Rheingau-Kabi

Da im Weinforum aktuell mal wieder eine kleine Diskussion über die Erwartungshaltungen hinter dem Begriff bzw. Prädikat „Kabinett“ ablief, habe ich mal wieder ein solches aus meinem Keller geholt, wobei ich zugeben muß, daß ich in dieser Kategorie nur sehr wenige Weine habe, weil ich einfach nicht so der typische „Kabi-Trinker“ bin. Wenn schon „Kabinett“, dann in der Regel trocken und dann entspricht ein solcher Wein auch nicht unbedingt den mehrheitlichen Erwartungen anderer Weinfreunde, die damit sehr häufig einen leichteren, beschwingten und etwas restsüßen Riesling -gerne von der Mosel- verbinden. Geöffnet wurde gestern der

2016er Riesling – Schloss Johannisberger – Rotlack – feinherb – Kabinett – Pw, Schloss Johannisberg, Rheingau

Im Glas ein helleres Goldgelb, für die Nase gibt’s vorwiegend Mandarinenzesten, dazu etwas Schwefel und Zunder, mit der Zeit etwas abschwellend. Geschmacklich dann viele gelbe bis orange Zitruszesten, ausgeprägte Extraktsüße, der Zucker ist deutlich spürbar, aber doch noch auf der angenehmen Seite unterwegs, steinseitig findet man etwas gezuckerten Tuffstein. Der Abgang ist recht lang, süßliche Zitrusfrucht mit leicht mineralischem Finale.

Wie eingangs schon konstatiert und jetzt nochmal gefestigt, ich bin einfach kein Kabi-Trinker. Auch wenn der Zucker hier doch recht gut eingebunden ist und die Aromatik wirklich richtig Spaß macht, habe ich mir das Ganze dann doch bei jedem Schluck deutlich trockener gewünscht. Dennoch:

Meine Wertung: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 18 von 25

2 comments on “Rheingau-Kabi

  1. Kann ich gut nachvollziehen, denn mir geht es ganz ähnlich.

    Vor einigen Wochen hatte ich einen restsüßen Moselwein (Caro Riesling Spätlese von Hoffranzen – bereits bei einem anderen Video-Weinblog vorgestellt) im Glas. Beim ersten Schluck habe ich mir „Zitronenlimonade“ notiert, später gab es dann Petrol und Schiefer dazu. Und eine ganze Menge – für meinen Geschmack zu viel – Zucker. Zitronenlimo eben, wovon ich seit ich dem Kindesalter auch keine ganze Flasche mehr getrunken habe. Einziger Vorteil war der geringe Alkoholgehalt von nur 7,5%. Das würde ich mir bei trockenen Weine auch wünschen!

    Trotz allem scheint dieser Weinstil wieder immer größeren Anklang zu finden. Zumindest in der wachsenden Münchner Weingastronomie-Szene findet man vermehrt restsüße Weine auf den Karten bzw. wurden mir „Kabi“ und Spätlese auch schon von Servicepersonal explizit als „Tipp des Hauses“ empfohlen.

    Liken

    • Zitronenlimo war dieser „Rotlack“ zwar zum Glück nicht, aber solche Assoziationen hatte ich bei diesem Thema auch schon. Es dürfte leider kaum möglich sein, einen mindestens weitgehend durchgegorenen Wein mit gerade mal 7 Umdrehungen hinzubekommen, wenn man die Trauben nicht total grün erntet. Erstaunlichster diesbezüglicher Wein war für mich bis jetzt ein trockenes Kabinett von Martin Müllen mit gerade mal 10,5 Umdrehungen, der dennoch weit von aromatischer Schwindsucht entfernt war.
      Ich beobachte auch immer wieder, daß „der gemeine Weintrinker“ sehr häufig lieber zu süßlicheren Weinen greift.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s