Jung und reif

Schon am Mittwoch gab’s ein bißchen was zu feiern, da mußte auch ein angemessenes Weinchen her:

2015er Riesling – Hattenheim Nussbrunnen – trocken – Große Lage – GG, Balthasar Ress, Rheingau

Die Farbe ist ein recht dunkles, dichtes Goldgelb, das Bukett quillt über vor gelben und orangen Zitruszesten mit angekündigter, ordentlicher Säure, dazu eine tuffsteinige und bariumchloridige Mineralik. Am Gaumen sehr frisch, die Zesten kämpfen mit geballter Extraktsüße gegen die kernige Säure an, das Ganze bleibt aber klar auf der sehr frischen Seite. Die Mineralik bringt am Gaumen auch noch etwas Schiefer und Bakelit mit. Der Abgang ist anfangs auch sehr zestenkonzentriert, zum Finale hin schieben sich die Steine incl. Pampelmusenbitterchen mächtig nach vorne.

Kraft und Leichtigkeit in einem, beschwingt und mächtig zugleich, was will man (noch) mehr. Sehr weit entwickelt für ein GG, was man nach meiner Erfahrung bei den 2015ern fast generalisiert behaupten kann; das ist absolut keine überflüssige Jungweinvernichtung, ich frage mich eher, ob sowas mit 10 oder 15 Jahren auf dem Buckel auch noch so viel Spaß macht…

Meine Wertung: Nachkauf 3/3, Gesamt 23/25

2 comments on “Jung und reif

  1. Trinkfenster 2021 – 2040+ und mit 98 Punkten höchstbewertetes GG aus 2015 laut Hofschuster… Hab mich an meine Flaschen noch nicht rangetraut, sollte ich aber dann wohl bald mal ändern. Deine Verkostungsnotiz liest sich jedenfalls sehr vielversprechend. Haben wir uns nicht sogar damals bei Erscheinen und Verkosten dieses Weins kennengelernt, Herbst 2016? Viele Grüße

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    • Ja, ich denke das war damals! 🙂
      Bei vielen 15ern zweifle ich diese Trinkfensterangaben an, ich habe eher so den Eindruck, daß da gerne pauschal so nach dem Motto verfahren wird „GG = Jahrgang plus 5 bis plus 25“, was auch hier ziemlich gut paßt. Ähnliches habe ich beim 15er „Im Großen Garten“ von Philipp Kuhn auch erlebt, bei dem ich erst vor einiger Zeit gedacht habe, wo der eigentlich noch hin will. Man muß es nur generell mögen, wenn so ein GG auch noch jugendlich ungestüme, freche Züge aufweist und noch kein bißchen Tankstelle mitbringt bzw. schon total gesettled ist, das ist dann wieder Geschmackssache.
      Was die Langlebigkeit angeht: die doch kernige Säure bei zumindest diesem Wein könnte schon ein gutes Indiz dafür sein, daß er generell bis 2040 durchhält, ich befürchte aber, daß bis dahin die Petrole und Phenole bei so viel früher Fruchtreife klar das Ruder übernommen haben, auch wieder Geschmackssache, in dem Bereich hab‘ ich’s lieber dezent. Mal schauen, welche Prognose letztendlich das Rennen macht, 15er GGchen hab‘ ich genügend im Keller…

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