34. Weinrunde in München

Am vergangenen Donnerstag gab’s mal wieder eine Weinrunde, bei der die Aufgabe war, einen zur Ente passenden Wein mitzubringen. Das -übrigens ganz hervorragende- Federvieh stammte aus Mecklenburg und brachte zu Lebzeiten ein recht ordentliches Gewicht auf die Waage…

Prolog:

Zu Beginn traditionsgemäß ein Einsteiger:

Wein A: 2016er Weissburgunder – Mediævum – Südtirol DOC, Markus Prackwieser – Gumphof, Südtirol

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Die Farbe ist ein helleres Goldgelb mit Ockertouch, für’s Näschen gibt’s dichte, leicht kompottige Frucht wie Pfirsich und Physalis, dazu etwas Torf. Geschmacklich wieder dichte Gelbfrucht, leicht Pfeffer, die Säure ist recht gut balanciert, ein paar mineralische Bitterchen schwingen mit. Der Nachhall hallt recht lang, ist dabei fruchtig-würzig-dicht.

Finde ich recht gut gemacht, Frucht und Würze sind gut ausgeprägt, keine übertriebene Holzaromatik, jedoch andererseits ohne allzu große Eigenheiten. War nicht im Entenwettbewerb, hätte aus meiner Sicht aber auch ganz gut dazu gepaßt…

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 20/25

Drama:

Rot war klar in der Übermacht, Ente geht aber eigentlich auch gut mit Weiß, mal sehen:

1. Wein: 2015er [Chardonnay] – Pouilly Fuissé AC, Nicolas Maillet, Bourgogne

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Im Glas ein dunkleres Goldgelb. Geruchlich gibt’s samtig und dicht reifere Äpfel, auch in gebratener Form, leicht reifere Rambutan und etwas Naphtalin. Am Gaumen kommt eine ganz leichte Kohlnote dazu (fällt mir bei Pouilly Fuissé öfters auf, möglicherweise ein Resultat vom Säureabbau), dazu gibt’s Speckstein und grüne Kochbananenschale, ein paar seifige Steine noch; die doch recht deutliche Säure hält den Wein von der Cremigkeit fern. Auch beim recht langen Abgang macht die Säure eine ganz gute Figur, die Frucht wirkt hier etwas gebremst bzw. belegt / gerbstoffig.

Sehr schön balanciert, in sich stimmig, der Kohlhauch hat mich aber von einer höheren Bewertung abgehalten, als Entenwein durchaus passend.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25, Matchfaktor 2/3

2. Wein: 2012er Malvazija – dry – Vipava CGO – Qw ZGP, Burja, Primorska

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Die Farbe ist ein dichtes Goldgelb, das Bukett zeigt einen dichten Extrakt von Orange, Kumquat und Quitte. Am Gaumen dann eher Kern- und Steinobst auf der Kellertreppe, dazu altes Holz und Phenol sowie Kümmel mit leichtem Bitterchen. Die Säure arbeitet recht effektiv, das Ganze kommt auf einem schönen Steinbett daher. Der Abgang ist lang und und am ehesten von Reifenoten bei guter Säurestruktur geprägt.

Wirkt bereits deutlich gereift mit ein paar kleinen Schmutzigkeiten, auch wenn teils noch jugendliche Komponenten in dem Wein herumspuken; wirkt am Gaumen streckenweise ein bißchen substanzarm, paßt aber ganz gut zum Essen, solange man nicht zu viel Fett im Mund hat.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 18/25, Matchfaktor 2/3

3. Wein: 2001er Cuvée Romain Pauc – Corbières AC, Château La Voulte-Gasparets, Languedoc-Roussillon

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Aktuellere Weine sind eine Cuvée aus 50 % Carignan, 25 % Grenache, 15 % Mourvèdre und 10 % Syrah, das kann natürlich beim 2001er deutlich anders sein, einen Weinbrief zu diesem Jahrgang habe ich leider nicht gefunden.

Die Farbe ist ein dunkleres Granatrot mit leichtem Braunton, kaum transparent. Für die Nase gibt’s fortgeschrittene Pflaumen, auch Datteln und Schlehen, weiters leicht Nelke und dunkler Tabak sowie Vanille. Am Gaumen eher tanninarm, wieder Pflaumen, auch in angedörrter Form sowie Feigen; auf der mineralischen Seite Eisen, etwas schieferiges sowie ein metallisches Bitterchen. Der Abgang ist dann deutlich metallisch-staubig mit durchaus dichter Frucht und schöner Säurestruktur.

Hier hat mich vor allem in Verbindung mit den fetteren Bestandteilen der Ente die metallische Seite gestört, was bei mir auch generell eine Nachkaufwertung hemmt…

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 18/25, Matchfaktor 1/3

4. Wein: 2012er Tempranillo – El Vínculo – Crianza – La Mancha DO, Alejandro Fernández, Castilla-La Mancha

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Im Glas ein sehr dunkles und blickdichtes Rubinrot. Bukettmäßig zeigen sich vor allem schwarze Johannisbeeren und etwas Bauholz. Am Gaumen auch im wesentlichen Johannisbeersaft mit deutlich Allohol (hat auch satte 15 Umdrehungen), etwas Zeder, dazu hartes Tannin, Pimentos mit grünem Bitterchen und eine recht scharf wirkende Säure. Der Abgang ist leider recht lang, dabei scharf und magnesiumlastig.

Nö, das war gar nix!

