Paßt zwar soweit recht gut zum Essen, ist mir aber letztlich doch zu behäbig.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 15 von 25, Matchfaktor 2 von 3

4. Wein: 2013er Chiavennasca – Rosso di Valtellina DOC, Arpepe, Lombardia

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Im Glas ein angebräuntes Granatrot, in der Nase Kirsche und Pflaume, recht frisch anmutend, ansatzweise kompottig, bleibt aber auf der schlanken Seite. Am Gaumen eine leichtere Tanninstruktur, keine Adstringenz; hier hat die Pflaume die Oberhand, wieder ganz leicht ankompottiert. Dazu gibt’s ein paar Nüßchen, deutliches, aber nicht überbordendes Holz in Form von Buchenstaub und Zeder. Der deutlichen Extraktsüße steht ausreichend viel Säure gegenüber. Der Abgang zeigt eine „lustfördernde“ Balance aus Frucht und Holz bei sehr ordentlicher Länge.

Dieser Nebbiolo (Chiavennasca ist ein Synonym dafür) ist zwar schon erstaunlich weit gereift und zeigt tanninseitig nichts, was man noch als garstig bezeichnen könnte, vor allem harmoniert der Wein wunderbar vor allem mit den Linsen, die für mich bei diesem Gericht geschmacklich bestimmend sind.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25, Matchfaktor 3 von 3

5. Wein: 2010er Lemberger – Fellbacher Lämmler – trocken – Große Lage – GG, Schnaitmann, Württemberg

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Die Farbe ist ein dunkles Granatrot mit leicht bräunlichen Rändern, etwas trüb. Bukettmäßig gibt’s süße Schwarzkirschen sowie Schlehen und Leder. Am Gaumen deutlich Tannin, aber sehr geschmeidig, nur noch wenig Frucht, dafür ordentlich, aber doch irgendwie subtil wirkendes Holz mit hoher Komplexität, u.a. Leder, Torf, Vanille, Nelke. Die Säure ist höchst effektiv, das leicht kantige Steinbeet ist etwas angeteert. Der Abgang ist sehr lang und lädt beständig zur Holzanalyse ein.

Sehr schönes Holz-GGchen, das für mich eindrucksvoll zeigt, daß eine vordergründige Holzaromatik einen nicht zwangsläufig erschlagen muß, wenn sie nur genügend Abwechslung mitbringt und bei aller Dichte doch auch im weitesten Sinne filigran bleibt. Super Wein (was nicht alle so sahen), paßte nur überhaupt nicht zum Essen.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25, Matchfaktor 0 von 3

6. Wein: 2016er Trollinger – trocken – Qw, Graf Adelmann, Württemberg

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Ein sehr helles Rubinrot mit hoher Transparenz zeigt sich im Glas; für die Nase gibt’s Kirsche und frische Pflaume, sonst nix. Am Gaumen fruchtseitig eigentlich nur Kirsche, die dafür deutlich kompottig, dazu Heftpflaster. Das Ganze ist zwar geschmacklich zuckerfrei, die Frucht kommt aber sehr plakativ daher, die Säure steht isoliert da. Auch der Abgang ist recht lang, auch hier wieder die plakative Frucht und an dieser Stelle auch mit einiger freier Süße.

Die grelle Frucht schreckt mich hier deutlich ab, das Heftpflaster hätte ich eher noch als interessante Kante gesehen, reißt’s aber auch nicht ’raus.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25, Matchfaktor 1 von 3

7. Wein: 2015er Vernatsch – Alte Reben – Südtirol DOC, Franz Gojer, Südtirol

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Die Farbe ist rubinrot mit deutlicher Transparenz, bukettseitig gibt’s etwas plakative Kirsche und Speckstein mit angekündigter Extraktsüße. Am Gaumen bewahrheitet sich das dann mit dem grellen Extrakt, dem einfach deutlich zu wenig Säure gegenüber steht. Weiters gibt’s noch ein Grapefruitbitterchen, Magnesium und etwas Holz, allerdings eher in Richtung Preßspanplatte. Der Abgang ist recht lang, aber auch hier ist alles sehr laut und süß.

Diesen Wein kannte ich schon und habe damit glatt gegen die „Regel“ verstoßen, etwas mitzubringen, was man noch nicht kennt. Aber es war der einzige Wein aus meinem Keller, der aufgrund der Rebsorte (Vernatsch = Trollinger) zum schwäbischen Essen einen entsprechenden Bezug hatte und ich hatte ihn sowieso nicht wiedererkannt, da er sich seit der letzten Verkostung doch recht deutlich zu seinem Nachteil verändert hat. Schade, sollte man vielleicht einfach nicht zu lange im Keller liegen lassen.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 14 von 25, Matchfaktor 1 von 3

Epilog:

Im Nachgang gab’s diesmal etwas mehr als beim letzten mal…

Wein C: 2015er Pinot Noir – Willamette Valley, Beaux Frères, Oregon

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Die Farbe ist ein dunkles Granatrot mit mittlerer Transparenz, in der Nase Preiselbeeren und ein paar Brombeeren, etwas Süßholz. Am Gaumen sind die Preisel- und Brombeeren recht saftig, leicht herb, dabei mit Fruchtsüße parat, aber nicht kompottig wirkend. Die Säure ist nur sehr moderat ausgeprägt, auf der Sekundärseite findet sich Tuffstein und was wächsernes. Der Abgang ist ziemlich lang und dickfruchtig mit arg wenig Frische.

