Was Kräftiges aus Kaltern – Relaunch 2 – mit und ohne Kork…

Heute gab’s einen spontanen Anlaß, mal wieder einen der „gemachten“ Weine von Peter Sölva zu probieren:

2012er Cuvée weiß – Amistar – Vino da Tavola, Peter Sölva, Südtirol

„Gemacht“ insofern, als daß die Amistar-Reihe diejenige ist, in der die Handschrift des Winzers besonders zur Geltung kommen soll, während die DeSilva-Reihe des Guts eher auf das „Terroir“ zielt.

Im Glas ein leicht zum orangen tendierendes Goldgelb, für’s Näschen gibt’s leider gleich einen zwar nur leichten, aber eben doch deutlichen Korkhauch. Also hab‘ ich mal wieder zur Frischhaltefolie gegriffen, welche den Korkmuff tatsächlich vollständig eliminiert hat. Dann gab’s herben, dunklen Honig (wie Koriander-, Kastanie-) und weit fortgeschrittene Marulas, dazu eine vor längerer Zeit mit Xylamon gestrichene Holzhütte. Am Gaumen gibt’s einiges an oxidierter Frucht, die recht geschmeidig daher kommt, das Holz ist hier eher plüschig wie bei einem sehr weichen Sherry, die Säure vermittelt dennoch Niederviskosität, allerdings würde ich mir in diesem Fall mehr Dichte wünschen. Der Abgang ist von ordentlicher Länge, aber auch hier gibt’s ein klares geschmackliches Loch, im Finale ploppt ein leichtes Teer-Bitterchen auf.

Der weiße Amistar ist nun anscheinend schon deutlich weiter gereift, als ich das vermutet hätte, die gegangene Frucht hinterläßt ein Loch, welches (noch?) nicht durch andere Aromen aufgefüllt werden konnte, bereits absteigend, würde ich meinen.

Meine Wertung dieser „entkorkten“ Flasche: Nachkauf 1 von 3, Gesamt 17 von 25

Dann habe ich mir allerdings gedacht, daß der „Abstieg“ schon recht extrem ist und mehr und mehr gemutmaßt, daß das TCA -auch wenn’s durch die Folie soweit eliminiert wurde- in den sieben Jahren des Flaschenlebens wesentlich auf die Aromastoffe eingewirkt haben könnte. Deshalb habe ich dann noch eine weitere -zum Glück korkfreie- Flasche geöffnet:

Die Farbe ist ein sattes Goldgelb, etwas heller als bei der kontaminierten Flasche. In der Nase ein sehr dichter Gelbfruchtmix aus Pfirsich, Aprikose, Quitte, Khaki und Kaktusfeige, gepudert mit Beifuß und Oregano, leicht Waldhonig; das Holz zeigt sich wohltuend zurückhaltend mit Ledertasche und leicht Anis. Am Gaumen kommt dieser Fruchtmix aufgrund der deutlichen Säure recht fluffig wirkend daher, das Holz bietet hier auch etwas Teer und ein Camparibitterchen. Der Abgang ist über eine Minute lang, dabei herb-fruchtig mit erstarktem, aber angenehmen Bitterchen.

Wenn ich in den letzten Jahren mal von einem Korkschmecker heimgesucht wurde, dann immer bei Einzelflaschen; deshalb war das jetzt mal ganz lehrreich, den Vergleich mit einer Konterflasche zu haben, um zu sehen, was sich durch den TCA-Einfluß so alles verändern kann, auch wenn man den eigentlichen Korkmuff wegbekommt. In der Vergangenheit hat der Folientrick mehrfach ganz gut funktioniert, manchmal aber auch nicht. Platte Erkenntnis daraus: je jünger der Wein, desto größer der mögliche Erfolg des Folientricks; wenn das TCA zu lange Zeit hatte, in der Flasche „zu wüten“, ist einfach Hopfen und Malz verloren.