Meine Wertung: Nachkauf 0/3, Gesamt 11/25, Matchfaktor 0/3

5. Wein: 2013er Vinho Tinto – Crooked Vines – Cuvée – Douro DOC, Secret Spot, Douro

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Dies ist eine Cuvée aus über 20 verschiedenen Rebsorten, die aus Weingärten stammen, die mindestens 50 Jahre alt sind.

Im Glas ein sehr dunkles Rubinrot mit violetten Rändern, kaum Transparenz. In der Nase erst mal deutlich gerbstoffig, dann Schwarzkirsche, rote Pflaume und Feige, aus dem Holz Kakao und etwas Kaffee und ordentlich Kräuter in Form von Oregano, Thymian und Salbei. Am Gaumen wieder deutlich gerbstoffig, aber eher wenig Tannin, leichte Adstringenz. Ansonsten wird der Eindruck vom Bukett her vertieft, dazu gibt’s eine schön balancierte Säure und einige Steinchen. Der Abgang ist recht lang, dabei erdig-kräuterig mit animierender Säurestruktur.

Dicht-kraftvoll-rustikal-stimmig, für die Ente nur fast schon zu viel des Weins. Ich denke, der Wein blüht erst mit einigen weiteren Jahren auf dem Buckel so richtig auf..

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25, Matchfaktor 2/3

6. Wein: 2014er Merlot – WO Stellenbosch, Asara, Coastal Region

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Im Glas ein sehr dunkles Ziegelrot mit geringer Transparenz. Bukettmäßig zeigen sich süße Pflaumen und Rosinen in kompottiger Konsistenz, dazu Palmzucker, dunkler Tabak und Eukalytus / Minze. Am Gaumen dann rote Paprika, deutliche Tannine, etwas Adstringenz, wieder Palmzucker und Malz, moderate Säure und Teer. Der Abgang ist recht dick und „beppig“ mit süßlicher Frucht.

Diesen Merlot hatten wir schon mal in einer Runde, viel besser geworden ist er nicht, auch wenn ein paar Fortschritte erkennbar sind. Ist aus meiner Sicht immer noch an der Grenze zu „anstrengend“, die Säure läßt einfach zu wünschen übrig…

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25, Matchfaktor 1/3

7. Wein: 2010er Pinot Noir – Bourgogne AC, Lamy-Pillot, Bourgogne

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Im Glas ein dunkles Ziegelrot bei mittlerer Transparenz. Bukettmäßig zeigen sich reife Schwarzkirschen und Waldhimbeeren, ganz wenig Holz spürbar. Am Gaumen relativ dünn wirkend, überdeutliche Säure, „alte“ Himbeeren, wieder wenig Holz und ein paar Kräuterchen. Der Abgang ist mittellang, dabei beerig und etwas dünn wirkend.

Das ist zwar nur ein eher einfacher Pinot Noir, aber daß man ihn durch die ganze Runde eher als typisch deutschen Spätburgunder eingestuft hat, ist dann doch recht enttäuschend für einen Wein, der immerhin auch in der 15 bis 20 Euronen-Preisklasse liegt.

Meine Wertung: Nachkauf 1/3, Gesamt 16/25, Matchfaktor 1/3

Epilog:

Im Nachgang gab’s dann noch was, was sicher nicht für Entengerichte produziert wurde:

Wein B: 2016er Riesling – Kalkmergel – trocken – Gutswein, Rings, Pfalz

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Die Farbe ist Strohgelb mit rötlichen Reflexen, in der Nase viel Orange und Bitterorange, leicht Streichholzschachtelreibefläche. Am Gaumen kommen noch Kumquat, Pfeffer und Bimsstein dazu, die Säure ist recht knackig unterwegs. Der Abgang ist sehr lang und etwas bizzelig, hier ist die Bitterorange vorn dran, die Säure macht ebenfalls viel Freude.

Für einen Gutsriesling sehr stimmig und auch durchaus eigenständig, sehr schöne Eintrittskarte, die Lust auf mehr macht!

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 20/25

Fazit:

Ich persönlich war mit den Weißweinen zur Ente mehr zufrieden als mit der roten Seite, obwohl ich selbst was rotes mitgebracht habe; gedanklich war ich klar beim Spätburgunder, aber nicht dem, den ich hier unbekannterweise ins Rennen geworfen habe!

Last but not least vielen Dank an unseren diesmaligen Ausrichter, vor allem auch für den äußerst guten Vogel nebst Begleitung…

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2 comments on “34. Weinrunde in München

  1. Ich bin großer Fan vom Weingut Rings. Das „Kleine Kreuz“ war vor vielen Jahren – lange bevor das Weingut VDP-Mitglied wurde – mein erster etwas hochpreisigerer Rotwein. Inzwischen finde ich in diesem Bereich jedoch insbesondere die Spätburgunder klasse.

    Die bisher von mir verkosteten Weißweine zeichneten sich durchgängig durch eine knackige Säurestruktur aus – insofern kann ich mir gut vorstellen, dass mir auch der „Kalkmergel“ gut geschmeckt hätte.

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    • Es gibt eine ganze Reihe von Weingütern, von denen ich immer wieder begeisterte Berichte lese, es aber aus vielerlei Gründen nicht schaffe, mir selbst mal ein Urteil zu bilden; vielfach einfach deswegen, weil die häufiger frequentierten Händler den entsprechenden Winzer nicht Programm haben. Deshalb sind unsere Weinrunden auch so bereichernd, weil halt immer wieder was in die Gläser findet, was einem selbst noch nicht vor Flinte gelaufen ist. Bei Rings lohnt es sich auf jeden Fall, das weiter zu vertiefen!

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