Ein Pinot Noir, der für mich auch ein Syrah hätte sein können, hat mich nur mäßig begeistert, da er auf mich schon fast trinkhemmend wirkte. Dieser Wein kostet übrigens hier in D satte 75 Euronen pro Flasche, da bin ich schon sehr viele Meilen von der Bereitschaft entfernt, so viel Geld für solch eine Spaßbremse auszugeben.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 13 von 25

Wein D: 2001er [Sangiovese] – Brunello di Montalcino DOCG, Siro Pacenti, Toscana

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Im Glas ein sehr dunkles Rubinrot mit braunen Rändern, in der Nase reife Pflaume, etwas kompottig, dazu eine recht feine Holzaromatik. Geschmacklich erst mal deutlich tanninlastig und recht adstringierend, dann Waldbeeren und Herbstlaub, angemodertes Holz, Pfifferlinge und Speck auf deutlichem Steinbett. Trotz moderater Säure recht trinkig. Der Nachhall ist lang und würzig, auch hier eine deutliche Adstringenz, da hier leider die Säure weitgehend aussteigt, wird der Brunello hier etwas anstrengend.

Dieser reife Brunello gefällt mir zwar insbesondere am Gaumen aufgrund seiner Komplexität recht schön, auch wenn die Säurestruktur da schon grenzwertig war, aber spätestens beim Abgang fällt er dann leider deutlich ab.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 19 von 25

Wein E: 2012er Riesling – Norheimer Kirschheck – Spätlese – Pw, Dönnhoff, Nahe

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Ein deutliches Goldgelb im Glas, geruchlich gibt’s zuvorderst Naphtalin, dann Pomelo- und Minneloazesten. Geschmacklich wieder viele Zitruszesten, ein Limettenbitterchen, die Säure kommt gegen den mächtigen Extrakt nicht an und die Fruchtsüße steht relativ frei. Wenn man danach sucht, findet man auch ein paar herbe Steinchen. Der lange Abgang ist ebenfalls etwas säurearm, die ankandierten Zitruszesten mit Grapefruitbitterchen könnten für meinen Geschmack etwas niederviskoser daherkommen.

Diese Art von Zitrusbombe mag durchaus ihre begeisterten Liebhaber finden, für mich ist das Süße-Säure-Spiel nicht ausgewogen genug, als daß ich sowas auf meine Wunschliste setzen würde.

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 16 von 25

Wein F: 2012er Riesling – Schlossböckelheimer – trocken – Ortswein, Gut Hermannsberg, Nahe

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Mittel goldgelb leuchtet’s aus dem Glas, in der Nase deutlich Flint, Bariumchlorid, pastöser Schwefel und Weihrauch sowie ordentlich gelbe Zitruszesten. Für den Gaumen gibt’s einen prall gefüllten Zitruskorb, Zesten und Spalten tragen je hälftig zur leicht herben Aromatik bei. Der Korb steht auf einem ordentlich nassen Kiesbett in der Sonne, die Säure ist deutlich, aber geschmeidig und korrespondiert in allen Phasen perfekt mit dem amtlichen Extrakt. Der Abgang ist sehr lang und zitrusbetont, auch hier eine super Säurestruktur.

Bei diesem -übrigens noch komplett petrolfreien- Orts-Riesling kann man sich schon ein bißchen die Frage stellen, wozu man da noch ein GG braucht, Ist gerade in einem sehr animierenden Stadium!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Fazit:

Wieder eine schöne Runde, die zwar weinmäßig eher im Rahmenprogramm glänzte, aber auch der eigentliche Wettbewerb brachte für mich interessante Ergebnisse. Zum einen, daß ausgerechnet ein Italiener am besten zu den Linsen mit Spätzle und Saitenwürscht paßt, daß die typischeren württembergischen Weine da eher durchgefallen sind bzw. bei hoher Qualität dann nicht zum traditionellen Essen passen. Das sollte man zwar jetzt nicht verallgemeinern, schließlich war die Auswahl nicht repräsentativ, aber ein bißchen was Wahres ist ja meistens d’ran.

Abschließend vielen Dank an den Veranstalter und Koch, wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber sonst wär’s ja langweilig…

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