Das arme Instrument…

…wird sich womöglich mancher stellenweise denken, wenn er die Musik des Albums

Marc Ribot – don’t blame me

zu hören bekommt. Der amerikanische Gitarrist, der in der Regel der „Avantgarde“ zugeschrieben wird, hat einen ganz eigenen Spielstil, dessen Ursache u.a. bei Wikipedia so beschrieben wird:

Obwohl er Linkshänder ist, spielt er eine Rechtshänder-Gitarre. Das technische Handicap gleicht er mit einer individuellen und einfallsreichen Spielweise aus. Der Autor und Musikkritiker Robert Fischer zitiert ihn mit den Worten, dass es „ein großes Maß an Kontrolle brauche, um Musik zu schaffen, die klingt, als ob sie unkontrolliert sei“.

Beim Hören dieses Albums kann ich das obige Zitat nur voll bestätigen. Die CD fängt mit dem Stück „I’m In The Mood For Love“ (von Jimmy McHugh) an, bei dem sich die E-Gitarre wie ein gestrichener und durch eine Blechbüchse verstärkter Kontrabass anhört. „Noise #1“ macht dann seinem Namen alle Ehre, wobei das Stück gar nicht mal laut ist, es ist eher so eine Art gekonnter, leiser Krach. Mit dem ebenfalls von Jimmy McHugh komponierten „don’t blame me“ merkt man dann das erste mal auf dieser CD, daß Marc Ribot auch „richtig“ spielen kann, wobei er immer wieder „infantile“ Passagen einstreut. „Ghosts“ von Alber Ayler klingt wie eine Etüde, bei der einfach mal alle möglichen Akkorde auf der Gitarre ausprobiert werden. Die Eigenkomposition „Spigot“ könnte auch in einer modernen „Gaslight“-Verfilmung erfolgreich Verwendung finden. Der Klassiker „Body and Soul“ klingt dann wieder herrlich kontrolliert unkontrolliert, stellenweise ein bißchen wie die Zither von Anton Karas in „Der dritte Mann“. Dann mit „Bouncin‘ around“ eine schöne mögliche Alternative zur der Interlude-Musik bei Jim Jarmushs „Night on Earth“. „Solitude“ (von Duke Ellington) hört sich sehr Ukulele-artig und stark reduziert an, zwischendrin scheint es immer wieder, als würde das Instrument während des Spiels nachgestimmt. „Dinah“ fängt irgendwie immer von Neuem beschwingt an, um dann wieder einen Hänger zu haben, „Song for Che“ (von Charlie Haden) ist eigentlich das am perfektesten anmutende und auch bedächtigste sowie komplexeste Stück. Mit „These foolish Things“ dann eine so gar nicht foolishe Interpretation dieses Stücks, bei welchem Marc Ribot zwar auch ein paar schräge Töne einflicht, insgesamt aber anscheinend nochmal beweisen will, daß er sein Instrument auch tatsächlich beherrscht. Mit „Noise #2“ wird das aber gleich wieder konterkariert, die E-Gitarre wird hier sehr sphärisch verzerrt, könnt‘ ich wahrscheinlich auch (oder doch nicht?). Dann als krönender Abschluß „Ol‘ Man River“, recht langsam und intensiv gespielt, wieder ein bißchen „Der dritte Mann“-Feeling, insbesondere der Anfang könnte auch gut zur Schlußszene auf dem Friedhof passen, in der Folge wird das Thema dann aber schon recht aberwitzig verbogen.

Das ist nun gar nix für nebenher, wenn man sich aber bewußt auf die Solo-Gitarre von Marc Ribot einläßt, wird man mit viel Spaß an der Unzahl von gar nicht geleckten Details belohnt; wie so oft beim Wein machen’s auch hier die Ecken und Kanten aus.

Meine Wertung: 3/4

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