Himmel auf Erden – Relaunch 3

Schon wieder sind eineinhalb Jahre vergangen, seitdem ich die letzte Flasche des

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [weiß] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

geöffnet habe;. War damals schon sehr schön entwickelt; geht’s immer noch aufwärts oder ist der Zenit schon überschritten?

Im Glas ein recht deutliches Goldgelb mit leichtem Messingeinschlag, ganz leicht trüb. Das Bukett ist vom Fleck weg sehr dicht mineralisch mit Basalt und Schießpulver, dahinter etwas versteckt reife Gelbfrucht wie Khaki und gelbe Pflaumen, auch etwas Roiboos-Tee. Geschmacklich kommt die hier etwas weniger reife Frucht leicht mostig daher, wird ergänzt um milde Zitrone und Pomelo, das Ganze mit etwas Malz und Lakritz überzogen. Die Säure ist sehr animierend, trotz einer ganz leichten Cremigkeit ist der Himmel hochflüssig, ein Hauch Schwarztee schwingt mit. Der Nachhall hallt im Minutenbereich, präsentiert die reduktive Frucht hier mit einem schönen Limettenbitterchen, im Finale setzt sich etwas Lakritze gepaart mit der perfekten Säure durch.

Leicht und stoffig zugleich, aus meiner Sicht eine perfekte Säurebalance, ein schmutzig-elegantes Bukett, fordernd-entspanntes Mundgefühl und ein Abgang, der einen recht lang schwelgen läßt; dieser Himmel ist jetzt in Hochform, mir fällt da nur noch wenig ein, was ich da „mehr“ haben möchte.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 22 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 14. Oktober 2017:

Nachdem der letzte -rote- Himmel auf Erden vor ein paar Tagen mich mit dem Eindruck zurückließ, daß er sich gerade in einem Formtief befindet oder vielleicht sogar ganz auf dem absteigenden Ast unterwegs ist, wollte ich heute mal wissen, ob sein weißer Bruder aus dem gleichen Jahr

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [weiß] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

ähnliche Schwächen zeigt:

Die Farbe ist ein ganz leicht getrübtes Goldgelb mit Ockerstich, geruchlich zeigt sich gleich recht dicht von süßlichen Gerbstoffen umwabertes Obst in Form von Birne Helene mit etwas Zimt und ganz wenig Karamellbonbon. Am Gaumen fällt beim ersten Schluck eine extrem kantige Säure auf, aber schon beim zweiten Schluck ist die Fruchtsüße soweit aus dem Tiefschlaf erwacht, daß Schüttelreflexe ausbleiben. Beim dritten Schluck befindet sich die Säurestruktur schon nahe der Perfektion. Es tut sich also recht viel im Glas, wenn man sich die Zeit nimmt, den Wein ein bißchen zu verfolgen und ihm auch etwas Temperatur zu gönnen. Auf der Fruchtseite spielen hier auch z.B. Maracuja, Khaki, Papaya und reife Karambole mit, aber nie alle gleichzeitig, es herrscht ein Kommen und Gehen wie im Taubenschlag. Die sehr handsamen Gerbstoffe sorgen in Verbindung mit dem Extrakt für eine leichte Cremigkeit, ohne daß dabei die frische Seite jemals verlassen wird. Rooibos-Tee gibt’s übrigens auch noch gratis dazu, manchmal auch noch eine kleine unraffinierte Palmzucker- und / oder Lakritznote. Der Nachhall hallt ordentlich, hier geben die Gerbstoffe in sanfter, aber doch deutlicher Manier den Ton an, die herben, teils leicht mostigen Früchte spielen aber im Rotationsprinzip auch mit.

