Vinho de Rosa – Relaunch

Gestern mal wieder ein Rosé-Alterungstest:

2015er Espadeiro – Vinho Verde DOC, Quinta de Carapeços, Minho

Die Farbe hat sich mittlerweile deutlich zu einer Scharlach-Kupfer-Mischung hin verlagert, perlt immer noch etwas. Nasenmäßig zeigen sich dicht und reif Granatäpfel und ansatzweise Kumquat sowie Cointreau. Am Gaumen ein ähnlicher Fruchteindruck mit deutlichem, aber angenehmen Campari-Bitterchen, die Säure ist trotz des nominell hohen Restzuckers (s.u) recht belebend, das bißchen verbliebene CO2 macht dabei eine ganz gute Figur, Zuckerschwänzchen gibt’s immer noch kein’s; ein paar blau-herbe Steine gibt’s als Unterlage auch noch. Der Abgang ist von ordentlicher Länge und bietet eine schöne Balance zwischen Mineralik, Säure und dem Fruchtmix.

Da hat sich in der Flasche tatsächlich einiges getan, diese Reifung steht dem rosa Grünen äußerst gut zu Gesicht, ich war recht positiv überrascht…

Meine neue Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 24. Mai 2016:

Jetzt ist es endlich mal wieder schön warm draußen und man kann entspannt und spärlich bekleidet auf der Terrasse sitzen. Jetzt könnte ich natürlich einen schönen, frischen Riesling in mich hineinkippen, aber den hebe ich mir für morgen auf. Heute gibt es mal wieder was zwischen den Farben:

2015er Espadeiro – Vinho Verde DOC, Quinta de Carapeços, Minho

Ich wußte auch lange Zeit nicht, daß es Vinho Verde auch in rot bzw. rosé gibt. Während für weiß und rot eine ganze Reihe von Traubensorten zugelassen sind, darf ein DOC-Rosé nur aus Espadeiro gekeltert werden.

Im Glas eigentlich erschreckend himbeerrot mit ordentlich Schaum vorm Mund, also noch ziemlich ungestüm. In der Nase findet man vornehmlich Himbeere, zwar intensiv, aber doch nicht zu dropsig oder zu künstlich. Etwas Granatapfel schwingt auch mit. Am Gaumen dann -auch wegen der deutlichen Perlage- sehr spritzig, zu der Himbeere gesellt sich wieder der Granatapfel dazu. Die Frucht- und Restsüße ist weit entfernt von jeglicher Klebrigkeit, obwohl der leicht restsüße Eindruck gegeben ist. Der Rosé hat immerhin über 10 g/l Restzucker zu bieten; daß mir sowas überhaupt schmeckt bzw. keine Probleme bereitet, spricht absolut für den Wein. Säure ist dabei gar nicht im Übermaß vorhanden, aber für den frischen Eindruck reicht’s allemal. Zum Glück hilft die Kohlensäure da deutlich mit. Der Nachhall ist für einen Wein dieser Preisklasse erstaunlich lang und rein.

An diesem Rosé, der jetzt sicher nicht das absolute Highlight am Roséhimmel ist, stört mich außer der gewöhnungsbedürftigen Farbe eigentlich gar nichts. Nicht mal der Restzucker. Ein schöner Terrassenschlabberwein, macht absolut Spaß, auch wenn er nicht hochkomplex in der Aromatik ist. Aber interessant und in gewisser Weise eigenständig ist er allemal.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3

Nachtrag nach 72 Stunden mit Luft: Ein bißchen was war noch übrig und ich dachte mir, daß der Wein nach ein paar Tagen vielleicht nicht mehr so schön ist. Denn wenn die Kohlensäure weitgehend draußen ist, schlägt womöglich die Restsüße mehr durch. Aber weit gefehlt: auch ohne Bläschen macht der Zucker keinerlei Probleme. Eher im Gegenteil: der Wein wirkt jetzt deutlich trockener als vor 3 Tagen. Ehrlich gesagt, einen so trocken schmeckenden Wein mit 10 g/l Restzucker hatte ich noch nie im Glas, wenn ich mich recht erinnere. Finde ich jetzt schöner als direkt nach dem Öffnen!

Meine neue Wertung: Nachkauf 2/3

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