Oranger Traminersaft

Gestern hatte ich mal wieder Lust auf was nicht so ganz alltägliches, in der Kategorie spielen die Österreicher m.E. recht weit oben mit. Im Gegensatz zu den Deutschen trifft auf unser Nachbarvolk die Feststellung „De scheißen se niix!“ (das muß man sich jetzt im Wiener Dialekt vorstellen, gern auch etwas südlicher) nach meinem Gefühl etwas mehr zu, so kommen von dort auch gefühlt mehr Weine aus der Experimentierecke. Das kann natürlich auch mal in die Hose gehen, aber oft genug kommt dabei was sehr spannendes heraus; mal sehen, ob das mit dieser Flasche auch so ist:

2016er [Cuvée] – Traminer – maischevergoren – trocken – Landwein Weinland, Andreas Gsellmann, Neusiedlersee

Dies ist übrigens eine Cuvée aus Gelber Traminer, Roter Traminer und Gewürztraminer.

Die Farbe ist ein trübes, relativ dunkles Orange, die Nase bekommt süßlichen Cidre mit Rosen und auch etwas Quittenlikör ab, ist jedoch nicht brandig; im Hintergrund ein bißchen Kellermuff (geht aber mit der Zeit). Am Gaumen ähnlich, hier auch fermentierte Kumquat, etwas Malz, der klar süßliche Extrakt wird durch die im Hintergrund arbeitende Säure gut im Zaum gehalten, dazu Magnesiumoxid und ein helles mineralisches Bitterchen sowie ein ganz klein bißchen Hefe. Der Abgang ist lang und warm, geschmeidig und herb zugleich, irgendwie auch saftig, leicht süßlich, aber eben nicht süß, nicht wirklich frisch, aber doch sehr belebend.

Dieser Traminer gefällt mir in der Sparte der maischevergorenen Sachen insbesondere auch deswegen recht gut, weil die Rebsorten doch noch ganz gut erkennbar sind, das ist bei den orangen Sachen nicht immer der Fall. Vielleicht nicht die alleroberste Liga der Maischevergärer, macht aber sehr viel Spaß, trinkt sich allerdings auch recht gefährlich, denn die 13 Umdrehungen erscheinen trotz der Cidre-Aromatik beim Trinken wie nicht vorhanden.

Meine Wertung: Nachkauf 2/3, Gesamt 21/25

4 comments on “Oranger Traminersaft

  1. Einer meiner absoluten Lieblingsweine, zumindest aus 2013 und 2015. 2016 hab ich noch nicht probiert. Der 16er stammt wohl aus nicht eigenen Trauben, diese sind damals aufgrund schlechter Wetterbedingungen (Frost/Hagel?) kaputt gegangen. Hat der eigtl. eine Bio-Auslobung?

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    • Hallo Christoph,
      nein, nix bio, das Etikett ist da ganz klassisch. Ein bißchen „Luft nach oben“ sehe ich noch, aber nicht so arg viel. Kam übrigens auch auf ungeübter Seite sehr gut an und wirkte kein bißchen polaisierend…
      VG Erich

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