Dieser 13er Himmel ist im Gegensatz zum roten Bruder ganz und gar auf der Höhe. Ich habe den Eindruck, daß sich nunmehr deutlich mehr im Glas abspielt als beim letzten mal, jedenfalls animiert der weiße Himmel ständig zur erneuten Analyse und läßt keine finale Zustandsbeschreibung zu. Großer Spaß im Glas!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 25. Juni 2016:

Um den Abend nach den zwei vorangegangenen Pleiten (nur weintechnisch natürlich) noch zu retten, habe ich gestern abschließend mal wieder ein Fläschchen vom Neusiedlersee aus dem Keller geholt:

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [weiß] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

Das ist nun auch schon wieder gut eineinhalb Jahre her, daß ich diesen recht außergewöhnlichen Wein im Glas hatte. Mal sehen, was sich seither getan hat:

Im Glas ein leicht trübes Goldgelb mit Touch ins Orange. In der Nase leicht reduktiv, kalter Rauch, etwas angemostete Birnen, Maracuja und eine dezente Braunwürze. Am Gaumen merkt man immer noch die Gerbstofflast der Trauben, die von einer schönen Fruchtsüße getragen wird. Das äußert sich in viel Maracuja, aber auch Moro-Orange bzw. deren Schale, die saure Mango ist in reiferer Form auch noch da. Entfernt nun auch ein bißchen Lakritze. Die Säure verrichtet fast schon unauffällig aber dennoch perfekt ihren Dienst der Vermittlung zwischen Extrakt und der komplexen Sekundäraromatik, die neben der erwähnten Lakritze mit der Zeit auch erdige, malzige, und leicht ölige Komponenten offeriert. Mit 12 Ampere Tschida-typisch angenehm zurückhaltend im Allohol. Der Abgang macht mit der leicht malzigen, lakritzgeschwängerten Fruchtseite recht lange Freude!

Dem Himmel hat die Zeit im Keller seit der letzten Flasche recht gut getan. Er ist insgesamt stimmiger, eleganter geworden ohne dabei seine Ecken und Kanten zu sehr abzuschleifen. Sehr sehr schöner und versöhnlicher (Wein-) Abschluß des gestrigen Tages!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 17. Dezember 2014:

Die Weine von Herrn Tschida mögen alles mögliche sein, vergleichbar mit irgendwas anderem sind sie allesamt (soweit ich sie bis jetzt kenne) nicht. Das gilt auch für den

2013er [Cuvée] – Himmel auf Erden – [weiß] – trocken – Landwein Weinland, Christian Tschida, Neusiedlersee

Ich liebe die eigenständigen Kreationen aus diesem Haus, dieses Erleben eines Geschmacks, den man bis dato überhaupt nicht kannte. Beim Himmel auf Erden ist das bestimmt genauso, dachte ich mir. Der Wein ist eine Cuvée aus Scheurebe und Weißburgunder. Bei der erstgenannten Traube habe in den letzten Jahren leider nichts bemerkenswertes probiert. Na, da muß ich mich vielleicht mal mehr drum kümmern…

Christian Tschida geht bei der Weinwerdung recht unkonventionelle Wege. Eines der vielen Details ist, daß er bewußt zwischen den Weinstöcken alle möglichen flachwurzelnden Pflanzen wuchern läßt, die in Konkurrenz zu den Reben stehen und ihnen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben. Das zwingt die Reben zu tieferer Verwurzelung, was zu höherer Mineralität führen soll und entschleunigt das Wachstum, was sich wiederum in niedrigeren Zuckergehalten trotz abgeschlossener Reifung äußert und in der Konsequenz zu gehaltvollen Weinen mit eher niedrigen Alkoholgehalten führt. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig wiedergegeben.

Also bin ich doppelt gespannt. Die Farbe tendiert schon ein bißchen ins Graue, unterstützt wird das noch dadurch, daß der Wein etwas trüb ist – unfiltriert. Der Himmel auf Erden verfügt über eine sehr präsente Säure, die diesen Wein zusammen mit der eher komplexen Aromastruktur nicht unbedingt zu einem empfehlenswerten Getränk für Einsteiger macht. Meine erste Assoziation ging in Richtung saure Mango (gibt’s hier nicht, in Tanzania habe ich das kennengelernt), etwas später schieben sich Pfirsich und Aprikose in den Vordergrund. Säure und Mineralik bauen einen ziemlichen Druck auf, der sich sehr lange hält. Kein einfacher Wein, eher einer, den man entweder liebt oder haßt – dazwischen gibt es vielleicht nicht viel.

Ich jedenfalls liebe ihn und bin gespannt wie er sich mit der Zeit entwickelt!

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3

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