So ist der Unterschied also ziemlich deutlich, eine korkfreie Flasche ist demnach auch noch längst nicht auf dem absteigenden Ast. Allerdings habe ich heute dann doch nicht ganz so tief in die Punktekiste gegriffen wie beim letzten mal, war vielleicht auch meine Tagesform…

Meine Wertung der Konterflasche: Nachkauf 2 von 3, Gesamt 20 von 25

Nachfolgend der Text der Verkostung vom 22. Juli 2017:

Gestern Abend schon wieder ein Weinchen, das seit der letzen Besprechung 2 Jahre Zeit hatte, sich im Keller zu besinnen:

2012er Cuvée weiß – Amistar – Vino da Tavola, Peter Sölva, Südtirol

Kraftvoll opulent, so hatte ich die weiße Cuvée aus der Amistar-Reihe -fern jeglicher DOC oder IGT-Regularien- in Erinnerung, genau sowas habe ich gestern gebraucht und gehofft, daß sich an der grundsätzlichen Ausrichtung des Weins nicht so viel verändert hat.

Im Glas ein schön dichtes Goldgelb, in der Nase vorwiegend gelbe, intensive Fruchtaromen von Nektarine, Mirabelle, Quitte und Kaktusfeige, die auf einem deutlichem Kräuterbett aus Estragon, Thymian und Kerbel daherkommen. Vom Holz her ein bißchen schweißgegerbte Lederjacke. Am Gaumen werden die Früchte noch durch etwas Kochbanane, gelbe Kiwi und Zitronat ergänzt, weiters spielen noch ein paar Rosinen mit. Die Säure wirkt moderat, allerdings steht ihr auch recht gehöriger Extrakt gegenüber; insgesamt ist der weiße Amistar bei einiger Cremigkeit aber noch deutlich auf der niederviskosen Seite unterwegs. Das Holz zeigt sich hier angenehm zurückhaltend in Form von etwas Sternanis und ansatzweise Kakaobohne. Der Abgang hält locker einige Minuten durch, präsentiert nochmal die ganze intensive Fruchtpalette auf würziger und leicht rauchiger Unterlage.

Die einzelnen Rebsorten können einige ihrer typischen Merkmale immer noch erfolgreich verteidigen, das führt zu einer nicht geringen Komplexität. Gefällt mir nun nochmal etwas besser als beim letzten Versuch, vor allem der Spagat zwischen druckvoller Präsenz und leichtem Trinkfluß ist vorbildlich geglückt. Man merkt eine deutliche Reifeentwicklung, ohne daß der Wein bereits „alt“ wirken würde, die Komplexität ist wohl etwas gestiegen. Insgesamt noch sehr ähnlich zu dem Stadium von vor zwei Jahren, der Höhepunkt ist wahrscheinlich noch ein paar Jahre entfernt, dennoch jetzt auch sehr viel Freude bereitend.

Meine Wertung: Nachkauf 3 von 3, Gesamt 21 von 25

Nachfolgend noch der Text der Verkostung vom 10. Juli 2015

Vom Weingut Peter Sölva & Söhne in Kaltern gibt es beim Wein drei Produktreihen. „I Vigneti“ sind die Basisweine aus vorwiegend autochtonen Sorten wie Vernatsch, Lagrein und Traminer (obwohl es bei dieser Sorte hinsichtlich der Autochtonität [gibt es dieses Wort überhaupt?] noch Klärungsbedarf gibt), „De Silva“ bezeichnet die Reihe von Weinen, die von alten Reben stammen und das Terroir besonders charakteristisch wiederspiegeln sollen (tun sie auch, siehe Sauvignon und Pinot Bianco), „Amistar“ ist dann die Top-Linie, die sich über entsprechend aufwendige Pflege und Selektion im Weinberg sowie im Keller definiert, also die Handschrift des Winzers wiedergeben soll. Der

2012er Cuvée weiß – Amistar – Vino da Tavola, Peter Sölva, Südtirol

ist neben dem Gewürztraminer (der mir einfach zuviel ist, muß man mögen) der zweite weiße Vertreter dieser Linie. Im Bianco sind Pinot Grigio, Sauvignon und 40 % Chardonnay enthalten, wobei insgesamt 5 % Trockenbeeren verwendet werden, die zuvor am Rebstock getrocknet sind. Der Chardonnay bleibt für ein halbes Jahr in Barrique-Fässern, die anderen Rebsorten reifen auf der Feinhefe im Stahl. Der Jahrgang ist auf der Flasche übrigens mit „X012“ angegeben, womöglich sind gar nicht alle Trauben aus dem gleichen Jahrgang, was wiederum ein Grund dafür wäre, daß dieser Wein „nur“ Vino da Tavola ist.

