Nicht aus Franken – und doch aus Bayern… – Relaunch

Gestern war mal wieder Relaunch-Zeit, ich hab‘ mal wieder einen

2016er Chardonnay – Wasserburger Weinhalde – [trocken] – Qw, Schmidt am Bodensee, Bodensee

aufgemacht:

Im Glas Goldgelb mit ganz leichten rötlichen Reflexen, das Bukett liefert dichte, fortgeschrittene Gelbfrucht in Form von Äpfeln, Quitten, auch etwas Khaki und Physalis sowie sehr reife Kochbanane, das Ganze mit etwas Großholzaromatik aus der malzig-braunwürzigen Ecke überzogen. Geschmacklich wird der Naseneindruck fast 1:1 fortgesetzt, die sehr gut austarierte Säure nebst ein paar orange-zitrischen Aromen hält den Chardonnay trotz des deutlichen Extrakts von der Cremigkeit fern und dennoch kann man hier von einer Art „fetten Eleganz“ sprechen. Der Abgang zeigt ebenfalls eine schöne Balance vor allem zwischen Würze und Säure.

Bei der letzten Flasche hatte ich konstatiert, daß mir der Wein bereits recht „fertig“ erschien, zumindest war er damals noch nicht auf dem Höhepunkt und hat sich seither schön weiter nach vorne entwickelt. Alterungsnoten, irgendwelche Kraut- und / Molkefetzen, die solche Weine gerne mal zeigen gibt’s überhaupt nicht, er ist in sich stimmig und rund; das Einzige, was man ihm ankreiden könnte, ist, daß er bei aller Qualität auch ein Stück weit beliebig -weil quasi ohne Ecken und Kanten- ist. Aber auch solche Weine brauch‘ ich ab und zu.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 29. Juli 2017:

…das trifft nicht auf besonders viele Weine zu. Der Bodensee ist eine nach meiner Wahrnehmung eher wenig beachtete Außenseiter-Region in Deutschland, was auch seine guten Gründe hat. In den letzten Jahren haben hier aber einige -wenn auch bisher eher wenige- eigenständige Winzer (die also keiner Genossenschaft angehören) doch ein nicht zu verachtendes Qualitätsniveau erreicht. Eines der ganz ganz wenigen Güter auf bayerischem bzw. schwäbischem Boden im Bereich Wasserburg / Lindau ist das Weingut Schmidt am Bodensee.
Die Weine von diesem Gut sind gar nicht so leicht zu bekommen. Das Gut ist nicht so übermäßig groß und das, was produziert wird, wird zum nicht geringen Teil für die eigene Gastronomie und Weinbar benötigt. Der Rest wandert gemäß Auskunft vor Ort zu einigen umliegenden (Fremd-) Restaurants und für das, was übrig bleibt, gilt wohl das Windhund-Prinzip. Wir waren letztes Jahr zu Pfingsten auf dem Gut bzw. in der Weinbar, konnten aber außer den Reserve-GB’s nichts weiter käuflich erwerben, da man bis auf das, was man für den eigenen Betrieb braucht, ratzeputz ausverkauft war. Allerdings konnten wir alles (aus 2015) probieren. Ich wurde dann in den Mail-Verteiler aufgenommen und habe dann noch in 2016 die für mich interessanten Weine reservieren können. In der Hoffnung, daß 2016 bezüglich meiner Vorlieben eher schöner wird als 2015, habe ich dann mal ein paar Fläschchen bestellt, die dann im Mai ausgeliefert wurden und gestern war das erste davon dran:

2016er Chardonnay – Wasserburger Weinhalde – [trocken] – Qw, Schmidt am Bodensee, Bodensee

Im Glas ein helleres Goldgelb mit leicht rötlichen Reflexen, in der Nase schmelzig-fruchtig, frittierte Kochbanane, Backapfel, Akazienhonig, weiters leicht Sternanis und Koriandersaat. Am Gaumen intensiv und beschwingt zugleich, hier kommen noch leicht Limette und Blutorange dazu, diese für sich gesehen aber wieder recht konzentriert. Die würzige Seite ist hier etwas potenter, aber nicht vorlaut; die Säure kommt mit dem reichlichen Extrakt sehr gut zurecht und hält den Chardonnay gut auf der flüssigen Seite. Übrigens: „trocken“ ist zwar nicht auf dem Etikett vermerkt, der Wein ist aber zweifelsfrei kein bißchen restsüß. Der Abgang ist lang und kräftig, aber nicht belastend, hier ist die Würze incl. Lakritze zwar nochmals etwas deftiger, hält sich aber immer noch im angenehmen Rahmen.

Dieser Chardonnay bietet aus meiner Sicht eine sehr schöne Balance zwischen Dichte, Frische und Eleganz und wirkt schon erstaunlich „fertig“ für sein Alter. Mal sehen, wohin die Reise mit etwas Lagerzeit auf dem Buckel geht, denn wie oben beschrieben, scheint der Fokus der Erzeuger zumindest nicht mit Vorsatz auf möglichst lange Lagerfähigkeit ausgerichtet zu sein. Was nun nicht unbedingt was Negatives in meinen Augen ist, man muß dann nur entsprechend mit den Weinen umgehen. Jetzt gibt’s jedenfalls mal

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 19/25

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