WRINT plus

Vergangenen Montag gab’s wieder einen WRINT-Flaschen-Podcast, diesmal haben wir eine größere Runde zusammenbekommen, weshalb uns 3 Flaschen, die wir dann innerhalb einer bis eineinhalb Stunden austrinken, etwas schmächtig erschienen. Wir haben dann das Sortiment deutlich erweitert, etwas früher angefangen und schon mal vorgeglüht:

Prolog:

Zu Beginn erst mal ein prickeliger Aperitiv:

Wein A: 2017er [Solaris] – Zero Infinito – Vino bianco frizzante, Pojer e Sandri, Trentino

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„Zero Infinito“ steht hier für Null Behandlung mittels chemischer oder kellertechnischer Maßnahmen, nur Sonne und die Begleitung der Winzer auf dem Weg in Flasche. So von mir frei übersetzt aus dem Weinbrief des Gutes.

Die Farbe ist ein sehr trübes und absolut blickdichtes, helles Ockergelb mit einigen Heferückständen in der Flasche, mäßige, aber beständige Perlage. In der Nase vor allem herbe Birne und leicht hefig, am Gaumen mehr prickeliger Apfel, die Birne rangiert hier an zweiter Stelle. Die Säure kommt frisch und bizzelig daher, dazu gibt’s Korund und gelöschten Kalk, ist auch leicht adstringierend. Der ordentlich lange Abgang ist ebenfalls bizzelig-frisch, die Fruchtseite wirkt sehr belebend jenseits jeglicher Plakativität.

Sehr eigenständiger Frizzante, erinnert an Naturapfelsaft mit spritziger Weinigkeit und Mineralik.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

Wein B: 2015er Schwarzriesling – Becksteiner Kirchberg – Kilian Selektion – trocken – Qw, Becksteiner Winzer, Taubertal

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Die Farbe ist ein recht kräftiges Rubinrot mit höherer Transparenz, für die Nase gibt’s dicht und klar „Holzkirsche“ mit hohem Integrationsfaktor, d.h. Holz und Frucht kommen irgendwie „unzertrennbar“ daher. Am Gaumen dann herbe Sauerkirsche mit etwas Bakelit, weiters Zeder und Holzteer. Das Tannin ist recht griffig, verursacht aber keine Adstringenz, auch der Säure kann man dieses Griffigkeits-Attribut verleihen. Hat am Ende eine sehr schöne Länge, die herbe Sauerkirsche und das hier mehr teerige Holz stehen in schöner Balance.

Es haben zwar nicht alle so gesehen, aber für mich war das Spiel zwischen Frucht und dem doch etwas präsenteren Holz sehr schön ausgewogen, vor allem bleibt der Schwarzriesling in allen Stadien sehr niederviskos.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

Wein C: 2013er Schwarzriesling – trocken – Qw, Friedrich Becker, Pfalz

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Die Farbe ist rubinrot mit deutlicher Transparenz, für die Nase gibt’s Sauerkirschen und schwarze Johannisbeeren, erst mit etwas Luft macht sich dann auch das Holz leicht bemerkbar, dann hat man es noch mit Karamell und Medjoul-Datteln zu tun. Geschmacklich zeigt sich eine ähnliche Frucht, auch anfangs gar kein Holz, später kommt es sehr dezent und hauchweise daher. Eine quasi perfekte Säure und ein schönes Kalkbett sorgen für hohen Trinkfluß. Der Nachhall hallt mit schöner Länge, hier zeigt sich die Säure in guter Balance mit der Frucht, hier ploppt auch mit etwas Luft keine Holzaromatik auf.

Dieser Schwarzriesling ist sehr spätburgunderähnlich, die Frucht ist geschmacklich schön differenziert, Holzaromatik gibt’s nur ganz sacht, was aber weder ein Vor- noch ein Nachteil ist, dieser SR ist ist einfach für etwas andere Gelegenheiten geeignet als sein Vorgänger. Ich sehe ihn aber trotzdem einen Tick weiter hinten angesiedelt.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25

Wein D: 2014er Spätburgunder – Kaiserstuhl – [trocken] – Qw, Johner, Baden

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Im Glas ein dunkleres Rubinrot mit deutlicher Transparenz, in der Nase einiges an Schwarzpulver, dahinter saftige Herzkirschen. Geschmacklich erst mal prägend Eiche und Dachpappe, fruchtseitig dicht Kirsche und nachrangig schwarze Johannisbeeren; die Säure ist sehr frisch, im Hintergrund noch ein paar herbe Steinchen und ein kleines Bitterchen. Der Nachhall ist sehr lang und dabei frisch-fruchtig.