Die Farbe ist ein schönes Goldgelb, in der Nase zuerst ein Duft nach frittierten Kochbananen (erst dann frittiert, wenn die Schale schon sehr dunkelgelb mit schwarzen Flecken ist), Backäpfeln mit etwas Zimt und etwas Spekulatius. Auch etwas Obstblütenhonig und Honigmelone. Ganz leicht rauchig. Da wird der Nase also doch einiges geboten. Am Gaumen ebenfalls ein bißchen Weihnachtsgebäck, kandierte Früchte, reifer Pfirsich, Papaya, ein paar Nelken und Sternanis. Recht trocken, aber mit hohem Extrakt, feine, aber nicht dominiernde Säure. Zu den 13,5 PS steht der Wein. Kraftvoll, elegant, intensiv, nichts für die ganz warmen Tage, aber wenn es wie heute eher gemäßigt draußen ist, ist auch der Amistar Bianco ein schöner Sommerwein. Zwischen den Schlucken kann man sich Zeit lassen, der mineralische Abgang macht lang anhaltend Freude.

Ich mag auch gerne mal opulente und kraftvolle Weine. Vor allem dann, wenn sie bei aller Intensität doch mit einem gewissen Understatement daherkommen und sich nicht wie ein Pfau aufplustern und einem gleich Respekt einflößen wollen. Der Amistar Bianco ist ein schöner Vertreter dieses Weintypus.

Meine Wertung: Nachkauf 2 von 3

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4 comments on “Was Kräftiges aus Kaltern – Relaunch 2 – mit und ohne Kork…

  1. Hi Erich,
    klingt ziemlich spannend der Amistar. Aktuell hab ich auch öfter einen eher „gehaltvollen“ Weißen im Glas – eigentlich konträr zur derzeitigen Wetterlage. Aber bei uns gibt zumeist das Essen den Wein vor.
    Hat Deine Feldmarschall-Vertikale eigentlich schon stattgefunden?
    VG Patrik

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    • Hallo Patrik,
      bei uns bestimmen hauptsächlich auch das Essen sowie die Vorlieben der Mittrinker, was geöffnet wird. Das Wetter spielt zwar auch eine gewisse Rolle, aber doch eher untergeordnet, wenn’s nicht gerade Extremtemperaturen hat.

      Die Feld-Vertikale fällt aus, es haben leider zuwenige Leute Zeit und / oder Interesse. Die werde ich dann wohl nach und nach in kleinerem Kreis vernichten müssen, was jetzt auch nicht wirklich schlimm ist…

      Die Amistar-Linie von Sölva ist tatsächlich recht spannend, auch bei den roten Versionen. Obwohl zuletzt der 2009er Cabernet Franc etwas enttäuschend war, möglicherweise war er da gerade im Tiefschlaf…

      Schönen Rest-Sonntag wünsche ich!
      Erich

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  2. Der Wein klingt sehr interessant. Weißt Du noch, was Du dafür gezahlt hast?

    Ich „plündere“ die Vorräte nach Lust und Laune. Grad bei heißeren Außentemperaturen finde ich es dabei wichtig, dass die Weine nicht zu warm ins Glas kommen. Da lässt es sich nicht vermeiden, auch einmal einen Rotwein zeitweise zu kühlen.

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    • Moin moin!
      Für den weißen Amistar habe ich vor 3 Jahren 15,60 Euronen ab Hof bezahlt. Angesichts der Qualität und der Tatsache, daß Südtirol im Durchschnitt doch etwas hochpreisiger ist, finde ich den Preis absolut ok.
      Was die Temperaturen angeht: lieber etwas kälter ins Glas, warm wird’s eh von alleine…

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