Älterer (?) Nationalwein

Heute hab‘ ich ausnahmsweise mal ganz alleine ein Weinchen geöffnet, das kommt bei mir eher selten vor. Als Belohnung für die heute geleisteten Malerarbeiten gab’s dann zu einem Trüffelomelette den

2003er Touriga Nacional – Dão DOC, Quinta dos Roques, Beiras

Die Farbe ist ein dunkleres Granatrot mit leicht violetten Rändern, mittlere Transparenz. Das Bukett zeigt sofort dicht und fast fett Pflaumen von einigermaßen frisch bis deutlich gedörrt, aber nix kompottiges, vielleicht noch ein Hauch Armagnac. Dazu zurückhaltend, aber dennoch prägend Holz in Form von Lakritze, Zuckerkulör und Vanille, etwas Schnupftabak. Am Gaumen fällt zuerst die sehr belebende Säure auf, die den teils recht konzentrierten Pflaumen jeglichen Schrecken nimmt. Die Tannine sind butterweich, anfangs keine Adstringenz, erst nach dem Schlucken ein bißchen. Das Holz ist auch hier sehr distinguiert, aromatisch weitgehend wie oben beschrieben, vielleicht noch was ganz leicht herb-teeriges dazu. Der Abgang macht im Minutenbereich Freude, wieder die Pflaume von frisch bis getrocknet, aber immer frisch wirkend, dazu die perfekte Säure und das stützende Holz.

Wenn ein Roter mit 15 Jahren auf dem Buckel noch leicht violette Ränder am Glasrand zeigt, ist das m.E. schon bemerkenswert. Dieser Dão ist zwar gereift, aber wirkliche Alterungsnoten zeigt er noch gar nicht. Vor allem fasziniert mich diese jugendliche Frische gepaart mit etwas Reife; es wirkt so, als ob nur eine Hälfte des Flascheninhalts „gealtert“ ist und die andere vom Jungbrunnen gekostet hätte. Macht im aktuellen Stadium sehr viel Freude!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

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2 comments on “Älterer (?) Nationalwein

  1. Hast Du den Wein all die Jahre im Klimaschrank oder Ähnliches gelagert?

    Ich frage mich in letzter Zeit öfters, ob solche Geräte – ich besitze inzwischen zwei – für „normale Weintrinker“ (in der Regel keine Lagerung über Dekaden) überhaupt einen Mehrwert haben…

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    • Ich habe keine Klimaschränke, nur einen ganz normalen Reihenhauskeller zur Nordseite hin. Bis vor zwei Jahren -solange noch die alte Gasheizung drin war- schwankten die Temperaturen von ca. 8 °C im Winter bis max. 18 °C im Sommer, auch bei knapp 40 °C Außentemperaturen in 2015. Seit die neue Heizung ihre Frischluft über den Kamin ansaugt, sinkt die Temperatur im Winter nur noch auf ca. 13 °C ab. Großartig nachteilige Wirkungen habe ich bei diesem Keller nie feststellen können, und viel wichtiger noch als die Temperaturen ist aus meiner Sicht eigentlich, daß es die Weine immer schön dunkel haben. Licht richtet wohl mehr Schaden an als die Temperatur. Unter 20 °C muß man m.E. auch bei (dunkler) Langzeitlagerung keine Befürchtungen haben, auch wenn einem die Klimaschrankhersteller komischerweise was anderes erzählen. Wenn ich allerdings in einer Mansardenwohnung leben würde, wäre das was anderes. Ich habe mir auch schon mal überlegt, ob ich mir einen ganz kleinen Schrank bzw. Temperiergerät für 5 bis max. 10 Flaschen kaufe, um die Weine vor dem Einsatz auf sinnvolle Temperaturen zu bringen. Aber das wäre dann schon das Maximum meiner Überlegungen…

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