Dieser Spätburgunder von der Basis des Guts ist im besten Sinne „trinkig“, dabei aber alles andere als anspruchslos, alleine schon die Schießpulveraromen setzen ihn sehr weit von anderen Spätburgundern der unteren Ebenen ab, aber auch sonst findet man sowas in animierender Form bei Spätburgunder eher selten, zumindest was meinen diesbezüglichen Erfahrungshorizont betrifft.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

Drama:

Jetzt geht’s weiter mit den Podcast-Flaschen:

1. Wein: 2015er Riesling – Jour fixe – Brut nature – Sekt b.A., Immich-Batterieberg, Mosel

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Im Glas ein dunkles Goldgelb, mäßige, aber beständige Perlage, in der Nase dicht Apfelsaft plus Stachelbeere, leicht Brioche, etwas Zimt. Am Gaumen dann wieder grüner Apfel mit Stachelbeere, aber auch Quitte und leicht Maracuja sowie Honigmet. Das Ganze wirkt leicht hefig, relativ herb und vor allem knalltrocken, etwas weißer Staub mischt auch mit. Die Säure ist richtig satt vertreten, es steht ihr jedoch genügend Extrakt gegenüber. Der Abgang ist lang und herb-fruchtig, wirkt dann hinten ‚raus sogar noch etwas adstringierend.

Sehr schönes Beispiel, daß auch sehr trockene Schäumer genügend Süßreserven aus dem Extrakt auffahren können, wenn der denn ausreichend da ist. Das ist hier sehr schön gelungen.

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 21/25

2. Wein: 2016er Riesling – Detonation – trocken – Qw, Immich-Batterieberg, Mosel

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Die Farbe ist ein dichteres Strohgelb, das Bukett ist im wesentlichen flintig auf der filigranen Seite, auch wenn es sich mit der Zeit etwas verdichtet. Hinter der Mineralik spielen Ananas und Ugli mit. Am Gaumen herrschen Zitrone, Limette, und wieder Ugli vor, später auch ein bißchen Maracuja; die Flintseite ist hier kaum ausgeprägt. Die Säure ist kernig, aber ganz gut abgepuffert, das ganze kommt gefühlt auf einem herberen Kalkbett daher. Der Abgang ist von mittlerer Länge, der Zitruskorb ist hier leicht gebremst unterwegs.

Dieser Riesling ist möglicherweise noch nicht so ganz „da“, fällt am Gaumen etwas ab und den Abgang hätte ich mir auch etwas lebendiger gewünscht.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25

3. Wein: 2011er Spätburgunder – Enkircher Monteneubel – trocken – Qw, Immich-Batterieberg, Mosel

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Die Farbe ist ein Granatrot mit bräunlichem Touch, mittlere Transparenz, in der Nase Pattex, Schinken, je nach Glas auch süß wirkende Kirschen. Am Gaumen dann geklebte Kirschen, etwas Granatapfel, dann Minze, Pecorino, Oregano, Salbei und etwas Kuhstall, in anderen Gläsern auch Taleggio und Eukalyptus. Die Säure ist soweit gut ausgebildet, der Abgang zeigt wieder deutlich Klebstoffe; Frucht, Kräuter und Säure sind in schöner Balance.

Das ist jetzt eher ein „Freakwein“, eine Stimme aus der Runde meinte „mit dem Wein gewinnt man nix!“. Sehr eigenständig, im besten Sinne interessant, aber aus meiner Sicht als Essensbegleiter schwierig, eher was für „Spezialfälle“.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

Epilog:

Den gab’s diesmal nur in der Form, daß wir die ganzen Weine einfach nochmal nachverkostet haben…

Fazit:

Sehr schöne, entspannte Runde, welche diesmal recht deutlich bekräftigte, daß man auch für außergewöhnliche, weil in ihrer Machart recht eigenständige Weine nicht unbedingt viel Geld ausgeben muß. Bestes Beispiel hier für mich eigentlich der flintige Guts-Spätburgunder von Johner, aber auch die beiden Schwarzrieslinge sind -auch hinsichtlich der Preise- super Sachen. Sehr bemerkenswert auch der recht eigene „Zero infinito“, der es in jedem Fall auch in meinen Keller schaffen wird, von der Immich-Batterieberg-Auswahl wird dies vor allem auf den „Jour fixe“ zutreffen.

Abschließend vielen Dank an den diesmaligen Veranstalter und Bewirter, da gehe ich immer wieder gerne hin!

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